Landesamt für Gesundheit gibt bekannt

Zeckenbisse: Mehr Borreliose und FSME-Fälle in Bayern

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Erkrankungen nach Zeckenbissen haben in Bayern zugenommen.

Erlangen - Sommerzeit ist Zeckenzeit - und in diesem Jahr sind die Fallzahlen bei den durch die Tiere übertragenen Krankheiten bereits recht hoch. Borreliose und FSME können schwerwiegende Folgen haben.

Die Zahl der durch Zecken verursachten Krankheitsfälle in Bayern ist in diesem Jahr bislang deutlich gestiegen. Zum Ende der ersten Augustwoche hatte das Landesamt für Gesundheit (LGL) in Erlangen bereits mehr als 2600 Infektionen mit Borreliose registriert - 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2015. Auch die Zahl der FSME-Fälle lag bereits bei etwa 100 - 26 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine LGL-Sprecherin bezeichnete dies dennoch als „erwartbare Schwankung im Verlauf der Meldejahre“. 2013 beispielsweise habe die Zahl der Borreliose-Fälle im gleichen Zeitraum mit rund 3080 deutlich höher gelegen - obwohl die Meldepflicht in Bayern in jenem Jahr erst Anfang März eingeführt worden war. 2014 und 2015 lagen die Zahlen bei rund 1800.

Die Lyme-Borreliose ist die am häufigsten von Zecken übertragene Infektionskrankheit. Sie beginnt häufig mit der sogenannten Wanderröte - einem roten Ring, der sich um den Zeckenstich herum bildet und immer größer wird. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber - auch erst Wochen nach dem Stich - sein. Unbehandelt kann die durch Borrelien verursachte Krankheit zu Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen führen. Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden.

Bei den FSME-Fällen wurde in den Jahren 2005, 2011 und 2013 bis August jeweils eine ähnlich hohe Zahl erreicht wie in diesem Jahr. 2014 und 2015 hingegen wurden nur zwischen 70 und 80 Fälle registriert.

Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind Viren. Die FSME ist eine fieberhafte Erkrankung unter Beteiligung der Hirnhäute. In besonders schweren Fällen kann es zur Gehirnentzündung und zur Schädigung des Rückenmarks kommen. Für die Behandlung gibt es keine Medikamente, man kann sich allerdings dagegen impfen lassen.

Laut LGL haben mehrere klimatische und ökologische Faktoren Einfluss auf die Fallzahlen bei FSME und Borreliose. Dazu gehörten die Aktivität und der Lebenszyklus von Zecken, das Freizeitverhalten der Menschen und die Größe und Verteilung der Mäusepopulationen, die Wirtstiere von Zecken sind. Die LGL-Sprecherin sagte: „Sollte die Witterung in diesem Jahr anhaltend warm und feucht bleiben, ist mit einer hohen Zeckenaktivität bis weit in den Herbst zu rechnen.“

Das sind die häufigsten Irrtümer über Zecken

Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf. © ap/dpa
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen. © dpa
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden. © dpa
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen. © dpa
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden. © dpa
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen. © ap
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Ruhe bewahren: Denn wenn Zecken zu abrupt von der Haut entfernt werden, können Teile ihres Körpers abreißen und zu Infektionen führen. © ap
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten. © ap
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen. © ap
Borreliose Bakterium
Überall in Deutschland gibt es Zecken, die die Krankheit Lyme-Borreliose übertragen können. © zecken.de
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall. © ots
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert. © ots
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen. © dpa
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln. © dpa
Mit ihrem Stechapparat ist die Zecke tief in der Haut verankert und saugt Blut.
Mythos VII: Zecken können verhungern. Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben. © zecken.de
Mit ihrem Stechapparat ist die Zecke tief in der Haut verankert und saugt Blut.
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben. © zecken.de
FSME Virus Computer Grafik des FSME Virus
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor. © zecken.de
FSME Virus Computer Grafik des FSME Virus
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren. © zecken.de

dpa

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