Landrat hat direkten Draht zur Kanzlerin

Kanzlerin-Visite mit fünf Jahren Verspätung: Das sagt Christian Bernreiter über Merkels Besuch in Deggendorf

Christian Bernreiter
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Christian Bernreiter, Landrat von Deggendorf

Der Deggendorfer Landrat und Präsident des Bayerischen Landkreistags, Christian Bernreiter (CSU), hat lange darauf warten müssen, dass Kanzlerin Angela Merkel kommt. Jetzt ist es soweit.

  • Im Jahr 2015 hatte der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU) Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise eingeladen.
  • Damals sagte Merkel ab, lud Bernreiter zusammen mit weiteren Landräten aber zu sich ein.
  • Im Zuge der Flüchtlingskrise hat der Landrat die Kanzlerin mehrfach getroffen und hat seitdem einen direkten Draht zu ihr. Am Montag ist Merkel in Deggendorf zu Gast.,  

Deggendorf – Der Deggendorfer Landrat und Präsident des Bayerischen Landkreistags, Christian Bernreiter (CSU), hat lange darauf warten müssen, dass die Kanzlerin kommt. Schon im September 2015 hat er sie eingeladen, vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise. Damals kam Angela Merkel nicht, dafür aber ist sie heute in Deggendorf. Bei der Veranstaltung „Ehrenamt im Dialog“ wird sie in der Stadthalle mit rund 2000 Ehrenamtlichen aus dem Landkreis zusammentreffen. Die Idee für den Besuch kam in diesem Fall von der Kanzlerin selbst.

Herr Bernreiter, „Ehrenamt im Dialog“ heißt die heutige Veranstaltung, die Sie initiiert haben. Wie kam es zu dieser Idee?

Tatsächlich geht diese Idee auf unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Es war vor etwa eineinhalb Jahren, da sprach sie mich mit der Bitte an, sie wolle gerne nach Deggendorf kommen und dort mit Ehrenamtlichen zusammentreffen. Hintergrund hier ist auch, dass die Kanzlerin weiß, was 2015 während der Flüchtlingskrise bei uns los war. Auch deshalb möchte sie sich jetzt bei den Ehrenamtlichen bedanken.

2015 hat Merkel dringende Einladung nicht angenommen 

2015 hat die Kanzlerin Ihre dringende Einladung, Sie möge sich vor Ort ein Bild von der dramatischen Situation in den bayerischen Grenzregionen machen, nicht angenommen.

Das stimmt. Aber Sie hat auf den Brief, den ich ihr damals geschrieben habe, sofort reagiert und mich und andere Kommunalpolitiker nach Berlin eingeladen. Wenige Wochen später waren wir zu einem zweiten Treffen da, und es folgten weitere. Die Kanzlerin hat uns und unsere Sorgen ernst genommen. Sie hat uns damals schnelle Hilfe zugesagt und dieses Versprechen auch eingehalten.

Wie zum Beispiel?

Zum Beispiel, dass die Bundeswehr zur Unterstützung geschickt wird. Die Soldaten haben dann im Landkreis Passau Zelte aufgestellt. Oder dass die Mehrkosten für die Kommunen, die durch die Unterbringung der Flüchtlinge entstanden sind, vom Bund übernommen werden.

„Wenn es brennt, dann kann ich sie immer anrufen“

Sie haben die Kanzlerin im Zuge der Flüchtlingskrise mehrfach getroffen. Haben Sie noch immer einen direkten Draht zu ihr?

Ich weiß, wie ich Sie erreichen kann. Ich würde sie selbstverständlich nie mit Kleinigkeiten belästigen. Aber wenn es brennt, dann kann ich sie immer anrufen. Das finde ich gut.

Wird die Flüchtlingskrise bei der heutigen Veranstaltung eine größere Rolle spielen?

Ich gehe eher von einer Nebenrolle aus. Dazu muss man wissen, dass damals in Deggendorf selbst die Situation nicht so dramatisch war wie in den bayerischen Grenzregionen, etwa in Passau. Die Ereignisse von damals werden bestimmt erwähnt, aber die Flüchtlingskrise wird die Veranstaltung thematisch nicht bestimmen. Da gibt es andere Themen.

Was liegt den Ehrenamtlichen auf dem Herzen?

Die eingeladenen Ehrenamtlichen konnten im Vorfeld Fragen an die Kanzlerin formulieren, von denen sie während der Podiumsdebatte einige beantworten wird. Bei den Fragen geht es eher um die allgemeine Stellung der Ehrenamtlichen, um steuerliche Aspekte oder um die Frage, ob ein langjähriger Ehrenamtlicher nicht einen Rentenpunkt erlangen könnte.

Wie ist es denn generell um das ehrenamtliche Engagement im Landkreis Deggendorf bestellt?

Wir haben 120 000 Einwohner und 60 000 engagieren sich ehrenamtlich. Darauf können wir alle sehr stolz sein. Wie groß das Engagement unserer Bürger ist, haben wir übrigens bereits während der Hochwasserkatastrophe 2013 gemerkt. Da hatten wir jeden Tag bis zu 4000 Helfer, die jetzt nicht aus den Vereinen oder den Feuerwehren kamen. Das war eine tolle Erfahrung.

Die Landwirte der Region haben eine Demonstration angekündigt, weil die Kanzlerin heute keine Zeit für ein Gespräch mit ihnen hat. Haben Sie für den Protest Verständnis?

Auch ich finde, dass unsere Landwirte Gehör finden sollen. Dafür wird es bestimmt bald eine andere Möglichkeit geben. Heute aber sind die Ehrenamtlichen dran.

Interview: Beatrice Oßberger

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