Sind Kinder ab 6 Jahren von der Testpflicht ausgenommen?

Corona in Bayern: So kontrollieren Wirte die 3G-Regel im Restaurant - „Wir spielen täglich Polizei“

Coronavirus - München
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Kontrolle am Eingang: Wer im Restaurant sitzen möchte, muss die 3G-Regeln beachten. Wer nicht geimpft, genesen oder getestet ist, muss draußen sitzen – und das sorgt nicht nur für Unmut unter den Gästen.

Seit vergangener Woche gilt die 3G-Regel im Innenbereich von Restaurants. Die Wirte in Bayern handhaben die Vorgaben der Regierung ganz unterschiedlich. Sie stellen sie nicht nur vor bürokratische Herausforderungen – sondern auch vor moralische Fragen.

Rottach-Egern – Eine lange Schlange wartet auf der Treppe hinauf zum Panoramarestaurant Wallberg (Kreis Miesbach). Gäste, die hier einkehren wollen, müssen seit einer Woche ihren Impfpass, einen Negativtest oder einen Genesenennachweis vorlegen. Ein Stehtisch markiert den Eingang zur Berg-Wirtschaft, wo das Team um Rainer Schönhöfer die 3G-Regel kontrolliert und den Gästen ihre Plätze zeigt. „Das klappt gut, weil der Großteil sein Impfzertifikat sofort vorzeigt“, sagt Schönhöfer. Nur der Internetempfang der Corona-Apps streike auf 1600 Metern manchmal. Das koste dann Zeit. Oder wenn Gäste die neuen Regeln mit dem Personal diskutieren, sich weigern Maske zu tragen oder keinen negativen Test dabei haben.

„Wir spielen täglich Polizei“, sagt Schönhöfer. Seit Mai letzten Jahres beschäftigt er einen Angestellten mehr, um die zeitaufwendige Registrierung bewältigen zu können. Rund 300 Kontakte notieren die Mitarbeiter an Schönwetter-Tagen. Zwei- bis dreimal so viele Gäste waren bisher nur Begleitpersonen, aber auch die müssen fortan einzeln auf die 3G-Regel kontrolliert werden. „Es hilft ja alles nichts. Wir müssen die Beschlüsse durchsetzen, um geöffnet haben zu dürfen. Daher bezahle ich quasi rein einen Angestellten für das Gesundheitsamt.“

Mit Gästen diskutieren oder ein Auge zudrücken kann Schönhöfer da nicht. Immerhin ist der 60-Jährige froh, dass der Betrieb wieder läuft, auch wenn er wegen der Abstände rund ein Drittel weniger Plätze hat. „Im Außenbereich gilt die 3G-Regel ja noch nicht“, sagt Schönhöfer. „Aber was passiert, wenn es plötzlich anfängt, zu gewittern? Dann muss ich die Leute draußen im Regen sitzenlassen?“ Deshalb müssen seine Mitarbeiter am Empfang jetzt auch noch das Wetter im Auge behalten.

Christian Schottenhamel: „Bei einer 2G-Regel müssten wir Wirte auf die Barrikaden gehen“

Unsere Branche wird zum Werkzeug dafür gemacht, die Impfbereitschaft zu steigern“, sagt Christian Schottenhamel vom Paulaner am Nockerberg in München. Das klappe zwar, sei aber bedenklich. „Die Gäste haben diese zweite Realität mit der 3G-Regel akzeptiert und wir haben mit den Kontrollen keine Probleme.“ Noch. Denn Schottenhamel blickt mit Sorge auf den Zeitpunkt, an dem die Tests nicht mehr kostenlos sind: „Wenn der Besuch in der Gaststätte dann plötzlich zehn oder fünfzehn Euro mehr kostet, werden sich das viele überlegen.“ Die Einführung einer 2G-Regel fürchtet er noch mehr. „Das würde uns viele Gäste kosten und eine ganze Gruppe ausgrenzen. Da müssten wir auf die Barrikaden gehen.“

Diese Ansichten teilt auch Andrea Brenner aus Holzkirchen (Kreis Miesbach). Sie betreibt ein kleines Bistro im Regionalladen MachtSinn – und zog schon aus der 3G-Regel ihre Konsequenzen: „Die Vorstellung, dass die 3Gs im Trockenen sitzen und die übrigen Gäste ,nur’ im Garten, ist für uns nicht tragbar.“ So öffnet Brenner jetzt nur den Außenbereich und bietet Speisen zum Mitnehmen an. „Wir lehnen die Regel nicht ab, könnten sie aber gar nicht durchführen. Für die Kontrollen müssten wir extra jemanden einstellen“, sagt sie.

Bayern: 3G-Regel gilt nicht für Mitarbeiter in der Gastronomie

Tatsächlich dürfen Gastronomen frei entscheiden, wie sie die 3G-Regel umsetzen. „Wer auf ein 2G-Konzept verschärft, darf zum Beispiel die Abstände verkleinern“, sagt Karolina Wojdyla, Geschäftsführerin des Bereiches Gastronomie des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Einige Barbetreiber in München gewähren deshalb schon jetzt nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt. Für die Mitarbeiter gelten die Regeln im Übrigen nicht. „Der Arbeitgeber kann seinen Angestellten nicht vorschreiben, sich regelmäßig testen zu lassen – er sollte sie aber dazu anregen und hat die Pflicht zweimal die Woche ein Testangebot zu machen“, sagt Wojdyla.

Aber nicht nur das sorgt für Verwunderung. Auch die Regelung für den Testnachweis bei Kindern ließ etwa Schönhöfer staunen. „Gleich am ersten Tag haben uns die Gäste die Schülerausweise ihrer Kinder gezeigt“, erzählt er. „Die sind ja von der Testpflicht befreit, weil sie zwei mal die Woche in der Schule getestet werden – aber gerade ist doch noch Ferienzeit!“ So wie Schönhöfer ging es vielen Gastronomen. So stellte die Dehoga extra Anfrage beim Gesundheitsministerium. „Dabei handelt es sich um eine Sonderregelung, die auch in den Ferien gilt“, sagt Wojdyla. Das macht den Schülerausweis zur Eintrittskarte für das Restaurant. Für Eltern gilt die 3G-Regel.

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