Fahrbericht

Kia Sportage: So fährt sich der neue Diesel-Hybrid

Kia Sportage: So fährt sich der neue Diesel-Hybrid
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Fahrspaß in der Familienkutsche. Das Beste aus beiden Welten bietet der Sportage mit dem Diesel-MILD-Hybrid-Aggregat.

Der Kia Sportage ist ein SUV der ersten Stunde. Seit 26 Jahren rollt der Koreaner auf Europas Straßen. Wir haben das Facelift der vierten Generation im Alltag getestet. Einen Diesel mit Elektro-Unterstützung.

  • Diesel-Motor und E-Maschine – das ist eine Kombi, die Spaß macht.
  • Spart ein MILD-Hybrid-Fahrzeug jedoch wirklich Sprit?
  • Und das gibt es am Facelift des Korea-SUVs zu meckern.

Das Jahr 1994 gilt als Geburtsstunde der SUVs. In den Geschichtsbüchern dieser höchst umstrittenen, aber extrem beliebten Fahrzeuggattung taucht der Toyota RAV4* als erstes Modell seiner Art auf. Vielleicht waren die Japaner tatsächlich einen Wimpernschlag schneller. Aber im gleichen Jahr startetet auch der erste Kia Sportage durch. Damals war er noch ein echter Kumpel fürs Gelände. Abgeleitet von einem südkoreanischen Militärjeep wurde Generation I ausschließlich mit zuschaltbarem Allradantrieb und Geländeuntersetzung verkauft.

Kia Sportage: Einer der beliebtesten SUVs

Damals ein Auto für Förster und Freaks - heute ist der Kia Sportage einer der Besteller von Kia (über fünf Millionen verkaufter Fahrzeuge). Konnte man sich Mitte der 90er Jahre nur zwischen dem Toyota RAV4, dem Kia Sportage und später noch dem Land Rover Freelander entscheiden, hat der Kunde heute die Qual der Wahl. VW Tiguan*, Opel Grandland, Seat Ateca, Ford Kuga, Skoda Karoq, Audi Q3, BMW X1 und noch viel mehr buhlen um die Käufergunst.

Mit einer Länge von knapp 4,50 Metern erreicht der Kia Sportage fast die Dimensionen eines durchschnittlichen Kombis.

Früher waren es die günstigen Preise, jetzt sind es Design und Technik – Autos aus Südkorea verkaufen sich gut und sind in Deutschland schon längst keine Exoten mehr. Das Erfolgsgeheimnis: Kia entwickelt Autos in Europa für den europäischen Markt – und ganz entscheidend mit europäischem Design. Der gebürtige Bad Reichenhaller Peter Schreyer ist dafür seit 2006 zuständig. Er kam von Volkswagen, der Golf IV trug seine Handschrift. Eines der wesentlichen Designmerkmale bei Kia ist die Tigernase: Den markanten Kühlergrill mit der doppelten Trapezstruktur trägt auch das Facelift von Generation IV, die Ende 2018 Anfang 2019 auf die Straße rollte.

Die optischen Änderungen zum Vorgänger sind hauptsächlich kosmetischer Natur. Aufgerüstet haben die Koreaner vor allem bei den Motoren. Erstmalig gibt es 2,0-Liter-Diesel mit MILD-Hybridisierung. Das heißt beim Anfahren und Beschleunigen hilft ein kleiner Elektromotor, der von einer 48-Volt-Batterie gespeist wird. Dezent werkelt die 16 PS starke E-Maschine mit und überbrückt in den unteren Drehzahlbereichen die übliche Leistungspause bis der nötige Ladedruck für die Turbolader aufgebaut ist.

In der hochwertigen Ausstattungsvariante GT-Line werden Heckspange und Doppelrohrauspuffanlage betont.

Das ist schon eine flotte Antriebskombination, mit der man jederzeit souverän, vor allem bei Überholmanövern, unterwegs ist. Den Spurt von  0 auf Tempo 100  schafft der Kia Sportage knapp unter 10 Sekunden. Kein Spitzenwert, aber schließlich darf man nicht vergessen, dass der kompakte SUV knapp 1,8 Tonnen wiegt. Und außerdem ist der Sportage trotz seines Namens auch kein Sportwagen, sondern eher eine Familienkutsche.

Einladend praktisch präsentiert sich das Heck des Kompakt-SUVs. Die Klappe gibt es auf Wunsch auch elektrisch.

Denn Platz hat der Koreaner ausreichend. Zwar ist das Kofferraumvolumen wegen der MILD-Hybrid-Technik ein wenig geschrumpft (irgendwo muss die zusätzliche Batterie ja auch untergebracht werden) – unter der Kofferraumabdeckung stehen aber immer noch über 400 Liter zur Verfügung. Nutz man den darunter liegenden Ladeboden sind es 600 Liter (oder elf Getränkekisten). Dieses Raumangebot dürfte für den Wochenendausflug zur Oma mit den beiden Kindern genügen. Und wer mehr zu transportieren hat, der legt einfach die Rücksitzbank um und hat dann für rund 1.400 Liter Platz. Positiv ist die ebene Ladekante, das hilft bei Ein- und Ausladen. Dafür ist sie mit 74 Zentimeter aber ziemlich hoch, was aber dem Fahrzeugtyp SUV geschuldet ist.

Flexibel teilbar ist die Rücksichtbank. Legt man sie komplett flach, steigt das Ladevolumen auf 1.428 Liter.

In den Sportage passen rein theoretisch bis zu fünf Insassen hinein. Wie hinten drei Erwachsene sitzen sollen – kaum vorstellbar. Zu Viert und wenn nicht gerade Basketballstars darunter sind, dürfte es jedoch einigermaßen bequem sein. Fahrer und Beifahrer haben jedenfalls ausreichend Bein- und Kopffreiheit – hier fühlt man sich wie in einer großen Limousine, auch dank der Sitzhöhe von 57 Zentimetern über Straßenniveau.

Bis zu fünf Personen sollen reinpassen. Allerdings kaum Erwachsene, der dritte Platz hinten ist mehr ein Notsitz.

Die Rundumsicht ist ordentlich, hinten rechts und links stören die dicken C-Säulen ein wenig. Von daher empfiehlt sich das Technologie-Paket zu ordern. Darin enthalten ist auch eine 360-Grad-Kamera. Echte Bilder aus der direkten Fahrzeugumgebung sorgen für mehr Sicherheit und das beruhigende Gefühl, alles im Blick zu haben. Das Tech-Paket für 1.890 Euro ist zwar nicht billig, bietet aber viel. Mit an Bord sind die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Stop-and-Go-Funktion, Totwinkelwarner, adaptive Ladestation und die elektrische Heckklappe.

Rückfahrkamera und 360-Grad-Rundumsicht helfen beim Einparken.

Der Innenraum im Kia Sportage

Wohltuend sachlich und nüchtern, aber nicht langweilig sehen Armaturenbrett und Cockpit des Kia Sportage aus.

Das Cockpit ist übersichtlich, wohltuend sachlich und nüchtern. Über den 8-Zoll-Touchscreen steuert man das Infotainment-System. Allerdings geht das nicht ausschließlich intuitiv, das Studium der Gebrauchsanleitung ist Grundbedingung, will man alle Funktionen finden. Dafür ist die Bluetooth-Verbindung  mit dem Smartphone schnell hergestellt. Android Auto und AppleCar Play sind mit an Bord und flugs angedockt.

Mit einer Lederausstattung kann man den Innenraum des Kia aufhübschen. Die Zusatzausstattung kostet 1.490 Euro.

Wer bequem mit dem Kia Sportage unterwegs sein will, sollte auf alle Fälle das Modell mit der Achtgang-Automatik nehmen. Weich und flott sind die Gangwechsel – wozu noch selbst Hand anlegen? Ebenfalls komfortabel präsentiert sich das Fahrwerk des Korea-Suvs, das es aber nicht in einer adaptiven Variante gibt. Das heißt, hier kann nicht zwischen verschiedenen Modi wie Sport oder Normal gewählt werden. Wir haben das beim neuen Sportage aber nicht vermisst. So ausgewogen bügeln die Dämpfer und Federung alle Unebenheiten der Straßen hinweg. Und auch bei flotter Fahrweise in den Kurven zeigte sich das Fahrwerk präzise, aber gutmütig.

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Motor und Verbrauch des neune Kia Sportage

Noch ein Wort zur Motorisierung. Der große Diesel mit MILD-Hybridisierung macht zwar großen Spaß. Durch die Elektro-Unterstützung ist die Leistungsentfaltung homogener und linear. Auf den Verbrauch hat sich die neue Technik aber zumindest nicht merklich ausgewirkt. Die von Kia genannten 5,7 Liter auf 100 Kilometern, waren nicht zu erreichen. Bei unseren Testfahrten lagen wir bei über sieben Litern, was nicht unbedingt zeitgemäß ist.

Fazit zum neuen Kia Sportage

Fahrspaß in der Familienkutsche. Das Beste aus beiden Welten bietet der Sportage mit dem Diesel-MILD-Hybrid-Aggregat.

Flottes Pappamobil für Väter, die auf ihren Fahrspaß nicht verzichten wollen, aber trotzdem eine praktische Familienkutsche brauchen. Der Diesel-Hybrid glänzt durch seine Kraftentfaltung. Nur billig ist das Vergnügen nicht. In der hochwertigen GT-Ausstattung mit Technologie- und Lederpaket werden dann schon 45.660 Euro fällig. Rudolf Bögel

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Datenblatt Kia Sportage 2.0 CRDi 185 Eco-Dynamics+

Hubraum:

1.995 ccm

Leistung:

185 PS

Drehmoment:

400 Nm bei 1.750 – 2.750 u/min

Getriebe:

8-Gang Automatik

Antrieb:

Allrad

Länge/Breite/Höhe:

4,49/1,86/1,65 m

Leergewicht (zul):

1.747 kg / 503 kg

Kofferraum:

439 – 1.428 l

0 auf 100:

9,5 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

201 km/h

Normverbrauch :

5,7 l

Co2:

149 g/km

Preis:

ab 22.890 Euro, MILD-Hybrid ab 38.490 Euro

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Rudolf Bögel

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Schweres Erbe: Der Audi Coupé S2 (im Bild) folgte auf den legendären Quattro. © Unternehmensarchiv der AUDI AG
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Der Audi 100 (C4) war der letzte seiner Art. Danach nannten die Ingolstädter das Modell in A6 um. © Unternehmensarchiv der AUDI AG
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Anfang einer Kleinwagen-Ära: 1990 brachte Renault den ersten Clio auf den Markt. © Renault Groupe
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Der VW T4 kam 1990 erstmals wie ein Pkw auf den Markt - mit quer eingebautem Front- statt Heckmotor, und mit Vorderradantrieb bestückt. © Volkswagen AG

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