Noch ist nichts entschieden

Abkehr vom Turbo-Abitur: Kommt das Ende von G8?

München - Über zwei Tage hat Ministerpräsident Seehofer mit Experten und kommunalen Spitzen über die mögliche Rückkehr zum neunjährigen Abitur gesprochen. Einiges deutet auf das Ende von G8 hin.

Die Spitzen von Kommunen und Bildungsverbänden haben sich bei Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erneut für die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) ausgesprochen. Knapp zweieinhalb Stunden dauerte dem Vernehmen nach das Treffen mit dem Vorsitzenden des Städtetages, Ulrich Maly, und dem Präsidenten des Landkreistages, Christian Bernreiter, am Freitag in der Staatskanzlei - tags zuvor hatten die Bildungsverbände gar mehr als drei Stunden mit Seehofer gesprochen. Über die Inhalte wurden keine Angaben gemacht. Mehrere Teilnehmer beider Sitzungen berichteten aber übereinstimmend von einer sehr guten Stimmung bei allen Anwesenden.

Positive Stimmung bei den Gegnern des G8

Eine offizielle Entscheidung über das Abitur war für die beiden Termine, an denen auch Kultusminister Ludwig Spaenle teilnahm, nicht geplant. Innerhalb der CSU-Landtagsfraktion werten die Gegner des umstrittenen Abiturs nach acht Jahren (G8) die positive Grundstimmung als klares Indiz für eine baldige Rückkehr zum G9. „Es geht nur noch um das „wie“ und „wann“, nicht aber um das ob“, sagte ein Abgeordneter, der lieber anonym bleiben wollte. 

Am Montag will Seehofer zunächst mit Vertretern aus der Fraktion sprechen, darunter mit Fraktionschef Thomas Kreuzer einem der vehementesten Gegner des G9. Es wird davon ausgegangen, dass es danach eine Entscheidung geben wird. „Das ganze Verfahren ist schon sehr weit vorbereitet“, heißt es.

Seehofer hattekürzlich die Abitur-Zukunft zur Chefsache gemacht und für März eine Entscheidung angekündigt. Zuvor hatte das Thema monatelang für Unruhe in der CSU-Fraktion, im Landtag und bei den betroffenen Verbänden gesorgt. Seehofer hatte deshalb Kultusminister Ludwig Spaenle öffentlich massiv kritisiert.

Befürworter des G8 fürchten hohe Kosten

Die Gegner des G9 in der CSU fürchten sich insbesondere vor den hohen Kosten, die eine Umstellung mit sich bringen würde, ohne im Gegenzug eine Garantie für einen dauerhaften Schulfrieden zu erhalten. Die Kommunen fordern in dem Fall die strikte Anwendung des sogenannten Konnexitätsprinzips. Demnach muss das Land die Kosten übernehmen. Von der Rückkehr zum G9 wären große Städte stärker betroffen. So heißt es etwa, München müsse drei neue Gymnasien bauen, Nürnberg eines.

Dank der guten Konjunktur hat der Freistaat laut Finanzminister Markus Söder (CSU) in jedem Fall genug Geld, um die Umstellung zum G9 zu finanzieren. „Wir können es uns leisten“, sagte er am Freitag in München. Wie viel den Freistaat die Abkehr vom umstrittenen Abitur nach acht Jahren (G8) kosten werde, sei aber noch offen und hänge letztlich an dem konkreten, aber noch nicht beschlossenen Konzept.

Kein „Nulltarif für den Freistaat“

„Wichtig ist: alles was wir heute bestellen, muss später auch bezahlt werden“, sagte Söder. Es müsse jedem in Bayern klar sein, dass es die Rückkehr nicht zum „Nulltarif für den Freistaat“ geben werde. So seien etwa die Kosten für dann zusätzliches Lehrpersonal automatisch vom Land zu zahlen. „1000 Lehrer scheint eine realistische Zahl zu sein“, sagte Söder. Was jedoch die Kosten für neue Schulen oder den Ausbau bestehender Gebäude angehe, müsse zusammen mit den kommunalen Kostenträgern „in einem fairen Prozess“ besprochen werden.

Auch die Opposition im Landtag ist für eine Abkehr vom sogenannten Turbo-Abitur. „Die über Jahre andauernde schlafmützige Politik der Bayerischen Staatsregierung bezüglich des Gymnasiums darf nicht auf den Rücken der Gemeinden ausgetragen werden. Alle Kosten, die durch die Einführung des G9 entstehen, muss der Freistaat tragen - und nicht die Kommunen“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Freien Wähler, Michael Piazolo. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag, Martin Güll (SPD), fordere Seehofer zudem auf, auch die Opposition in die Schlussgespräche einzubeziehen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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