Mundspül-Test erweist sich als sehr praktikabel

„Kein Vorwurf an die Erzieher!“ Corona-Studie in Kitas liefert erstaunliche Erkenntnisse - und neue Optionen

Hohe Nachfrage nach Notbetreuung in Kitas
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Vielerorts sind Kitas wegen der hohen Inzidenzen nur für die Notbetreuung geöffnet. (Symbolbild)

Erwachsene lassen sich impfen, Schüler testen - und Kita-Kinder? Bleiben wegen Corona daheim. Eine Studie in Würzburg hat untersucht, wie sich das ändern kann.

Würzburg - Viele Familien leiden seit Monaten unter den Folgen der Corona-Pandemie. Schulen sind geschlossen, Kindertageseinrichtungen dürfen nur eine Notbetreuung anbieten. Während in den Schulen bei einer Inzidenz unter 100 ein Besuch nur mit einem zuvor gemachten Corona-Selbsttest möglich ist, öffnen Kitas dann weitgehend ungeschützt.

Eine Studie der Universität Würzburg hat nun untersucht, inwieweit Tests auch in Kindergärten und Krippen möglich sind. Neun Kindergärten in der Stadt Würzburg nahmen daran teil, insgesamt etwa 600 Kinder im Vorschullalter und Erzieherinnen und Erzieher - freiwillig natürlich. Die Studie lief ab Herbst 2020 etwa sechs Monate lang.

Test-Studie in Würzburger Kitas: Getestet wurde in der Nase und per Mundspülen

Von den angefragten Eltern mit ihren Kindern machten 60 Prozent bei der Studie mit. Sie wurden in verschiedene Studiengruppen eingeteilt. In den einen Gruppen wurden die Kinder regelmäßig auf das neue Coronavirus getestet, auch asymptomatisch. In einer anderen Gruppe wurden die Kinder nur bei Symptomen getestet oder wenn die Eltern es verlangten. Außerdem wurden manche Kinder mit einem Mundspültest untersucht, andere mit einem Nasenabstrich. In allen Gruppen wurden die Tests „zusammengemischt“, also in einem Pooling-verfahren von Laboren untersucht.

Am Montag nun stellten die Studienleiter Prof. Johannes Liese und Prof. Oliver Kurzai die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz vor. Drei Erkenntnisse hoben sie dabei heraus: „Das kontinuierliche Testen ist machbar“, verkündete Kurzai als ersten wichtigen Punkt. Auch über den längeren Zeitraum von sechs Monaten seien die Kinder und Eltern bereit gewesen, die Tests durchzuführen. Aber: Bei den sogenannten nicht invasiven Tests, also den Mundspültests, bei denen die Kinder mit einem Esslöffel Wasser den Mund spülen und dann in ein Röhrchen ausspucken, war die Bereitschaft mitzumachen am höchsten und am ausdauerndsten.

Kita-Test-Studie in Würzburg: Kinder sehr selten infiziert

Die zweite Erkenntnis: Von über 5000 Untersuchungen seien nur zwölf sogenannte „Events“ herausgefiltert worden. Das bedeutet, dass Erzieherinnen und Erzieher infiziert waren oder Kinder. Von diesen zwölf habe nur ein einziges Event zu einem größeren Ausbruchgeschehen in der Einrichtung geführt - und das zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie, an dem noch keine weitreichenden Hygienekonzepte eingeführt worden waren.

Betreuer waren überproportional häufiger infiziert. „Das ist kein Vorwurf an die Erzieher“, so Kurzai. Das liege womöglich an mehr Kontakten, die diese haben im Gegensatz zu den Kindern. „Oder am höheren Atemvolumen.“ Aus dieser Erkenntnis sei auch abzuleiten, dass es sehr richtig war, Erzieherinnen und Erzieher prioritär zu impfen.

Tests an Kitas: Asymptomatische Kinder sollten getestet werden

Als drittes Ergebnis formulierte Kurzai, dass es sinnvoll sei, asymptomatische Kinder zu testen. Zwar habe man bei Kindern mit Symptomen mehr Infizierte herausgefiltert. Da diese dann aber schon in der Einrichtung waren, komme dies zu spät. „Wenn wir in Kitas Infektionen verhindern wollen, dann müssen wir regelmäßig Asymptomatische testen.“

Die Studie sei am heutigen Montag in die zweite Phase gegangen. Man untersuche nun weitere drei Monate die teilnehmenden Kinder und Betreuer, um weitere Erkenntnisse zu erlangen bzw. bestehende auszubauen. Ziel ist es, so Studienleiter Liese, für den Herbst ein Testkonzept für Kindergärten auszuarbeiten, das dann bayernweit Anwendung finden kann. „Kinder werden weiter im Fokus bleiben“, so Liese, „auch wegen fehlender Impfstoffe für sie.“ Die einzige Möglichkeit, Kitas zu öffnen und offen zu halten, sei deshalb: „Regelmäßig testen!“

Öffnungen in Kitas dringend notwendig: Familien überlastet

Warum eine Öffnung erforderlich sei, zeigte Dr. Hülya Düber vom Sozialreferat der Stadt Würzburg auf: Die Not der Familien wachse weiter, viele seien durch die Kitaschließungen extrem belastet, auch und vor allem die Kinder. „Wir haben bei Beratungsstellen für Erziehungsfragen aktuell vier bis sechs Wochen Wartezeiten.“ Von Kindswohlgefährdung sei da noch gar nicht die Rede. Diese falle besonders in Kitas auf - solange sie geöffnet sind.

Was Corona für Familien bedeutet, zeigt ein Interview mit der Pschyoanalytikerin Christa Schmidt. Sie sagt: Wir müssen Umarmungen erst wieder lernen.

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