„Kann man nicht verharmlosen“

Wahlforscher belegt mit Zahlen, wie desaströs die CDU-Entscheidung gegen Söder war

Für die Union gab es bei der Bundestagswahl ein Debakel, die Partei um Kanzlerkandidat Armin Laschet verlor. Wäre es mit Markus Söder besser gelaufen?

München - Die Bundestagswahl* ist geschafft. Die SPD* um Olaf Scholz* hat mit 25,7 Prozent gewonnen. Die Union von CDU*-Kanzlerkandidat Armin Laschet* kam auf 24,1 Prozent - ein historisch schlechtes Ergebnis. Auch in Bayern stürzte die CSU* von Parteichef Markus Söder* auf 31,7 Prozent ab, schlechter war die Partei nur 1949. Wie kam dieses Ergebnis zustande - und wäre es mit Söder für die Union möglicherweise anders gelaufen?

Bundestagswahl 2021: Forsa-Chef erklärt SPD-Sieg - „Debakel“ für die Union

In einem Interview mit der Nachrichtenseite ntv, sagt Manfred Güllner, Chef von Forsa, dass Scholz der entscheidende Faktor für Menschen war, die SPD zu wählen. Die Beliebtheit des Finanzminister ist aber auch „bedingt durch die Schwäche der beiden anderen.“ Auf die Frage, ob das Wahlergebnis für die Union ein Desaster ist oder ob sie mit einem „blauen Auge“ davon gekommen ist, wie zum Beispiel Söder für die CSU in Bayern meinte, hat Güllner eine deutliche Antwort: „Ich glaube, ‚blaues Auge‘ wäre zu wohlwollend und zu beschönigend. Es ist ein Desaster.“ Bereits bei Helmut Kohl hab es einen Einbruch gegeben. 1983 hätte er noch 43 Prozent der Wahlberechtigen für sich gewonnen, nach 16 Jahren waren es nur noch 28 Prozent.

Auf diesem Niveau habe Merkel das bürgerliche Lager gehalten, wenn man die Stimmen der Union und FDP zusammenrechne. „Jetzt hat Laschet sozusagen den nächsten Bruch vollzogen. Das ist ein Riesenabsturz, der jetzt passiert ist. Das kann man nicht als ‚blaues Auge‘ verharmlosen“, so Güller im ntv-Interview.

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Bundestagswahl: Unionserfolg mit Söder als Kanzlerkandidat? Forsa-Chef wird deutlich

Bereits im Vorfeld der Nominierung hätte man gesehen, dass nur die Hälfte der Unionswähler von 2017 gesagt haben, dass sie auch ohne Merkel auf jeden Fall die CDU wählen. Danach habe man gesehen, dass die „Bindekraft“ von Laschet extrem niedrig war. „Der einzige Kandidat, der einen großen Teil der anderen Hälfte der CDU-Wähler gebunden hätte, war Söder.“

Wäre Bayerns Ministerpräsident also der bessere Kanzlerkandidat für die Union gewesen? „Wir haben gestern unmittelbar nach der Wahl über 5000 Wähler befragt. Von denen hat über ein Zehntel der Wähler der anderen Parteien gesagt, sie hätten ganz sicher Union gewählt, wenn Söder Kanzlerkandidat gewesen wäre“ erklärt Forsa-Chef Güllner gegenüber ntv. „Das hatten wir auch schon in mehreren Untersuchungen vorher ermittelt und das ist gestern Abend noch einmal bestätigt worden: Mit Söder wäre die Union glatt über 30 Prozent gekommen.“

Bundestagswahl: Hätte die Union mit Angela Merkel gewonnen?

Und hätte Angela Merkel* selbst noch mal eine Chance gehabt? „Wenn sie rechtzeitig gesagt hätte, dass sie kandidiert, hätte sie wahrscheinlich noch einmal gewonnen. Wenn sie das jetzt kurz vor der Wahl gesagt hätte, sicherlich nicht, denn die Leute haben jetzt einen Haken an die Ära Merkel gemacht.“ (kam) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Die CSU musste bei der Bundestagswahl in Bayern heftige Verluste hinnehmen. Markus Söder hat einen Grund für das schlechte Ergebnis schon ausgemacht.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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