Gefährliche Kombination

Medikament macht Corona-Impfung wirkungslos: Gefahr für MS-Patienten - „kann mich das Leben kosten“

Für Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind, kann die Corona-Impfung wirkungslos sein.
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Für Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind, kann die Corona-Impfung wirkungslos sein.

Ein Medikament für Multiple Sklerose kann für Erkrankte zur Bedrohung werden. Denn es verhindert, dass Betroffene Antikörper nach einer Corona-Impfung aufbauen können.

Augsburg - Die Corona-Zahlen steigen wieder und mit ihnen auch die Angst der Risikopatienten, sich mit dem Coronavirus* zu infizieren. Schutz vor einem schweren Verlauf bietet vor allem die Corona-Impfung. Doch was, wenn diese wirkungslos ist, weil sich keine Antikörper bilden können? Der Bayerische Rundfunk schildert den Fall einer Augsburgerin. Im Alter von 30 Jahren diagnostizierten die Ärzte bei ihr Multiple Sklerose*.

Doch nicht die Erkrankung wird für Eva Ritter (Name vom BR geändert) zur Gefahr, sondern ein MS-Medikament*, das sie einnehmen muss. „Es drückt das Immunsystem sehr stark, genauer gesagt die B-Zellen“, erklärt sie dem BR. Doch gerade die B-Zellen bräuchte sie, um immun gegen das Virus zu werden. „Und genau das ist das Problem mit der Impfung, die kann nicht greifen.“ Das verdeutlichte ihr der Antikörpertest.

Auch nach einer dritten Impfung hat Ritters Körper immer noch keine Antikörper aufgebaut. Kurz: Die Impfungen sind wirkungslos. Das lebenswichtige Medikament wird für sie während der fortschreitenden Corona-Pandemie zur Gefahr.

Corona und MS: Medikamente hemmen Impfwirkung - große Gefahr für Betroffene

So wie Eva Ritter geht es auch tausend weiteren Menschen in Bayern. Im Freistaat sind schätzungsweise 30.000 Menschen an MS erkrankt. Viele von ihnen hätten Probleme mit dem Impfschutz, sagt der Augsburger Neurologe Antonios Bayas. In Schwaben gibt es tausend MS-Patienten, die Bayas an der Uniklinik Augsburg* betreut.

„Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass wir uns bei vielen Patienten gut überlegen müssen, welche Therapien wir einsetzen, weil einige der Therapien das Ansprechen der Corona-Impfung beeinträchtigen und da gibt es einen großen Beratungsbedarf“, erklärt der Neurologe dem BR.

Ich würde so viel darum geben, diesen Impfschutz zu haben und krieg ihn nicht.

Eva Ritter, MS-Patienten

Was sich als wirksam gegen schwere Symptome von Multiple Sklerose erweist, könnte sich als unwirksam gegen schwere Verläufe von Covid-19 erweisen. Mit einem Projekt der Medizininformatik werde die Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Impfung gerade intensiv erforscht, sagt Bayas. Dabei werden große Datenmengen gesammelt, um den Verlauf der MS besser einschätzen zu können. „Wir untersuchen auch den Einfluss der Covid-Infektion, wie auch der Impfung auf das Immunsystem und auch auf den Krankheitsverlauf der Patienten“, erklärt der Mediziner.

Große Angst vor Ansteckung: MS-Patienten müssen äußerst vorsichtig sein

Das Medikament kann man jedoch nicht so leicht absetzen? Das Risiko für einen enormen Krankheitsschub ist zu groß. Ein noch schnellerer Angriff auf das zentrale Nervensystem der Erkrankten wäre dann die Folge. Erkrankte haben daher nur einen Ausweg: Sie müssen extrem aufpassen. Eva Ritter verlässt ihr Haus nur selten ohne Maske und auch in ihrem persönlichen Umfeld ist sie extrem vorsichtig. Freunde träfe sie nur noch an der frischen Luft, erzählt sie dem BR.

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Eva Ritter hat es sich daher in ihrem Garten kuschelig gemacht - mit Heizstrahler und Decken. „Meine Familie und meine Freunde tun alles dafür, dass das funktioniert, die sitzen an Weihnachten draußen mit mir an der Feuerschale, weil man sich sonst nicht mehr sehen könnte“, erzählt Ritter im BR-Interview.

Impfung wirkungslos: MS-Erkrankte von Herdenimmunität abhängig

„Ich würde so viel darum geben, diesen Impfschutz zu haben und krieg ihn nicht“, beklagt Ritter. Umso mehr könne sie die Unvernunft mancher Menschen nicht verstehen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten.

Gerade Menschen wie Ritter, die aufgrund von Vorerkrankungen keinen Impfschutz erfahren können, seien von der Herdenimmunität abhängig. „Ich hätte nicht mehr gedacht, dass ich noch mal so krass auf andere, auf Fremde angewiesen sein sollte, weil mir das Ableben droht“, sagt Eva Ritter. „Das ist eine krasse Erfahrung, wenn es mich potenziell das Leben kosten kann.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Die Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose

Die Krankheit mit tausend Gesichtern

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. Sie kann zu Behinderungen führen.

Symptome und Verlauf der Krankheit müssen bei jedem Patienten individuell betrachtet werden. Man nennt sie daher auch Krankheit der tausend Gesichter. Bis heute ist die Multiple Sklerose nicht heilbar. Doch es gibt Medikamente, die heftige Krankheitsschübe unterdrücken und die Symptome hinauszögern.

Bei Multipler Sklerose gibt es gewisse Frühwarnzeichen*. Diese sollten Sie keinesfalls ignorieren und sofort zum Arzt gehen.

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