Attacke in Vorra

Brandanschlag auf Asylheim: Gericht lehnt Verfahren ab

Nürnberg - Nach der Brandstiftung in einem Asylheim vor zwei Jahren gibt es zwei Verdächtige, aber die Indizien genügen nicht. Die Ermittler müssen vielleicht von vorn anfangen.

Er galt erst als symbolträchtiger Anschlag auf ein Asylbewerberheim, dann jedoch als Fall von Wirtschaftskriminalität: Der Brand in einer Flüchtlingsunterkunft im mittelfränkischen Vorra. Im August vergangenen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Firmenchef und einen Bauarbeiter erhoben. Nach Ansicht der Behörde hatten die Männer Ende 2014 die neu hergerichtete Unterkunft angezündet, um Mängel am Brandschutz zu vertuschen.

Nun hat das Landgericht Nürnberg die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, wie ein Justiz-Sprecher am Montag sagte. Das Gericht sei nicht von der Täterschaft der Verdächtigen überzeugt. Nach umfangreichen Nachermittlungen hätten die Indizien der Kammer nicht für eine Verhandlung ausgereicht. Die Angeschuldigten haben die Vorwürfe stets bestritten.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben einer Sprecherin nun knapp eine Woche Zeit, um die Entscheidung des Gerichts zu prüfen und eventuell Beschwerde dagegen einzulegen. Falls die Ankläger dies nicht tun, müsste die Kripo die Ermittlungen wieder aufnehmen. Denn dann müsse man wieder von einem unbekannten Täter ausgehen.

Verdächtige sollen durch das Feuer Baumängel vertuscht haben

In der Nacht zum 12. Dezember 2014 waren in Vorra ein umgebauter Gasthof samt Scheune sowie ein frisch renoviertes Wohnhaus in Brand gesteckt worden. In die Gebäude sollten kurze Zeit später Asylbewerber einziehen. Wegen Hakenkreuzen und einer ausländerfeindlichen Parole auf dem Gebäude waren die Ermittler zunächst von einer fremdenfeindlich motivierten Tat ausgegangen. Der Brand galt als erster großer Anschlag einer monatelangen Serie von Brandstiftungen in Asylbewerberheimen.

Im vergangenen Sommer jedoch nahm die Polizei die beiden Verdächtigen fest. Die Ermittler waren überzeugt, dass die Männer mit dem Brand die Baufirma vor dem Bankrott retten wollten. Nach Berechnungen der Ermittler wären nämlich beim Brandschutz Nachbesserungen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro in kürzester Zeit nötig gewesen. Doch schon im Oktober hob das Gericht die Haftbefehle gegen die Männer auf, da es keinen dringenden Tatverdacht sah.

Rubriklistenbild: © dpa

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