Wie bekomme ich einen Termin?

Astrazeneca für alle: Das gilt jetzt - Die wichtigsten Impf-Infos

Ein gefragter Mann: Hausarzt Dr. Markus Frühwein darf jetzt AstraZeneca an jeden impfen, der möchte.
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Ein gefragter Mann: Hausarzt Dr. Markus Frühwein darf jetzt AstraZeneca an jeden impfen, der möchte.

In Bayern ist die Corona-Impfung mit Astrazeneca jetzt für jeden möglich. Wie bekomme ich einen Termin? Wie läuft das ab? Die wichtigsten Fragen beantwortet.

München – Rund 100 Dosen Corona-Impfstoff verimpft der Münchner Allgemeinmediziner Markus Frühwein mit seinen Kollegen jede Woche. „Je nachdem, wie viel wir bekommen“, sagt er. Die große Münchner Praxis mit mehreren Ärzten liegt damit deutlich über dem Durchschnitt. Doch: „Wir könnten noch mehr impfen“, sagt Frühwein. Bei Astrazeneca* sei der Beratungsbedarf bei seinen Patienten deutlich höher. Und seit die Priorisierung für den Impfstoff aufgehoben und er für alle Altersgruppen freigegeben wurde, klingelt das Telefon in seiner Praxis noch öfter. „Die vielen Anrufe waren fast nicht mehr zu stemmen“, sagt Frühwein gestern Nachmittag. So geht es gerade vielen Hausärzten. Doch viele, die jetzt auf eine schnellere Impfung hofften, müssen sich wohl erst mal weiter gedulden. Die wichtigsten Fragen.

Coronavirus: Astrazeneca-Impfung in Bayern - Antworten auf die wichtigsten Fragen

Braucht man den vorhandenen Astrazeneca-Impfstoff in den Praxen nicht für Über-60-Jährige?

Offenbar nur zum Teil. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Astrazeneca ab einem Alter von 60 Jahren. Doch aus den Praxen und Impfzentren komme immer öfter die Rückmeldung, dass die „bislang vorgesehene Altersgruppe über 60 Jahre bereits entweder geimpft ist oder den Astrazeneca-Impfstoff aus diversen Gründen nicht haben möchte“, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) unserer Zeitung.

Die Freigabe eröffne nun die Möglichkeit, den Impfstoff auch Jüngeren zu verabreichen, wenn sie das wollen und aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht. So könne auch eine mögliche Verschwendung verhindert werden. Für Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) war die Maßnahme deshalb ein logischer Schritt. Die Sonderimpfaktionen in den Impfzentren hätten gezeigt: „Es gibt in Bayern viele Menschen außerhalb der Priogruppen, die ein großes Interesse an einer Impfung* haben und dazu auch Astrazeneca nehmen wollen“, sagt er unserer Zeitung. Wenn man den Arztpraxen hier mehr Freiraum gebe, helfe man damit allen. 

Corona in Bayern - Wie viel Astrazeneca-Impfstoff haben die Arztpraxen?

Bisher sind die Impfstoffmengen insgesamt überschaubar. Für die kommende Woche konnten die Vertragsärzte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge jeweils bis zu 48 Dosen ordern. Welchen Impfstoff sie bekommen, legt das Bundesgesundheitsministerium fest. Wenn – wie für diese Woche – erneut rund 55 000 Praxen bestellen, erhält jede davon laut KBV im Durchschnitt 36 Dosen. Was wenig klingt, ist immerhin doppelt so viel wie in der Vorwoche.

Kurios: Ausgerechnet in der Woche, in der Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) Astrazeneca in Arztpraxen für alle Altersgruppen freigibt, konnten die dieses Präparat gar nicht bestellen. Das heißt: Nächste Woche werden die Praxen kein Astrazeneca erhalten. Stattdessen soll ausschließlich Biontech geliefert werden, für das weiterhin die Priorisierung gilt. Zwar berichten einzelne Ärzte, dass sie noch unverimpftes Astrazeneca vorrätig haben – doch das scheint regional sehr unterschiedlich zu sein. Insgesamt dürfte das Gesamtangebot an freigegebenem Impfstoff vorerst also eher knapp sein. Und wie viel und welchen Impfstoff das Bundesgesundheitsministerium im Mai an die Praxen liefern lässt, hat das Haus von Jens Spahn (CDU) bisher nicht kommuniziert. „Diese Unklarheit ist ein Ärgernis“, sagt der KVB-Sprecher.

Sollte ich mich bei meinem Arzt melden, wenn ich mit Astrazeneca geimpft werden will?

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) rät dazu, Ruhe zu bewahren und erst einmal abzuwarten. „Es hat niemand etwas davon, wenn jetzt die Telefonleitungen der Praxen durch Impfwillige besetzt werden“, sagt der Sprecher. Schließlich dürfe auch die Regelversorgung abseits von Corona nicht aus den Augen verloren werden. Mediziner Frühwein weist zudem darauf hin, dass die Praxen immer erst Ende der Woche erfahren, wie viel Impfstoff sie für nächste Woche bekommen. „Mitte der Woche wegen Terminen nachzufragen, macht deshalb überhaupt keinen Sinn.“ Tatsächlich führen einige Praxen aber Listen über impfwillige Patienten. Aus Patientensicht kann es also nicht schaden, sein Interesse bei Gelegenheit zu bekunden, selbst wenn es noch dauern könnte, bis dieser Wunsch wahr wird. Auch die KVB sagt: „Wenn man sowieso beim Arzt ist, macht es Sinn, sich nach einer Impfung zu erkundigen.“

Wie lange dauert es, bis man die zweite Astrazeneca-Impfung erhält?

Wer in Bayern mit Astrazeneca geimpft wird, erhält zwölf Wochen später die zweite Impfung. Bei Biontech und Moderna beträgt der Abstand sechs Wochen. Der Impfstoff von Johnson & Johnson muss nur einmal gespritzt werden. Relevant könnten diese Abstände werden, wenn vollständig Geimpfte Freiheiten zurückerhalten. So hat zuletzt beispielsweise Griechenland die Quarantäne für EU-Touristen ausgesetzt, die seit zwei Wochen vollständig geimpft sind oder einen negativen PCR-Test* vorzeigen.

Wie oft treten nach einer Astrazeneca-Impfung Thrombosen auf?

In Deutschland sind laut Paul-Ehrlich-Institut bis Mitte April 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach einer Impfung mit Astrazeneca gemeldet worden. Zwölf Menschen sind gestorben, sechs Männer und sechs Frauen. Bis einschließlich 15. April wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) insgesamt mehr als 4,2 Millionen Erstdosen und 4153 Zweitdosen des Impfstoffs verabreicht.

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