Ausflügler in Bayern

Spaziergänger-Stau wegen Corona: München und Land wollen mit ungewöhnlicher Sprüh-Aktion Frieden stiften

In der Corona-Pandemie flüchten viele vor dem Alltag ins bayerische Umland. Das führt zu Konflikten. Der Bauernverband und die Stadt München wollen nun gegensteuern.

  • Die Corona-Pandemie* treibt die Menschen in die Natur.
  • Das führt mehr denn je zu Konflikten zwischen denen, die die Natur bewirtschaften, und denen, die sie genießen wollen.
  • Mit einer Kampagne wollen Landwirte und die Stadt München nun zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme mahnen.

München/Seefeld – Am Vatertag im vergangenen Jahr ist einem Landwirt aus Warngau (Kreis Miesbach) der Kragen geplatzt, als ein Mountainbiker mal wieder auf seinem gesperrten Feldweg unterwegs war. Er verfolgte den Radler, der den Landwirt auch noch als „Bauerndepp“ bezeichnet haben soll, und stieß den Mann von seinem Fahrrad. Die Folge: ein Strafbefehl vom Miesbacher Amtsgericht und ein einmonatiges Fahrverbot.

Dass Begegnungen zwischen Freizeitsportlern und Landwirten auf Bayerns Fluren derart eskalieren, ist selten. Aber zu Konflikten, die nicht unbedingt bei einem Richter landen, kommt es immer wieder. Durch die Pandemie* noch verstärkt, weil die Flucht ins Umland für viele die einzige Chance ist, vom tristen Alltag ohne Restaurants, Sportstätten oder Urlaubsmöglichkeiten eine Auszeit zu nehmen. Während Radler über rücksichtslose Landwirte mit ihren großen Bulldogs klagen, ärgern sich die Bauern wiederum über zugeparkte Ackerränder und zertrampelte und vermüllte Wiesen und Felder.

Ausflügler in der Corona-Pandemie: Mit Sprühdosen für mehr Rücksicht

Um etwas die Luft aus diesem Konflikt zu nehmen, startet der oberbayerische Bauernverband gemeinsam mit den Stadtgütern München – ja, auch die Landeshauptstadt betreibt auf zehn Gutsbetrieben noch selbst Landwirtschaft – eine Kampagne. „Rücksicht macht Wege breit“ lautet das Motto, das gestern der oberbayerische Bauernpräsident Ralf Huber und Kommunalreferentin Kristina Frank auf einen Feldweg am städtischen Gut Delling bei Seefeld im Kreis Starnberg sprühten.

Richtig gelesen, die Kampagne wird nicht etwa durch Plakate bekannt gemacht (Frank: „Unser Schilderwald ist groß genug“), sondern durch die mit Schablonen auf den Boden gesprühte Botschaft. Die Schablonen sollen nun an alle oberbayerischen Kreisverbände des Bauernverbands verteilt werden – sodass Spaziergänger und Radlfahrer künftig öfter auf die bodennah ausgebrachte Botschaft stoßen könnten.

Wandern trotz Corona: „Felder, Wiesen und die Natur wirken wie ein Magnet“

„Die Felder, Wiesen und die Natur wirken wie ein Magnet auf die Leute“, sagt Ralf Huber. „Und als begeisterter Radfahrer kann ich das verstehen.“ Aber etwas mehr Rücksicht sei nötig. „Schließlich handelt es sich hier um die Kinderstube der Natur.“ Rehkitze und brütende Vögel würden aufgeschreckt. Und den Landwirten werde die Ernte geschmälert, wenn die Ausflügler achtlos durch bereits angesäte Felder stapfen. „Deswegen die dringende Bitte: Von März bis Oktober die Felder nicht betreten. Und auch die Feldeinfahrten nicht als Parkplatz missbrauchen.“ Im Gegenzug müssten die Landwirte ihren Teil beitragen und ihre PS-starken Traktoren auch mal abbremsen, wenn ihnen ein Mountainbiker entgegenkommt.

Besonders groß ist der Ausflugsdruck in den bayerischen Alpen*. Das hat die Almbauern aus Oberbayern und aus dem Allgäu dazu veranlasst, kürzlich noch einmal auf die im Naturschutzgesetz verankerten Betretungsregeln hinzuweisen. Demnach dürfen ab der Aufwuchszeit (in der Regel ab Ende April) die Almwiesen nicht mehr betreten werden. Fußgänger und Radler müssen auf den bestehenden Wegen bleiben. Querfeldeinfahren ist weder im Wald noch auf der Wiese erlaubt.

Für motorisierte Fahrzeuge – darunter fallen auch E-Bikes, bei denen der Motor auch ohne Treten antreibt oder erst bei einer höheren Geschwindigkeit als Tempo 25 abgeschaltet wird – gilt das in der Verfassung verankerte Betretungsrecht übrigens nicht. Und an die Hundebesitzer appellieren die Almbauern, die Hinterlassenschaften immer zu beseitigen – sonst kann der Hundekot auf der Wiese schnell im Futter für die Kühe landen und Krankheiten auslösen.

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Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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