Familie verzweifelt

Klinik-Kollaps wegen Corona und Streik: Mann wartet auf Krebs-Operation - er hatte schon das OP-Hemd an

Operation in der Klinik
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In Regensburg wartet ein Krebspatient auf eine wichtige Operation.

Es ist kaum vorstellbar: Ein Mann aus Niederbayern wartet seit Tagen auf seine vielleicht rettende Krebs-OP, doch die Klinik hat keine Kapazitäten mehr - nicht nur wegen Corona.

Regensburg - Die Familie des Mannes - alle wollen lieber anonym bleiben - ist verzweifelt: Wie pnp.de berichtet, soll der Niederbayer aus dem Landkreis Deggendorf bereits seit Tagen am Uniklinikum Regensburg eine wichtige Krebs-OP erhalten. Er leidet an Gallengangkrebs, nur eine Operation kann feststellen, ob dieser bereits gestreut hat. Sollte es so sein, sinke die Chance auf Gesundung rapide.

Regensburg: Mann wartet wegen Corona und Streik vergeblich auf Krebs-OP

Doch die wichtige Operation kann nicht stattfinden. Bereits am Montag habe man, so die Recherchen von pnp.de, den Niederbayer (55), der seit einiger Zeit im Klinikum liegt, auf die OP vorbereitet. Er war seit vielen Stunden nüchtern, der Darm entleert. „Er hatte in der Früh schon das OP-Hemd an“, erzählt seine Frau. Dann die Absage: kein Intensivbett mehr frei.

Am Dienstag spielte sich genau das gleiche Drama ab. Am Mittwoch und Donnerstag werde er sowieso nicht operiert, so die Klinik gegenüber der Frau - wegen des Streiks der Pflegenden*. Nun hofft die Familie auf Freitag.  „Und was, wenn wieder nicht?“, fragt sich die Ehefrau und weint. Das Paar hat sieben Kinder daheim - vier eigene und drei Pflegekinder. Die Verzweiflung und Angst um den Familienvater ist groß.

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Uniklinik Regensburg: „Situation auf Intensivstationen sehr angespannt“

Das Uniklinikum Regensburg* (UKR) äußert sich gegenüber pnp.de nicht zum konkreten Fall, UKR-Sprecherin Katja Rußwurm sagt aber: „Ich möchte nicht verschweigen, dass die Situation auf unseren Intensivstationen sehr angespannt ist.“ Die Intensivbetten seien weitgehend belegt, man kümmere sich als „Maximalversorger“ neben Covid-19*-Fällen auch um Menschen mit schweren Erkrankungen und Verletzungen. Die Sprecherin rät der Familie, sich an das Beschwerdemanagement der Klinik zu wenden. Allerdings: Die behandelnden Ärzte würden schon einschätzen können, wie dringlich die Operation ist. „Daher möchten wir in diesem Fall dazu raten, auf die Einschätzung der Mediziner zu vertrauen.“

Die sehen den Fall des kranken Niederbayers wohl als nicht so akut an. Doch was sagt eigentlich ver.di dazu? Die Gewerkschaft hatte die Beschäftigten - vor allem aus dem Pflegesektor - in dieser Woche zu Streiks aufgerufen, viele Mitarbeiter des Uniklinikums Regensburg waren dem gefolgt und hatten die Arbeit niedergelegt. Mit der Folge, dass Patienten wie der Mann aus dem Landkreis Deggendorf nicht operiert werden konnte.

Verdi-Streik in Regensburg kommt noch obendrauf: „um Kapazitätsgrenzen aufzuzeigen“

„Die Krankenhäuser waren schon immer an den Kapazitätsgrenzen“, sagt dazu der Sprecher des Landesverbands Bayern der Gewerkschaft Verdi, Hans Sterr, auf Anfrage von pnp.de. „Die Streiks finden genau deshalb statt, um das aufzuzeigen.“ Allerdings würden keine Intensiv- und Corona-Stationen bestreikt, stellt Sterr klar. „Die Versorgung der Patienten ist gewährleistet.“*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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