„Eine Disco mit Mundschutz funktioniert einfach nicht.“

Nachtleben in Bayern: Clubs dürfen ab Oktober öffnen - für Disco-Betreiber gibt es aber noch keine Regeln

Johannes Mottl im Pistolero in Bad Tölz.
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Putzlicht statt Strobo: Johannes Mottl will ab Oktober für die Sicherheit seiner Gäste sorgen.

Es ist offiziell: Ab Oktober darf in Bayern wieder gefeiert werden. Doch während die Club-Betreiber schon die Ärmel hochkrempeln, gibt es noch keine konkreten Regeln – ob mit Maske Disco-Gefühle aufkommen, ist nur eine von vielen Fragen.

München – Johannes Mottl steht in einem leeren Saal. Verwaiste Bartresen reihen sich an den Wänden, die Stühle sind hochgestellt, das Putzlicht strahlt grell in den Raum. Hier im Pistolero Club, wo früher jedes Wochenende hunderte Menschen aus Bad Tölz und Umgebung feierten, herrscht Katerstimmung. Denn während der Pandemie mussten alle Feierstätten dicht bleien.

Doch jetzt, nach gut eineinhalb Jahren, gibt es für die bayerischen Clubbetreiber endlich Hoffnung: Am Dienstag verkündete Ministerpräsident Markus Söder neue Lockerungen. Eine davon ist die Öffnung der Tanzstätten ab Oktober. Für den Einlass gilt ausnahmslos die 3G-Regel: Gäste müssen geimpft, genesen oder getestet sein – und da zählen ausschließlich die PCR-Tests.

Bayerns Disco-Betreiber stehen vor einer schwierigen Frage: 3G-Konzept oder voller Club?

Betreiber wie Johannes Mottl krempeln die Ärmel hoch, um die strengen Auflagen umzusetzen: „Wir werden penibel darauf achten, die Maßnahmen umzusetzen. Aber dafür müssen wir natürlich mindestens einen weiteren Mitarbeiter einstellen.“ Zwar geht Mottl jetzt schon von hohen Kosten aus, aber die nimmt er gern in Kauf: „Wir wollen die Chance, die wir von der Politik bekommen, wahrnehmen und zeigen, dass wir eigenverantwortlich ein sicheres Nachtleben ermöglichen können.“ Kopfzerbrechen bereitet ihm die Maskenpflicht: „Eine Disco mit Mundschutz funktioniert einfach nicht.“ Doch bisher steht noch nicht fest, ob es eine Maskenpflicht geben wird. Das würde sich auf die Einlasskontrollen auswirken: „Wenn wir mit einem 2G-Konzept die Maskenpflicht umgehen können, dann müssen wir Getestete schweren Herzens ausschließen“, sagt Mottl.

Auch in München freuen sich die Betreiber über die Perspektive, sind aber skeptisch, wie Alexander Spierer, Betreiber des Sweet am Maximiliansplatz erklärt: „Wenn wir nicht mit voller Auslastung fahren dürfen, werden wir nicht aufmachen, weil es wirtschaftlich keinen Sinn macht. Auch nicht, wenn die Leute Abstand halten und Maske tragen müssen.“ Ein weiteres Problem sei das Personal, insbesondere die Mini-Jobber: „Da sind viele abgesprungen über die Zeit.“

Auch im Strom in der Münchner Lindwurmstraße ist die Frage, wer ab Oktober rein darf, das alles bestimmende Thema: „Es ist schwierig und irgendwie auch eine Gewissensfrage: Auf der einen Seite wollen wir, dass es weitergeht, auf der anderen Seite wollen wir natürlich niemanden ausschließen“, so Betreiber Frank Bergmeyer.

Spinnradl am Spitzingsee: PCR-Tests müssten in anderen Landkreisen gemacht werden

Gäste durch die 2G-Regel auszugrenzen, kommt für Marco Koob nicht in Frage: „Viele würden sich gerne testen lassen, wenn sie dafür feiern dürfen.“ Der 27-Jährige betrieb bis März 2020 den Club Wuid in Rosenheim. Nach der Renovierung ist der Name BavaMia zwar neu, auf sein Stammpersonal kann Koob aber noch immer zählen. „Ich hoffe, dass Bayern sich an Baden-Württemberg orientiert, wo Clubs mit 3G-Regel zu 100 Prozent ausgelastet sein dürfen.“ Dann hätten im BavaMia wieder an die 270 Gäste Platz.

In den Startlöchern: Christoph Simon freut sich auf die Wiedereröffnung des Spinnradls.

Freudig, aber noch skeptisch reagiert auch Christoph Simon vom Spinnradl am Spitzingsee (Kreis Miesbach) auf die Beschlüsse. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Lage schnell ändern kann“, sagt er. „Noch ist nicht Oktober. Wenn die Infektionszahlen im Herbst hochgehen, fällt der Politik wahrscheinlich etwas Neues ein.“ Immerhin: Simons 50 Mitarbeiter sind fast alle wieder am Start. Ein Wermutstropfen bleibt aber der vorgeschriebene PCR-Test. Im Landkreis gibt es – anders als in München oder Rosenheim – keine Teststation, die das Ergebnis am selben Tag liefern kann. „Wäre ein Schnelltest ausreichend, könnten wir eine Station am Eingang aufbauen“, sagt Simon. Jammern will er nicht: „Sobald wir öffnen dürfen, machen wir das. Wir stehen in den Startlöchern.“ mas/sco/bst/leo

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