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Baustelle Oktoberfest: Bierzelte werden aufgebaut

Oktoberfest
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Voll ist die Wiesn beim Auftak zum Oktoberfest 2019.

Prosit! Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause soll im September auf der Theresienwiese das Bier wieder in Strömen fließen. München rüstet sich fürs Oktoberfest. Die Vorbereitungen gehen in die heiße Phase - früher als normalerweise.

München - Noch ist vom Oktoberfest wenig zu erkennen. Nur ein Zeltgerüst steht auf der Theresienwiese in München. Doch das ändert sich, hat doch am Montag mitten in einer Hitzewelle die heiße Phase der Vorbereitungen für die Wiesn begonnen. Drei Monate vor dem Anstich rollen seit Montag auf dem Festgelände Gabelstapler und Lastwagen. Als erstes startet der Aufbau der Bierzelte, später folgen die Fahrgeschäfte. Vom 17. September an wird dann wieder das größte Volksfest der Welt gefeiert. Viele fiebern darauf hin, war das Oktoberfest doch 2020 und 2021 wegen der Pandemie abgesagt worden.

Bierselige Massen in den Zelten. Fremde, die sich in drangvoller Enge zuprosten. Und draußen in den Gassen Hunderttausende dicht an dicht - das Fest war nicht vorstellbar. Ende April hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) für dieses Jahr aber grünes Licht gegeben für das Volksfest mit vor der Pandemie rund sechs Millionen Besuchern - nicht ohne zuvor mehrfach mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu beraten.

Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) hat Zutrauen: „Persönlich bin ich sehr optimistisch dafür, dass die Wiesn wie in 2019 stattfinden wird, ohne Beschränkungen und ohne Wenn und Aber“, sagte der Wirtschaftsreferent. „Ich will mich nicht an der Diskussion vieler Experten beteiligen, die ja auch zu dem Thema Sommerwelle/Herbstwelle ganz viele Meinungen haben. Ich will die Zuversicht deutlich machen, dass wir alle im Herbst ein wunderschönes Volksfest genießen können.“

Wegen der langen Pause beginnt der Aufbau auf der Theresienwiese drei Wochen früher als sonst, damit mögliche Schäden rechtzeitig erkannt und behoben werden können. Es geht auch um die Infrastruktur. Unter der Theresienwiese liegen Leitungen für Wasser, Abwasser, Gas und Strom. An den Zelten könnte etwa das Tuch Schaden genommen haben.

Seit Montag ist das gut 34 Hektar große Gelände für Passanten aus Sicherheitsgründen gesperrt, nur einige Durchgänge bleiben offen. „Die Wiesn ist eine Baustelle“, heißt es aus dem Wirtschaftsreferat. Voraussichtlich Anfang September wird dann das gesamte Gelände unpassierbar sein.

Bis kurz vor Festbeginn wird gehämmert und geschraubt; Fundamente werden freigelegt, in Containern eingelagerte Teile der Bierburgen werden ausgepackt und aufgebaut. Das neue Bräurosl-Zelt steht schon teilweise, da es noch technisch überprüft werden muss.

Vom 17. September bis 3. Oktober soll gefeiert werden, ohne Corona-Beschränkungen. Reiter hätte lieber eine Wiesn mit 3G-Regel gesehen, für Geimpfte, Genesene oder Getestete, noch besser mit 1G und nur frisch Getesteten. Aber das sei nach den Vorgaben von Bund und Land rechtlich nicht möglich. Es könne nur eine „Wiesn ganz oder gar nicht“ geben. Das aktuelle Bundes-Infektionsschutzgesetz gilt bis 23. September, was dann kommt, ist offen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Entscheidung für die Wiesn begrüßt. „Ein gutes Signal gerade auch in schwerer Zeit“, twitterte er. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach von einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für München und ganz Bayern, Wiesnwirte und Schausteller waren glücklich.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) blieb zurückhaltend. Es gebe gute Gründe, das Fest stattfinden zu lassen. Aber eine so große Veranstaltung mit Gästen aus vielen Ländern berge Infektionsrisiken. Schon früher grassierte die sogenannte Wiesn-Grippe: Ärzte registrierten zur Volksfestzeit und danach im Raum München erhöhte Zahlen von grippalen Infekten.

In München ist dennoch schon jetzt die Vorfreude zu spüren. Öfter als in den beiden Pandemie-Jahren sind Menschen wieder in Dirndl und Lederhose unterwegs. Schon zum Frühlingsfest im April hatten viele die Tracht angezogen.

Besucher werden fürs Bier und wahrscheinlich auch für Hendl und womöglich die Karussellfahrt tiefer in die Tasche greifen müssen. Eine Maß kostet zwischen 12,60 Euro und 13,80 Euro (Durchschnitt: 13,37 Euro), wie die Stadt kürzlich mitteilte, durchschnittlich 15,77 Prozent mehr als 2019.

Ganz ungetrübt wird das Fest aber wohl nicht. Schon als Reiter seine Entscheidung für die Wiesn verkündete, äußerte er nur zurückhaltende Freude. Zu bewegt war er noch vom Auftritt des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko, der dem Stadtrat zuvor per Live-Schalte von den Schrecken und dem Leid des Krieges in der Ukraine berichtet hatte. Das traditionelle Anzapf-Mantra, mit dem der OB traditionell mit dem Ministerpräsidenten mit der ersten Maß Bier „auf eine friedliche Wiesn“ anstößt - es wird dieses Jahr einen anderen Klang haben. dpa

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