Sportliches Cabrio

Testfahrt: Der Mercedes SL erweckt eine Legende zum Leben

Mercedes SL
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Vorbote des Frühlings: In wenigen Wochen bringt Mercedes den neuen SL in den Verkauf. Sein Stoffverdeck und die beiden Notsitze in der zweiten Reihe machen die Nähe zum R129 unverkennbar.

Noch ist es draußen kalt und grau. Doch mit dem neuen SL weckt Mercedes die Vorfreude auf die ersten warmen Tage im Jahr. In wenigen Wochen geht der Roadster in den Verkauf. Eine Testfahrt zeigt, was Cabriofahrer erwartet.

Berlin - Cabrios und Roadster sind eine aussterbende Gattung. Statt auf schönes Wetter setzen die Autofahrer wohl lieber auf eine Klimaanlage im Fahrzeug. Doch Mercedes lässt sich davon nicht beirren und schickt jetzt einen neuen SL auf die Straße.

Wer den neuen SL zum ersten Mal sieht, der bekommt sofort Lust auf den Sommer und sucht nach dem Knopf, mit dem der Roadster binnen 15 Sekunden sein Verdeck einfährt. Zwar soll der Verkauf pünktlich zum Beginn der Frischluft-Saison beginnen, doch Preise nennt Mercedes noch nicht. Zumindest die ersten Modellvarianten, wie immer besonders gut ausgestattet und stark motorisiert, dürften aber kaum unter 170.000 Euro zu haben sein.

Eine Legende auf Zukunftskurs

Bei der intern R232 genannten Baureihe gibt es ein komplett digitalisiertes Bediensystem mit einem Bildschirm hinter dem Lenkrad und einem Tablet auf der Mittelkonsole, das sich elektrisch aus dem Sonnenlicht klappen lässt. Zudem laufen die Planungen für einen Plug-in-Hybriden. Damit macht Mercedes den SL zwar zukunftsfest, doch einiges kehrt auch zurück zum Alten. Denn wie zuletzt der R129 aus den 1990ern bekommt der SL wieder ein klassisches Stoffverdeck und sogar zwei Notsitze. Da nicht einmal Kinder auf ihnen bequem reisen können, machen sie sich in erster Linie als erweiterte Ablage nützlich, zumal der Kofferraum nur 240 Liter fasst. Das erscheint allerdings eher nebensächlich, schließlich soll der SL wieder zu jenem sportlichen Auto werden, als das er in den 1950ern seine Karriere begonnen hat. Damals gelang ihm bei den 24 Stunden von Le Mans immerhin ein Doppelsieg und ein legendärer Durchlauf bei der Mille Miglia. Nicht umsonst trägt diesmal AMG die Entwicklungsverantwortung.

Im Inneren des Mercedes SL gibt es ein komplett digitalisiertes Bediensystem mit einem Bildschirm hinter dem Lenkrad und einem Tablet auf der Mittelkonsole, das sich elektrisch aus dem Sonnenlicht klappen lässt.

Die schnelle Truppe aus Affalterbach hat den SL deshalb geschickt zwischen Boulevard und Boxengasse platziert. Nicht ganz so aggressiv wie der GT, aber auch nicht so brav wie der Vorgänger, gibt er auf weit geschwungenen Landstraßen oder der Autobahn den routinierten Sportler und wird mit schrumpfenden Radien und steigendem Tempo zum engagierten Kurvenjäger. Dass dabei auch mal ein paar Stöße zu spüren sind, passt da gut ins Konzept.

Bekannter Motor, aber erstmals mit Allradlenkung

Dass sich der Roadster so knackig fährt, hat aber noch einen anderen Grund: Erstmals gibt es im SL eine Allradlenkung. Damit ist dem immerhin 4,70 Meter langen und gut zwei Tonnen schweren Sportwagen seine Masse kaum noch anzumerken. Vielmehr wirkt er wie ein übermotorisierter SLK. Weil es zudem gleich sechs unterschiedliche Fahrprogramme gibt und eine aktive Wankstabilisierung, wechselt er seinen Charakter auf Knopfdruck. Spätestens im Komfortmodus wird der neue SL zum entspannten Cruising-Fahrzeug, das mit seinen nachgeschärften Proportionen auch noch einiges hermacht.

Angetrieben wird der Mercedes SL von dem bekannten Achtzylinder mit vier Litern Hubraum und doppeltem Lader. Er startet in zwei Versionen als SL63 mit 430 kW/585 PS oder als SL55 mit 350 kW/476 PS.

Treibende Kraft ist erst einmal der bekannte Achtzylinder mit vier Litern Hubraum und doppeltem Lader. Er startet in zwei Versionen als SL63 mit 430 kW/585 PS oder als SL55 mit 350 kW/476 PS und stellt ebenfalls eine deutliche Nähe zum Original her. Denn der Motor hört sich bei geöffneten Schallklappen nicht nur wie ein Rennwagen an, sondern er beschleunigt auch so gut: Wenn die 800 Nm den SL63 in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 bringen, dann sind nicht nur die Reifen dankbar, dass diese Kraft erstmals auf alle Viere verteilt wird. Bei Vollgas sind maximal 315 km/h drin - was bei offenem Verdeck jedoch einer Challenge gleichkommt.

Auch wenn der V8 natürlich der typischste aller AMG-Motoren ist, soll es dabei nicht bleiben. Um den Preis zu senken, wird es später auch einen Sechszylinder geben. Und weil ein Normverbrauch von bis zu 12,7 Litern (CO2-Ausstoß 288 g/km) nicht zum klimabewussten Autotrend passt, versprechen die Schwaben auch eine zumindest teilweise elektrifizierte Version, die mit über 588 kW/800 PS zugleich die Leistungsspitze markieren wird.

Fazit: Sonnenstunden bei jedem Wetter

Mal Gleiter, mal Fighter und dabei wieder näher am Original - so wird aus dem zuletzt ein wenig angestaubten Mercedes-Mythos eine lebendige Legende und ein Auto, das nicht nur bei schönem Wetter Spaß macht.

Datenblatt: Mercedes-AMG SL 63

Motor und Antrieb:V8-Benziner
Hubraum:3982 ccm
Max. Leistung:430 kW/585 PS
Max. Drehmoment:800 Nm
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:9-Gang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge:4705 mm
Breite:1915 mm
Höhe:1353 mm
Radstand:2700 mm
Leergewicht:1970 kg
Zuladung:320 kg
Kofferraumvolumen:240 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:315 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:3,6 s
Durchschnittsverbrauch:11,8 Liter/100 km
Reichweite:590 km
CO2-Emission:600 g/km
Kraftstoff:Super
Schadstoffklasse:Eu6D
Energieeffizienzklasse:k.A.

Kosten: Noch keine Priese veröffentlicht. dpa

Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sechs Airbags, Überschlagschutz, LED-Scheinwerfer, Abstandsregelung, Automatische Spurführung
Komfort:Automatisches Verdeck, digitales Bediensystem, Sitzheitzung
Spritspartechnik:Start-Stopp-Automatik

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