„Besorgniserregender Anstieg“

8587 Angriffe auf Polizisten in Bayern im letzten Jahr: Attacken gegen Beamte nehmen zu - auch wegen Corona

Polizisten kontrollieren in den späten Abendstunden im Englischen Garten.
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Polizisten werden immer wieder angegriffen - in Bayern nahm die Zahl im letzten Jahr deutlich zu.

Die Angriffe auf Polizeibeamte haben auch im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Innenminister Joachim Herrmann spricht von einem besorgniserregenden Trend.


München – Als Polizeimeister Marc Hoffmann im vergangenen September zu einem Einsatz in einer Nürnberger* Spielothek gerufen wurde, ahnte er noch nicht, dass es ein Einsatz mit Folgen werden würde. Gemeinsam mit einer Kollegin traf er auf einen aggressiven, angetrunkenen Gast, der bereits 700 Euro verzockt hatte und darüber offenbar wenig begeistert war. Als ihm die Polizisten einen Platzverweis erteilen wollten, wurde der Mann immer aggressiver und beleidigte die Beamten, wie Hoffmann berichtet. Die Polizisten entschlossen sich, den Mann in polizeilichen Gewahrsam zu nehmen. Doch er wehrte sich – und als er schließlich in einem Gerangel fixiert am Boden lag, biss er Marc Hoffmann zweimal in den Unterarm. Nachdem der Einsatz mithilfe weiterer Kollegen beendet werden konnte, ging es für Polizeimeister Hoffmann erst mal in die Klinik.

Solche Angriffe auf Polizeibeamte, aber auch auf Rettungs- oder Feuerwehrkräfte, nehmen seit Jahren zu. Und auch im vergangenen Jahr hat die Gewalt gegen Einsatzkräfte wieder einen neuen Höchststand erreicht, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag (17. Mai) berichtete. 8587 Gewaltvorfälle gegen Polizeibeamte dokumentierte das Innenministerium – ein Plus von 7,9 Prozent zum Vorjahr. Ein „besorgniserregender Anstieg“, wie Herrmann sagte. Mehr als die Hälfte der Angriffe wurden mit körperlicher Gewalt ausgeführt, 2809 Polizisten wurden dabei verletzt, ebenfalls ein Plus von 8,2 Prozent.

Kaum Fußballspiele oder Volksfeste - dafür viele Corona-Verstöße

Und das, obwohl die Situation im vergangenen Jahr eine andere war als sonst. Denn es fanden kaum Fußballspiele statt, bei denen es immer wieder zu gewaltsamen Aufeinandertreffen von Fan- und Hooligangruppen mit der Polizei kommt. Auch größere Volksfeste fanden wegen der Pandemie nicht statt. Dafür musste die Polizei die Einhaltung der Corona*-Beschränkungen kontrollieren. Von 3,4 Millionen Kontrollen und 165 000 zur Anzeige gebrachten Verstößen sprach Herrmann seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen. Dabei kam es laut Herrmann immer wieder zu Beleidigungen etwa bei Maskenkontrollen. Und bei den Querdenkerdemos hätten sich mehrfach Teilnehmer polizeilichen Maßnahmen widersetzt.

Für die Gewerkschaft der Polizei in Bayern (GdP) ist der Anstieg „unerträglich“. Der Landesvorsitzende Peter Pytlik forderte zügige Strafen für die Täter. Herrmann verwies hier auf einen im vergangenen März eingeführten Aktionsplan, mit dem schwere Straftaten gegen Polizisten schneller bei der Staatsanwaltschaft landen sollen. Auch Marc Hoffmanns Fall ist dadurch schon vor Gericht gelandet. Sein Angreifer ist mittlerweile zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Er hatte sich schon zuvor und auch nach dem Vorfall im Dezember wiederholt der Polizei widersetzt.

Viele der Angreifer sind alkoholisiert

Weil nach wie vor auch vieler Angreifer alkoholisiert sind, fordert die SPD-Landtagsfraktion zudem eine Kampagne zu Alkoholeinfluss im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt für Jugendliche.

Dass die Gewalt die Polizei auch in diesem Jahr wieder beschäftigt, zeigte nicht nur der eskalierte Einsatz im Englischen Garten vor einigen Tagen. Auch an diesem Samstag wurde in München wieder ein Polizeibeamter beschimpft und mit Fäusten geschlagen – am U-Bahnhof des Hauptbahnhofs. Angreifer war ein polizeibekannter 18-jähriger Mann aus dem Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Pikant: Er ist angestellt im Sicherheitsgewerbe. -*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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