Aktion mit Landratsamt abgesprochen

Bayerische Friseure wehren sich gegen 3G-Regel und ernten Kritik: „Als wären wir Schwerverbrecher“

Für einen Besuch bei einem oberpfälzer Friseur müssen die Kunden keinen negativen Test mehr vorlegen. Dafür haben sich die Inhaber des Studios etwas ausgedacht.

Weiding - Seit dem vergangenen Montag (11. Oktober) können sich nicht mehr alle Menschen uneingeschränkt auf das Coronavirus* testen lassen. Doch genau diese Tests werden von Ungeimpften ab einer Inzidenz von 35 verlangt, um bestimmte Bereiche weiterhin besuchen zu dürfen. Eines der Beispiele: der Friseur.

Genau dagegen, also gegen die 3G-Regel, wehrt sich jetzt ein oberpfälzer Haarstudio. Die Inhaber Tanja Hastreiter und Mario Biendl des Haarsalons Boderstum und des mobilen Studios Boderwagl in Weiding (Landkreis Cham*) können nun jedem Kunden die Haare schneiden - egal ob geimpft, genesen, getestet* oder ungetestet.

Friseur-Inhaber wehren sich gegen 3G-Regel und stellen Pavillon vor dem Geschäft auf

Möglich macht das ein Pavillon vor dem Eingang des Ladenlokals. Wie die mittelbayerische Zeitung (MZ) berichtet, steht darin wie gewohnt ein Friseurstuhl samt Spiegel. Für Wärme im Herbst sorgt ein Heizpilz. Der Clou an der Sache: Dadurch, dass sich der Pavillon draußen befindet und nicht komplett geschlossen ist, müssen weder Friseur noch Kunde Maske tragen. Denn das gilt bekanntlich ja nur in Innenräumen.

Trotzdem lassen sich nicht alle Angebote nutzen. „Im Pavillon bieten wir nur einen Trockenhaarschnitt an“, sagt Biendl. Grund sind die niedrigen Temperaturen, die das Waschen oder Haarefärben nicht möglich machen. Im mobilen Boderwagl geht das aber ganz normal.

Ganz auf eigene Faust machen die beiden Inhaber die Aktion natürlich nicht. Laut der Mittelbayerischen haben sie sich beim zuständigen Landratsamt rückversichert, ob das Vorhaben tatsächlich möglich ist. „Wir haben uns mit dem Landratsamt abgestimmt. Das Boderwagl und der Pavillon befinden sich im Außenbereich, sofern alles gut durchlüftet ist, gibt es durch die Aerosole kein Problem“, sagt Mario Biendl zu der Zeitung.

Ein Friseursalon in der Oberpfalz wehrt sich gegen die 3G-Regel und macht den Kunden nun ein neues Angebot. (Symbolbild)

Wegen 3G-Regel: Bayerische Friseur-Inhaber verzeichnen Einsturz bei Terminanfragen

Grund für den Schritt war laut den Inhabern die Einführung der 3G-Regel. Denn mit ihr hätte es einen Einsturz der Terminanfragen um 50 Prozent gegeben. Für die Regel kann sich Tanja Hastreiter nicht mehr verständnisvoll zeigen - obwohl sie selbst bereits geimpft sei. Ihrer Meinung nach sollte jeder Mensch die Möglichkeit bekommen, sich bei ihr im Laden frisieren zu lassen. „Für uns ist das einfach nur geschäftsschädigend. Staatliche Hilfen bekommen wir ja auch nicht mehr.“

Obwohl die Aktion laut der MZ tatsächlich mit dem Landratsamt abgestimmt ist, gibt es zahlreiche Beschwerden gegen die beiden Friseure. Sowohl von Bürgern als auch aus der Branche selbst. „Die Leute tun so, als wären wir Schwerverbrecher. Sie rufen sogar beim Landratsamt an und fragen, ob wir das dürfen.“ Die Friseurinnung hat sich schließlich bei den Inhabern erkundigt, da von zahlreichen Branchenangehörigen interne Beschwerden bei der Innung einprasselten.

Bayerische Friseure wehren sich gegen 3G-Regel und erhalten Anfragen von Querdenkern

Für Biendl und Hastreiter ist jedoch wichtig zu betonen, dass sie mit dieser Aktion keinesfalls Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern nahe stehen wollen. Anfragen aus dieser Richtung erreichten die beiden, nachdem sie ihr Vorhaben auf Facebook gepostet hatten. „Wir haben auf unseren Post auch ganz viele Anfragen von Querdenkern bekommen, so etwas lehnen wir komplett ab. Wir sind keine Querdenker, wir denken an unser Unternehmen“, erklären sie der MZ. (ly) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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