Knigge für den Stillstand

Aussteigen und Pinkeln sind im Stau tabu!

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Nichts geht mehr: Doch auch bei Stillstand müssen die Verkehrsteilnehmer einige Regeln beachten.

Staus gehören zum Alltag auf den Fernstraßen. Doch auch wenn alles steht und nichts mehr geht, sollten Autofahrer die Autobahn nicht mit einem Parkplatz verwechseln.

Fast jeder hat das wohl schon einmal erlebt: Kaum auf die Autobahn aufgefahren, unterbricht ein langer Stau die Fahrt. Doch Abschalten und sich zurücklehnen sollte man jetzt nicht: Auch im Stau gelten wichtige Verhaltensregeln.

Das ist im Stau zu beachten

"Zunächst einmal gilt es, langsam an das Stauende heranzufahren ohne abrupt bremsen zu müssen und die Warnblinker einzuschalten". Das rät Detlev Lipphard vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Dadurch würden nachfolgende Autofahrer gewarnt, und ein rechtzeitiges Verzögern helfe, gefährliche Auffahrunfälle zu verhindern.

Empfehlenswert sei außerdem, einen Radiosender mit Verkehrsfunk einzuschalten. Es sollte Abstand zum Vordermann gehalten werden. "Als Richtwert gilt, dass man beim Stehen im Stau die Hinterräder des Vordermanns sehen kann", empfiehlt Lipphard, "dann bleibt auch genug Platz, um zum Beispiel für eine Rettungsgasse reagieren zu können." Fünf Tipps für eine sichere Fahrt finden sie hier.

Was, wenn ich im Stau auf die Toilette muss?

"Wer im Stau steht, darf die Fahrbahn grundsätzlich nicht betreten", sagt Andreas Hölzel vom ADAC. "Weder ein menschliches Bedürfnis noch das Wickeln eines Kindes stellen einen vom Gesetzgeber anerkannten Notfall dar. In solchen Fällen heißt es, bis zum nächsten Park- oder Rastplatz weiterzufahren."

Laut Straßenverkehrsordnung ist das Betreten der Autobahn nur zur Unfallsicherung erlaubt. Wer dennoch erwischt wird, riskiert ein Verwarngeld von 10 Euro. Steht jedoch der Verkehr bei einer Vollsperrung für lange Zeit still, werde die Polizei bei einem kurzen Aussteigen und "Sich-die-Beine-Vertreten" auf eine Anzeige verzichten, sagt Hölzel.

Dringendes Bedürfnis: Darf ich auf dem Standstreifen vorfahren?

Teurer wird es, wenn der Standstreifen dazu genutzt wird, um am Stau vorbei auf den nächsten Rastplatz oder zur Autobahnausfahrt zu gelangen. "Wer das macht, riskiert ein Bußgeld über 75 Euro und einen Punkt", warnt Hölzel. Rückwärtsfahren oder gar Wenden sei ebenfalls tabu, es sei denn, die Polizei fordert dazu auf. "Ansonsten droht in so einem Fall neben der Geldbuße und Punkten auch ein Fahrverbot."

Rettungsgasse

Die Gasse muss bei einer zweispurigen Autobahn in der Mitte und bei einer dreispurigen zwischen der linken und den rechts daneben liegenden Spuren gebildet werden. Ebenso wird es bei vierspurigen Straßen gehandhabt - wer ganz links fährt, hält sich links, alle anderen rechts.

"Den Standstreifen nutzen Rettungsfahrzeuge nur ungern, denn hier könnten auch Liegenbleiber den Weg blockieren", sagt Lipphard. Umso wichtiger: den Rückspiegel zu beobachten, um bei nahenden Rettungskräften sofort reagieren zu können. "Eine Rettungsgasse zu bilden ist in Deutschland Pflicht, das wird leider viel zu oft vergessen oder ignoriert", sagt Constantin Hack vom Automobil Club Europa (ACE). Bei Verstößen droht ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro.

So entsteht ein Stau

Zur Staubildung tragen die Fahrer oft mit bei: "Das Hauptproblem ist ein zu geringer Abstand bei mangelnder Voraussicht und zu schnellem Fahren", sagt Lipphard. Dadurch komme es immer wieder zu abrupten Bremsmanövern, die nachfolgende Autos mit entsprechender Verzögerung zum Abbremsen zwingen. Eine Kettenreaktion entsteht. "Irgendwann steht das erste Fahrzeug und der Stau ist da, während der eigentliche Stauverursacher schon lange weg ist."

Auch interessant: Entgegen der Fahrtrichtung parken - ist das erlaubt?

Mit gleichmäßigem Fahren könne man dem vorbeugen. "Untersuchungen haben gezeigt, dass der stoische Autofahrer, der auf seiner Spur bleibt, am schnellsten ans Ziel kommt. Spurwechsler und Stauumfahrer stehen dagegen oft auf Nebenstraßen im Stau." Abfahren von der Autobahn ist auch nur dann ratsam, wenn die Polizei dies empfiehlt oder eine Vollsperrung vorliegt. Denn mit der vermeintlichen Ausweichempfehlung des Navis ist man in der Regel nicht allein. Und es reichen auf Nebenstrecken meist deutlich weniger Autos aus, um einen erneuten Stau zu verursachen.

Kurios: So tierisch kann ein Stau sein

Rind bringt Verkehr zum Stillstand
Mehr als drei Stunden legte dieses Rindvieh, den Verkehr auf der BAB 7 zwischen Schwarmstedt und Berkhof lahm. Auf dem Weg zu einer anderen Weide öffnete sich während der Fahrt die vordere Tür eines Tiertransporters und das Rind sprang hinaus. © Polizei Heidekreis
Rind bringt Verkehr zum Stillstand
Ein Sattelschlepper musste die Autobahn zwischen Scharmstedt und Berkhof komplett blockieren. Erst nachdem ein Tierarzt den jungen Bullen mit einem Betäubungsgewehr betäubt hatte, konnten das Tier wieder eingefangen und auf seine neue Weide gebracht werden.    © Polizei Heidekreis
Zuerst haben die Polizisten noch geschmunzelt, als verschiedenen Autofahrer eine freilaufende Ziege am Bremer Kreuz meldeten. Spaß war es jedoch keiner. Zeitweilig stand der komplette Verkehr am Bremer Kreuz still. Hier die ganze Geschichte. © Polizei
Entenküken sitzen auf einer Polizeiwache in Sinsheim in einer Polizeimütze. Die "Entenwaisen" waren auf der viel befahrenen Autobahn 6 von Mannheim nach Heilbronn an der Mittelleitplanke entlang zielstrebig auf eine Raststätte zugewatschelt. © dpa
Eine Kuh wird von Helfern auf der Autobahn A7 in der Nähe von Kiel gehalten. Nachdem die ausgebüxte Kuh auf die Fahrbahn gelaufen war und bis zur Mittelleitplanke vordrang, hatte sich ein Stau gebildet. © dpa
Polizeibeamte sichern einer siebenköpfigen Schwanenfamilie auf der Autobahn A 61 (Speyer - Hockenheim) in Höhe von Walldorf freies Geleit: Die Schwanen-Eltern wollten ihren Nachwuchs schnurstracks über die die vielbefahrerene Straße führen und wurden dabei von der Polizei überrascht. © dpa
Über drei Kilometer waren zwei Kamele auf der Autobahn A96 bei Memmingen (Schwaben) unterwegs. Die Wüstentiere waren aus einem Zirkus ausgebrochen. © dpa
Auf der Flucht vor dem Schlachter ist ein Bulle durch die Innenstadt von Marktredwitz gestürmt. Das tonnenschwere Tier raste durch die Fußgängerzone und beschädigte dabei mehrere Gartenzäune. Polizisten nutzen schließlich eine Verschnaufpause des erschöpften Bullen und streckten ihn mit zwei Schüssen aus einem Gewehr zu Boden. © dpa
Ursprünglich sind Nilgänse in Afrika zu Hause. Doch mittlerweile fühlen sich die Tiere auch in Mitteleuropa wohl. In Frankfurt am Main maschiert eine Nilgans über eine vielbefahrene Straße in der Nähe des Messegeländes, anstatt den Luftweg zu nehmen, um zu einer nahe gelegenen kleinen Wiese zu gelangen. © dpa
Ein Schäfer in der Oberpfalz ist mit seiner Schafherde auf der Straße unterwegs. © dpa
Freilaufstall: Nach dem Unfall eines Viehtransporters in Gelsenkirchen laufen Schweine auf der Straße.  © dpa
Wildschwein-Alarm in Hamburg: Nachdem mehrere Wildschweine in der Innenstadt gesichtet wurden, gab es anschließend eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. © dpa
Eine Raupe überquert eine Straße bei Köln. Für den Fotografen ein tolles Motiv und wahrscheinlich der Einzige der für das Insekt gebremst hat. © dpa
Umwege für die Krötenwanderung: Im Frühjahr bis Mai sollten Autofahrer besondere Rücksicht auf Kröten, Fröschen und Molche nehmen. Die Amphibien wandern derzeit von ihren Winterquartieren zu den Laichplätzen. © dpa
Ei, ei, ei. Die Autofahrer in München ( Obermenzing) brauchten am ersten Sonntag nach Ostern 2013 gute Nerven. 30 Minuten lang stand ein Schwan an der Straße und legte in aller Seelenruhe ein Ei. © Polizei
Ziege auf der A3
Eine Ziege in Unterfranken hat sportliche Höchstleistungen vollbracht. Die Polizei sprach von einem „Ziegenmarathon auf der Autobahn“. Der Grund: die Ziege hatte wohl über 100 Kilometer auf der A3 zurückgelegt.  © Polizei

dpa/tmn

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