Porsches Überholmanöver

Porsche: Taycan stellt Tesla in den Schatten - Elon Musk selbst hat das möglich gemacht

Der Porsche Taycan Cross Turismo von rechts vorne
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Der Porsche Taycan hat die Modelle von Tesla überholt.

Die Porsche AG hat mit dem Taycan Tesla überholt. Mittlerweile verkauft sich das E-Modell so gut, dass es die Premium-Marken des US-Pioniers deutlich hinter sich lässt.

Stuttgart - Dass der Taycan das beliebteste Modell der Porsche AG* ist, zeigte sich spätestens im vergangenen Herbst. Das E-Modell ist seither der meistverkaufte Porsche in Europa* (BW24 berichtete) und hat selbst den 911er, der lange als Liebling der Sportwagen-Fahrer galt, hinter sich gelassen.

Aber nicht nur eingefleischte Porsche-Fahrer finden Gefallen an dem Premium-Modell der Zuffenhausener. Selbst für bekennende Tesla-Fans hat er einen gewissen Reiz: Ein Tesla-Experte hat sich deshalb zuletzt einen Porsche Taycan gekauft*, was bei Anhängern des US-Pioniers durchaus für Verwirrung sorgte. Der YouTuber Ove Kröger beruhigte seine Follower: Er werde auch wieder Videos zum Tesla Model S drehen, sagte er. Der Taycan gleiche vergleichsweise eher „einem billigen, alten Wagen“.

Porsche AG hat im ersten Quartal mehr Taycans ausgeliefert als Tesla eigene Modelle

Die nackten Zahlen allerdings sprechen mittlerweile eine etwas andere Sprache. Porsche hat mit dem Taycan den Konkurrenten aus Nordamerika um Längen überholt und in diesem Jahr klar die Führung übernommen. Ein Blick auf die Verkaufsstatistik zeigt: Während Tesla im ersten Quartal 2021 2.020 S- und X-Modelle ausgeliefert hat, sind es beim Taycan mehr als vier Mal so viel: 9.072.

Noch im letzten Quartal des vergangenen Jahres lag Tesla deutlich vorne. Der E-Auto-Pionier aus den USA verkaufte fast 19.000 Autos, wohingegen der Taycan 9.071 Mal ausgeliefert wurde - und sich verkaufstechnisch im Vergleich zu den aktuellsten Zahlen also recht stabil gehalten hat. Allerdings: Tesla hat die Produktion der S- und X-Modelle pausiert - auch das dürfte ein Grund für den drastischen Rückgang der Zahlen sein. So konnte Porsche problemlos überholen.

Porsche AG profitiert auch von einer Strategie Teslas, die für Kunden nicht mehr funktioniert

Dennoch sehen Experten eine schwierige Zukunft auf den US-Autobauer zukommen. Zum einen werde der Konkurrenzdruck für Tesla auf dem Premiumsegment immer höher, so Stefan Bratzel, Direktor vom Center of Automotive Management, gegenüber dem Handelsblatt. Neben Porsche bringen auch Audi, BMW und Daimler allmählich ihre E-Modelle auf den Markt. Die Stuttgarter haben die US-Amerikaner zuletzt offen gefordert: „Wir sind Herausforderer“, sagte Ola Källenius und schickte mit Daimlers EQS eine Kampfansage* an Elon Musk. Tesla müsse daher aufpassen, „nicht verdrängt zu werden“, so Bratzel.

Zum anderen liege es an der Strategie von Elon Musk selbst, warum es für Tesla nicht mehr so gut laufe, so Stefan Bratzel weiter. Statt neue Modelle auf den Markt zu bringen, setzen die US-Amerikaner auf eine andere Strategie. Mit drahtlosen Aktualisierungen wertet das Unternehmen mit der Zeit Bremsen, Assistenzsysteme und andere Hardwareteile immer wieder gegen einen Aufpreis auf. Diese „Updates“ verringerten zwar die Wahrnehmung des Alters der Tesla-Modelle, so Alec Furrier von der Silicon-Valley-Beratung Ace of Diamonds zum Handelsblatt.

Porsche AG: Elon Musk will mit dem Model S Plaid die Gegenoffensive starten

Allerdings reicht dieses Vorgehen offenbar nicht mehr aus. Seit 2017 sinken die Verkäufe von Tesla-Premiumfahrzeugen immer weiter. Grund dafür ist laut Stefan Bratzel das Alter der Autos. Das Model S hat dem Unternehmen zwar zum großen Aufschwung verholfen, wird aber mittlerweile seit neun Jahren verkauft. Es sei „schon zu lange auf dem Markt, die Veralterung setzt ein“, sagt Stefan Bratzel.

Auch deshalb dürfte Elon Musk auf die Markteinführung des neuesten Modells hoffen: Das Tesla Model S Plaid stellt die Gegenoffensive der US-Amerikaner dar. Der Tesla-Chef selbst rührte dafür zuletzt kräftig die Werbetrommel: „Das Auto fühlt sich an wie ein Raumschiff“, schrieb Elon Musk auf Twitter. Das neueste Premium-Modell hat durchaus einiges zu bieten. Neben seiner Reichweite werde es Kunden auch mit seiner Beschleunigung sicher überzeugen können, so Stefan Bratzel. Allerdings dürfe die Situation nicht mit 2012 verglichen werden, als das Model S eingeführt worden sei. „Dafür ist die Konkurrenz zu stark“, sagt Bratzel. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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