Fragezeichen hinter Inzidenzwerten

Zahlen-Chaos in München über Ostern: Regionen in Bayern lockern - doch die aktuellen Inzidenzen trügen wohl

Nach der Stadt München lockern auch die Kreise Weilheim-Schongau, Starnberg und Rosenheim die Corona-Notbremse. Doch die Aussagekraft der Zahlen ist fraglich.

München – Ab Donnerstag darf Andreas Haindl seine Intersportläden in Gilching und Planegg wieder für Kunden mit Termin öffnen. Denn der Landkreis Starnberg lag drei Tage unter dem Inzidenzwert* von 100 – und darf somit gemäß der bayerischen Infektionsschutz-Verordnung die sogenannte Corona*-Notbremse wieder lockern. Doch bei Kunden und Einzelhändlern sorgt das Hin und Her für Kopfschütteln: „Die Kunden kennen sich überhaupt nicht mehr aus, und wir eigentlich auch nicht“, sagt Haindl. Die Verwirrung ist groß – nicht nur in Starnberg.

Bayern: Corona-Notbremse in München und Teilen von Bayern wieder aufgehoben - aber wie lange?

Auch andere Regionen in Oberbayern reagieren auf teilweise gesunkene Inzidenzzahlen über das Osterwochenende. Neben der Stadt München lockern beispielsweise auch die Landkreise Weilheim-Schongau oder Rosenheim ihre Regelungen wieder. Bayernweit sank der Inzidenzwert von 142 am Gründonnerstag bis Mittwoch leicht auf 129.

Doch wie aussagekräftig sind die Zahlen, die das Robert-Koch-Institut* (RKI) über die Osterfeiertage veröffentlicht hat? Das RKI selbst weist darauf hin, dass bei der Interpretation Vorsicht geboten ist. Doch bei der Frage, wie viele Gesundheitsämter über die Feiertage ihre Zahlen überhaupt regelmäßig gemeldet haben, gehen die Angaben auseinander. Recherchen von „Zeit Online“ zufolge haben am Ostersonntag und am Ostermontag deutschlandweit nur rund die Hälfte der Kreisbehörden neue Zahlen mitgeteilt. Das RKI hingegen teilt auf Anfrage mit, lediglich für 15 der 412 Kreise seien keine neuen Fälle übermittelt worden. Das bayerische Landesamt für Gesundheit gibt wiederum an, von 51 der 76 Gesundheitsämter in Bayern am Ostersonntag oder -montag Zahlen bekommen zu haben. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass wegen geschlossener Arztpraxen weniger Tests durchgeführt wurden. Das RKI geht davon aus, dass die Testanzahl erst nach den Ferien wieder auf einem vergleichbaren Niveau liegt. 

Coronavirus: Zahlen-Chaos in München - Wie genau ist das Bild in Bayern?

Droht damit nun in den nächsten Tagen eine Flut an Nachmeldungen? Während in München das Bild über Ostern wohl tatsächlich verzerrt war, weil die Zahlen zwar nach Angaben der Stadt gemeldet wurden, aber nicht beim RKI ankamen, sind sich die Behörden andernorts nicht so sicher.

Im Gesundheitsamt von Bad Tölz sei auch am Osterwochenende durchgehend gearbeitet und gemeldet worden, betont eine Sprecherin. Trotzdem sei die Zahl der Infizierten konstant bei rund 150 geblieben.

Testzentren arbeiten auch über die Feiertage: Ämter übermitteln Corona-Zahlen aber teils nicht

Auch in den Laboren seien über die Feiertage weiter Tests* ausgewertet worden, betont Cornelia Wanke vom Berufsverband der Akkreditierten Medizinischen Labore in Deutschland – wenn zum Teil auch in Notbesetzung. 

Der Kreis Dachau etwa lag am 1. April bei einer Inzidenz von 203, am Mittwoch wieder bei 135. „Wir waren im Gesundheitsamt durchgehend besetzt und haben gemeldet“, betont Landratsamtssprecher Wolfgang Reichelt. In einer neuen Teststation seien über Ostern mehr als 700 Schnelltests durchgeführt worden – mit fünf positiven Ergebnissen. Von einer Testpause könne also keine Rede sein. „Allerdings wird der Trend erst nächste Woche wieder aussagekräftig sein“, sagt auch Reichelt. Denn während im Gesundheitsamt etwa am Ostersonntag kein einziger neuer Fall aufschlug, waren es bis zum Mittwochnachmittag schon wieder 20 positive Befunde.

Für Einzelhändler und ihre Kunden in Starnberg, Weilheim oder München heißt es also weiter bangen, ob die Notbremse schon bald wieder angezogen werden muss. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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