„Enttäuscht, resigniert, besorgt und ängstlich“

Düsterer Trend: Immer mehr Schüler in Bayern wegen Corona zu Hause - auch die Fälle in Kitas nehmen zu

Immer mehr Schüler in Bayern fehlen in der Schule, weil sie entweder Corona haben oder in Qurantäne sind.
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Immer mehr Schüler in Bayern fehlen in der Schule, weil sie entweder Corona haben oder in Qurantäne sind.

Seit dem Ende der Winterferien müssen immer mehr Kinder und Jugendliche zu Hause bleiben. Die Zahl der Corona-Infektionen und Quarantänefälle ist stark angestiegen.

München - Omikron ist auf dem Vormarsch und macht auch nicht vor den Jüngsten halt. Das belegen neue Zahlen des bayerischen Kultusministeriums. Demnach steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die an Corona* erkrankt oder in Quarantäne sind - stark an. Das Virus macht aber auch nicht vor Kindergärten, Krippen und Horten halt. Auch hier verzeichnet das Sozialministerium einen Anstieg der Fallzahlen.

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Corona in Schulen und Kitas: Die Zahlen haben sich verdoppelt

Am Freitag (21. Januar) teilte das Kultusministerium auf dpa-Anfrage mit, dass derzeit 3,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler dem Unterricht fernbleiben. Das sind doppelt so viele wie noch am 11. Januar - nach dem Ende der Winterferien. Dabei wurden 1,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen positiv auf Corona getestet. 2,3 Prozent von ihnen sind in Quarantäne. Die Zahlen haben sich also auch hier parallel zum Infektionsgeschehen in Bayern entwickelt.

Auch Kitas und Horte sind von der Entwicklung betroffen. Von bayernweit 10.200 Einrichtungen waren es Stand Freitag 970, wie das Sozialministerium mitteilte, das entspricht etwa einer Verdreifachung binnen einer Woche. 49 Einrichtungen waren vollständig geschlossen, 691 teilweise. In weiteren 230 waren nur Einzelpersonen von Quarantänemaßnahmen betroffen. Noch eine Woche zuvor waren dem Ministerium zufolge nur sieben Einrichtungen ganz und 147 partiell geschlossen sowie in 119 Einrichtungen Einzelpersonen betroffen gewesen.

Corona in Bayern: Gewerkschaft warnt - „Ist erst der Anfang der Fahnenstange“

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) predigt auch weiterhin, dass das „oberste Ziel bleibt, die Kitas offenzuhalten. Denn Kinder brauchen Kinder, Eltern brauchen eine verlässliche Kindertagesbetreuung und die Familien sowie die Beschäftigten brauchen größtmöglichen Schutz.“ Ihr Kabinettskollege, Kultusminister Michael Piazolo* (Freie Wähler), reagierte ebenfalls: „Die engmaschigen Testungen und angepassten Quarantäneregelungen tragen dazu bei, das Infektionsrisiko an den Schulen gering zu halten.“ Unter anderem soll es ab März auch in 5. und 6. Klassen PCR-Tests geben. Dennoch müsse man „vorsichtig sein und die Entwicklung genau beobachten“, so der Minister.

Ministerpräsident Markus Söder (l.) und seine beiden Minister Carolina Trautner (Soziales) und Michael Piazolo (Kultus).

Nicht ganz so optimistisch sieht es die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Dort geht man davon aus, dass Betreuungseinrichtungen bald ganz oder zumindest teilweise geschlossen werden. „Durch die mangelnden Testverfahren mit Antigentests vermuten wir, dass Ausbrüche nicht rechtzeitig bemerkt werden. Dadurch werden viele gleichzeitig betroffen sein“, sagte Vize-Landesvorsitzende Gerd Schnellinger auf Anfrage. „Aus meiner Sicht ist dies nur der Anfang und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht in Sicht.“ Eine schwierige Lage für Mütter und Väter: „Sie müssen jederzeit damit rechnen, dass Ihr Kind wegen Quarantäne-Maßnahmen nicht zur Schule gehen kann und zu Hause betreut werden muss“, sagte Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes. „Man kann nur hoffen, dass ihre Arbeitgeber sie dabei unterstützen, soweit sie die verfügbaren Kontingente schon ausgeschöpft haben.“

Video: Weniger Kinder sind während der Corona-Pandemie sitzen geblieben

Sozialministerium plant eine Entlastung der Eltern

Bei einer ähnlichen Situation vor gut einem Jahr gab es noch Auffanglösungen für berufstätige Eltern in systemrelevanten Berufen. Und diesmal? „Entsprechende Pläne werden vorsorglich vorbereitet“, hieß es aus dem Sozialministerium. Die GEW berichtete von kreativen Lösungen vor Ort. Wenn immer mehr Personal wegbreche, werde das zu einer nicht lösbaren Herausforderung. Dann trügen wieder Erzieher und Kinderpfleger allein die Last, obwohl sie seit fast zwei Jahren an der Belastungsgrenze tätig seien. Auch mittelfristige Folgen in Zeiten extremen Fachkräftemangels sind nach Ansicht Schnellingers nicht absehbar. „Am Ende tragen unsere Kinder die Folgen einer verfehlten Politik in der frühkindlichen Bildung.“

Die Stimmung bei den Beschäftigten nach zwei Jahren Pandemie beschrieb der stellvertretende GEW-Vorsitzende als „enttäuscht, resigniert, besorgt und ängstlich“. Die Kolleginnen und Kollegen fühlten sich weder ernsthaft wahrgenommen noch ausreichend geschützt. So habe man ihnen zu keiner Zeit auch nur ansatzweise ausreichende Schutzmaßnahmen zur Verfügung gestellt. (tel mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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