Einfach nur Stille

Fahren E-Autos wirklich anders als "normale" Autos?

Ein Ausflug in die Berge ist mit dem vollelektrischen BMW i3 möglich. Das Gute an Elektroautos: Beim Bergabfahren kann durch die Bremsenergie die Batterie wieder ein wenig aufgeladen werden. Foto: BMW
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Ein Ausflug in die Berge ist mit dem vollelektrischen BMW i3 möglich. Das Gute an Elektroautos: Beim Bergabfahren kann durch die Bremsenergie die Batterie wieder ein wenig aufgeladen werden.
Die Cockpits von Elektroautos - wie hier das des BMW i3 - sind noch vergleichsweise herkömmlich. Technisch wäre durchaus mehr möglich, zum Beispiel die Steuerung über einen Joystick. Foto: BMW
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Die Cockpits von Elektroautos - wie hier das des BMW i3 - sind noch vergleichsweise herkömmlich. Technisch wäre durchaus mehr möglich, zum Beispiel die Steuerung über einen Joystick.
In Elektroautos informieren die Displays - wie hier im Jaguar I-Pace - auch darüber, wohin die Energie fließt. So ist erkennbar, wenn sich der Akku durch schnelles Fahren entleert. Foto: Florian Schuh
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In Elektroautos informieren die Displays - wie hier im Jaguar I-Pace - auch darüber, wohin die Energie fließt. So ist erkennbar, wenn sich der Akku durch schnelles Fahren entleert.
Im großen Display des I-Pace ist der Ladestand der Batterie und die Reichweite für den Fahrer jederzeit gut zu erkennen. Foto: Florian Schuh
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Im großen Display des I-Pace ist der Ladestand der Batterie und die Reichweite für den Fahrer jederzeit gut zu erkennen.
Christian Löer ist Marketing-Chef bei Jaguar/Landrover Deutschland. Foto: Florian Schuh
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Christian Löer ist Marketing-Chef bei Jaguar/Landrover Deutschland.
Im Nissan Leaf kann der Fahrer das E-Pedal aktivieren. Das Gaspedal ist dann gleichzeitig auch das Bremspedal. Foto: Nissan
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Im Nissan Leaf kann der Fahrer das E-Pedal aktivieren. Das Gaspedal ist dann gleichzeitig auch das Bremspedal.
Laden während das Auto - in diesem Fall der Nissan Leaf - parkt? Noch ist das in vielen Städten in Deutschland nicht flächendeckend möglich. Foto: Nissan
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Laden während das Auto - in diesem Fall der Nissan Leaf - parkt? Noch ist das in vielen Städten in Deutschland nicht flächendeckend möglich.
Gareth Dunsmore ist Electric Vehicle Director bei Nissan Europa. Foto: Nissan
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Gareth Dunsmore ist Electric Vehicle Director bei Nissan Europa.

Alle reden vom E-Auto, aber kaum einer fährt eins. Warum eigentlich? Am Fahrspaß kann es jedenfalls nicht liegen. Denn wer einmal ein E-Auto gefahren ist, will immer wieder.

Heulende Motoren, quietschende Reifen, ein röhrender Auspuff - für manche Auto-Fans gehört so etwas zu einem echten Fahrerlebnis dazu. E-Autos können da kaum mithalten. "Ein Elektroauto ist fast so etwas wie eine Oase der Ruhe", sagt Wieland Brúch, bei BMW zuständig für den i3.

"Die Beschleunigung ist unglaublich"

Wer sich in einen i3 setzt, weiß schnell, was Brúch meint. Nach dem Einschalten hört man als Fahrer erst einmal nichts. Kein Röhren, kein Brummen - einfach nur Stille. Auch wenn der Fuß das Gaspedal runterdrückt, wird es kaum lauter. Zu hören sind lediglich das Rollen der Reifen auf dem Asphalt und der Fahrtwind. Bei offenem Fenster und gemächlicher Fahrt kann man sogar noch das Vogelzwitschern hören. Aber bleibt da der Fahrspaß am Ende auf der Strecke?

"Die Beschleunigung ist unglaublich", sagt Christian Löer, Marketing-Chef von Jaguar Deutschland, bei einem Vorstellungstermin für den neuen Jaguar I-Pace. "Die 696 Newtonmeter stehen sofort zur Verfügung", beschreibt er die Kraftentfaltung des neuen Autos.

Nun erwartet man zwar von einem Marketing-Chef nichts anderes als Begeisterung für die Produkte aus dem eigenen Haus. Doch die Beschleunigung des vollelektrischen Jaguars ist in der Tat immens. Wer das Gaspedal durchdrückt, wird sofort kräftig in den Ledersitz gedrückt.

Egal welches E-Auto: An der Ampel lässt man auch mit kleineren Autos größere Sportwagen durchaus mal stehen.

Auch interessant: Dafür steht das "E" auf Auto-Kennzeichen wirklich.

Von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden

Der neue Nissan Leaf zum Beispiel schafft bei einer Leistung von 110 kW/150 PS den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,8 Sekunden. Der Porsche Macan mit seinem Vierzylinder-Verbrennungsmotor und 185 kW/252 PS ist mit 6,7 Sekunden nur unwesentlich schneller. Gegen den I-Pace hätte der Porsche aber keine Chance: Der Jaguar braucht mit seinen 294 kW/400 PS nur 4,8 Sekunden.

Der Spaß am Fahren ist auch einer der großen Reize, den Elektroautos ausüben, findet Löer. "Ich bin mit Autos aufgewachsen und hatte große Vorbehalte", erzählt er. Doch die waren sofort weg, als er das erste Mal in einem E-Auto fahren konnte. "Es war fast so etwas wie Liebe auf den ersten Klick." Den Sound eines V8-Motors vermisst Löer jedenfalls nicht.

Elektroautos sind noch nicht wirklich akzeptiert

Dennoch: Bei der breiten Masse ist diese Liebe noch nicht angekommen. Denn nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg lag der Bestand an Elektro-Pkw in Deutschland Anfang 2018 bei gerade einmal knapp 54.000 Fahrzeugen.

Ein Grund für die Zurückhaltung ist nach Ansicht von Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen das derzeit noch knappe Angebot an unterschiedlichen Elektromodellen. "Das wird sich aber ändern müssen", sagt der Auto-Experte. Denn nach den Plänen der EU müssen die Hersteller ihre CO2-Grenzwerte deutlich senken.

Lesen Sie hier, ob schmutzige Verkehrsschilder ihre Gültigkeit verlieren.

Vorausschauendes Fahren ist wichtig

Rollen statt rasen – das ist ein Gefühl, das man als Fahrer von Elektroautos schnell bekommt. Zwar ist der Sprint an der Ampel jederzeit möglich. "Ich muss das aber nicht ständig beweisen", sagt Brúch. Zumal zügige Fahrten auch am Ladezustand der Batterien zehren.

Umgekehrt kann man mit vorausschauendem Fahren die Batterie immer auch ein wenig wieder aufladen. Mitunter werden, wie zum Beispiel im i3, für effizientes Fahren auch Sterne verteilt. Je länger man sparsam mit der Energie umgeht, je mehr davon bekommt man. Das spornt an.

Knackpunkt Reichweite und Ladestationen

Reichweite ist einer der kritischen Punkte bei der Elektromobilität. Noch herrscht bei den meisten Kunden "Range anxiety" - übersetzt etwa "Angst vor zu geringer Reichweite", erklärt Gareth Dunsmore, Direktor Elektrofahrzeuge bei Nissan Europe. Aus seiner Sicht ist das aber ein vorübergehendes Problem.

Denn mit jedem neu entwickelten Elektroauto nimmt auch die Reichweite zu. Der neue Nissan Leaf etwa mit seiner 40-kWh-Batterie kommt im Stadtverkehr nach Angaben des Herstellers inzwischen auf bis zu 415 Kilometer pro Akkuladung. Und Jaguar verspricht für den I-Pace sogar bis zu 480 Kilometer.

Außerdem wird die Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren vermutlich ausgebaut werden. "Wenn es bald möglich sein wird, das Auto an der Straßenlaterne zu laden, wird das vielen Angst vor E-Autos nehmen", sagt Dunsmore. "Dann können Sie Ihr Fahrzeug aufladen, wenn Sie auf der Arbeit sind oder im Supermarkt einkaufen." Zur Tankstelle muss dann nicht extra gefahren werden.

Ebenfalls spannend: Von A wie Akku bis Z wie Zeitdauer: Das große Glossar rund ums Elektro-Auto.

dpa/tmn

Verstehen Sie E- Mobilität?

BMW i8
Voll elektrisch: Immer mehr Elektroautos sollen bald über die Straße rollen. Mit dem Aufstieg der Stromer in den nächsten Jahren müssen die Verbraucher sich auch an neue Begriffe gewöhnen. Hier einige der wichtigsten Begriffe der E-Mobilität: © BMW
Toyota Prius
HYBRIDANTRIEB: Ein Hybridantrieb hat zwei Kraftquellen, meist einen Benzinmotor und einen zusätzlichen Elektromotor. (lateinisch hybrid: von zweierlei Herkunft). Der Hybrid ist der Einstieg in die Elektromobilität: Ein kleiner Elektromotor treibt des Wagen über kurze Strecken an, lange Fahrten übernimmt der kräftige Benzinmotor. Die Batterie wird über wiedergewonnene Bremsenergie geladen. Das weltweit erfolgreichste Hybridautos ist der Toyota Prius. © Toyota
Lexus CT 200h
VOLL- HYBRID: Ein Voll-Hybrid Auto kann rein elektrisch fahren. Das Anfahren und Fahren funktioniert vollständig ohne Verbrennungsmotor. Mit dem CT 200h präsentiert Lexus das erste Fahrzeug mit Vollhybridantrieb im Segment der kompakten Premium-Modelle. © Lexus
MILD HYBRID: Als Mild-Hybrid werden Autos bezeichnet, bei denen der elektrische Zusatzmotor schwach ausgelegt ist und das Auto nicht allein anschieben kann. Auch hier lädt Bremsenergie die Batterien und spart so Benzin. Bei Mild-Hybriden ist meist der Starter gleichzeitig der Generator. © dpa/Hersteller
RANGE EXTENDER:  Range Extender (engl.) heißt auf Deutsch Reichweitenverlängerer. So nennt die Industrie Hybridautos, bei denen der Elektroantrieb an erster Stelle steht, aber zur Sicherheit ein kleiner Benzinmotor mit an Bord ist. Der Benzinmotor verlängert die Reichweite von den rund 100 bis 150 Kilometern, die bisher mit Batterien erreicht werden, auf mehr als 600 Kilometer. Der Benzinmotor treibt nicht direkt die Räder an, sondern lädt falls nötig die Batterie... © dpa/Hersteller
Opel Ampera
...Damit wird ein enorm sparsamer Betrieb möglich, weil der Benziner mit gleichmäßiger niedriger Umdrehungszahl läuft. Bekannteste Modell ist der Volt von General Motors, der als Opel Ampera (Foto) in Deutschland unterwegs ist. Alle großen Konzerne arbeiten an Range Extendern, denn die Angst der Verbraucher vor dem Liegenbleiben gilt als eines der großen Hindernisse für Stromfahrzeuge. © Opel
LITHIUM- IONEN- TECHNIK: Das chemische Element Lithium macht den geplanten Sprung in das Zeitalter der Elektroautos erst möglich. Sogenannte Lithium-Ionen-Batterien können deutlich mehr Energie speichern als klassische Bleiakkumulatoren. In Laptops oder Handys sind Lithium-Ionen-Batterien schon Alltag. Lithium ist ein Leichtmetall. In der Natur kommt es im Reinzustand nicht vor, sondern ist gebunden in Gestein. Es gibt außer in Batterien nur wenig Verwendungszwecke. © dpa/Hersteller
LITHIUM: Das silberweiße Element ist das leichteste Metall im Periodensystem der Chemiker. Es wird nicht nur für die Herstellung leistungsfähiger Batterien, sondern auch in vielen anderen industriellen Bereichen verarbeitet. Lithium zählt als der Rohstoff der Zukunft schlechthin. „Weißes Gold“, heißt es vielversprechend. Lithium Vorräte sind in Bolivien, Chile und Afghanistan zu finden. Auch im Erzgebirge, in der Gegend an der deutsch-tschechischen Grenze suchen Photovoltaikhersteller nach dem wertvollem Rohstoff. © dpa/Hersteller
Plug ist das englische Wort für Stecker. Ein Plug-in ist ein Elektroauto, Hybrid oder vollelektrisch, das einen Stecker hat und über das Stromnetz geladen werden kann.
PLUG- IN:  Plug ist das englische Wort für Stecker. Ein Plug-in ist ein Elektroauto, Hybrid oder vollelektrisch, das einen Stecker hat und über das Stromnetz geladen werden kann. Bisher hat sich die weltweite Autoindustrie nicht auf einen einheitlichen Standard zum Stecker geeinigt. Der Begriff Plug-in ist auch in der Computersprache verbreitet und bezeichnet dort Programme, die sich in andere Programme einklinken und zusätzliche Funktionen bereitstellen. © dpa
PHEV: Kurzform für Plug-In Hybrid - Ein Plug-In Hybrid kann über das konventionelle Stromnetz aufgeladen werden und wird sozusagen über Nacht aufgetankt.
PHEV: Kurzform für Plug-In Hybrid - Ein Plug-In Hybrid kann über das konventionelle Stromnetz aufgeladen werden und wird sozusagen über Nacht aufgetankt. © dpa
Wasserstoff
...Die Brennstoffzellentechnik läuft seit Jahren, etwa in U-Booten oder in Testbussen. Das Problem ist das Tanken: Während eine Batterie an jeder Steckdose geladen werden kann, brauchen Brennstoffzellen Wasserstoff-Tankstellen, von denen es in Deutschland nur ein paar gibt. © Linde AG
METHAN: Einen völlig neuen Ansatz der Elektromobilität testet Audi: Der Hersteller investiert Millionen in vier Windräder in der Nordsee. Mit diesem Öko-Strom wollen die Autobauer Wasserstoff erzeugen. Dieser Wasserstoff wird nach den Plänen in das Gas Methan umgewandelt, mit dem Gasmotoren in Autos befeuert werden. Gasmotoren sind erprobte Autotechnik, Audi will ab 2013 eigenen Modelle anbieten.
METHAN: Einen völlig neuen Ansatz der Elektromobilität testet Audi: Der Hersteller investiert Millionen in vier Windräder in der Nordsee. Mit diesem Öko-Strom wollen die Autobauer Wasserstoff erzeugen. Dieser Wasserstoff wird nach den Plänen in das Gas Methan umgewandelt, mit dem Gasmotoren in Autos befeuert werden. Gasmotoren sind erprobte Autotechnik, Audi will ab 2013 eigenen Modelle anbieten. © Audi
ENERGIEVERSORGUNGSUNTERNEHMEN: Beim Übergang in das Zeitalter der Elektroautos droht ein Machtkampf zwischen den Autokonzernen und Energieversorgungsunternehmen ( EVUs) wie E. ON und RWE. Die EVUs sehen in Stromautos ganz neue Möglichkeiten des Absatzes. Schon wird beispielsweise geplant, Autobatterien zusammenzuschalten und als eine Art gigantischen virtuellen Stromspeicher zu nutzen. Das würde die Autohersteller auf eine reine Lieferantenrolle reduzieren. Als erster Konzern steuert Audi dem mit eigenen Windrädern entgegen. © dpa/Hersteller
Renault Twizzy
NICHT MONTENTÄRE ANREIZE: Die Bundesregierung plant keine direkten Zuzahlungen für den Kauf von Elektroautos. Statt dessen ist von “nichtmonetären Anreizen“ die Rede. Das wären etwa Sonderparkflächen oder Zufahrtsgenehmigungen in Fußgängerzonen. Außerdem könnten E-Autos auf Busspuren rollen oder eigene Sonderfahrspuren bekommen. © Renault
Im Januar 2015 hat der Bundestag jetzt dazu ein Gesetz dazu verabschiedet. Neue Privilegien sollen in Deutschland mehr umweltschonende Elektroautos auf die Straße bringen. © dpa

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