Impfnachweis für Gruppenstunden

2G in der Jugendarbeit: Viele Teenager unfreiwillig isoliert - Verbände fordern Lockerungen

Eine Jugendliche steht am Fenster und blickt nach draußen
+
Ausgeschlossen durch die 2G-Regel: Viele Jugendliche können an keinen Freizeitangeboten mehr teilnehmen, weil ihre Eltern gegen die Impfung sind.

Jugendliche, die nicht geimpft sind, dürfen bis auf wenige Ausnahmen keine Angebote der Jugendarbeit nutzen. Einige von ihnen sind unfreiwillig isoliert – weil ihre Eltern die Entscheidung gegen die Impfung getroffen haben. Verbände und Jugendarbeiter fordern, dass die Politik schnell nachbessert.

Yarvis Boutin leitet eine Gruppe beim Jugend-Rotkreuz. Und seit einigen Wochen wird in den Gruppenstunden viel gefroren. Ein 14-Jähriger ist nicht geimpft. Boutin müsste ihn von der Gruppenstunde ausschließen, seit die 2G-Regel gilt. Es sei denn, das Treffen findet an der frischen Luft statt. „Die andere Alternative wäre eine digitale Gruppenstunde gewesen“, sagt sie. Aber das wollten die Jugendlichen nicht. Und Boutin ist froh darüber. „Erste Hilfe muss man üben“, sagt sie. Also frieren sie jetzt lieber – aus Solidarität. Verstehen kann Boutin die 2G-Regel nicht. „Es wäre viel sinnvoller, statt der Impfung einen aktuellen Corona-Test vorauszusetzen“, findet sie. Dadurch wäre der Infektionsschutz viel größer.

Mit dieser Meinung ist Boutin nicht allein. Matthias Fack ist als Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR) im engen Austausch mit vielen Fachkräften. Oft führe die 2G-Regel im Alltag zu schwierigen Situation, berichtet er. Unter-Zwölfjährige sind von der Regelung ausgenommen, weil es für ihre Altersgruppe noch keine Impfempfehlung der Stiko gibt. Die älteren Geschwister müssen Jugendleiter aber nach Hause schicken, wenn sie noch nicht geimpft sind. Das schafft nicht nur viel Frust, betont Fack. Sondern auch Ängste, Depressionen und Einsamkeit. Ausnahmen gibt es nur in Sportvereinen und für Musik- und Theaterproben. Der BJR plädiert seit langem dafür, die Regelung von 2G wieder auf 3G umzustellen. „Wir haben funktionierende Hygienekonzepte“, betont Fack. Gerade die Jugendarbeiter könnten vielen Kindern die Stabilität geben, die sie in der Pandemie so dringend brauchen.

Christoph Treubel bestätigt das. Er ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut – und auch er hört von seinen jungen Patienten täglich, wie sehr ihnen die Folgen der Pandemie zu schaffen machen. Erst gestern berichtete ihm eine Zwölfjährige in der Therapiestunde, dass sie Angst habe, durch die 2G-Regel isoliert zu werden. „Ihre Eltern sind getrennt, ein Elternteil ist gegen die Impfung“, berichtet Treubel. „Das Mädchen war den Tränen nahe, als sie von ihrem Alltag berichtete.“ Und sie ist kein Einzelfall, betont er. Es gebe viele Jugendliche, die nicht selbstbestimmt entscheiden können, ob sie geimpft werden. Sie fühlen sich hilflos, haben das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, erklärt er. „Jugendarbeit ist ein so wichtiges Sozialisationsfeld für Heranwachsende.“ Es gebe viele Themen und Probleme, über die Jugendliche nicht in ihren Familien sprechen könnten. „Ihre soziale Teilhabe darf nicht von der Impfung abhängen.“

Die Forderungen, die Zugangsbeschränkung für die Jugendarbeit von 2G auf 3G zu lockern, werden immer drängender. Sozialreferenten aus Würzburg, Nürnberg, Augsburg und München hatten darauf hingewiesen, dass präventive Arbeit in den Jugendzentren, aber auch Nachhilfe aktuell kaum mehr möglich sei. Offene Jugendarbeit erreiche besonders sozial benachteiligte junge Menschen, die oft in belasteten Familiensituationen leben. Auch die BRK-Präsidentin Angelika Schorer (selbst CSU-Landtagsabgeordnete) appellierte an die Staatsregierung, die Regelung zu lockern. „Jugendarbeit ist ein sozialer Anker und leistet einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung“, sagte sie. „Und oft ist sie leider auch ein Ventil der psychischen Gesundheit junger Menschen.“ Die Jugendlichen würden in der Schule täglich getestet, in den Jugendgruppen gebe es umfangreiche Hygienekonzepte.

Die Verbände hoffen nun auf die Kabinettssitzung in der kommenden Woche. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hatten Hoffnung gemacht, dass die Regeln für die Jugendarbeit gelockert werden könnten. Man werde auf diese Fragen „nochmal genau draufschauen“, hatte Aiwanger angekündigt. Die Staatsregierung tue sich mit der Entscheidung aber schwer, weil die Infektionszahlen in der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen sehr hoch seien.

Meistgelesen

Absturz von US-Jet: Airforce muss für Einsatz bezahlen
BAYERN
Absturz von US-Jet: Airforce muss für Einsatz bezahlen
Absturz von US-Jet: Airforce muss für Einsatz bezahlen
Beamte finden 28 Joints in Brotzeitdose
BAYERN
Beamte finden 28 Joints in Brotzeitdose
Beamte finden 28 Joints in Brotzeitdose

Kommentare