Nach siebeneinhalb Jahren in der Psychiatrie

Justizopfer Gustl Mollath will Deutschland verlassen: „Muss damit rechnen, dass Söder Kanzler wird“

Justizopfer Gustl Mollath vor Mikrofonen
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Über sieben Jahre lang war Gustl Mollath zu Unrecht eingewiesen.

Ein neues Buch erzählt vom Justizskandal um Gustl Mollath. Der zu Unrecht verurteilte Mann erklärt nun, er wolle Deutschland verlassen - auch mit Blick auf die Bundestagswahl.

München - 2006 wurde Gustl Mollath zu Unrecht in eine Psychiatrie eingewiesen. Nun will das Justizopfer weg aus Deutschland. „Ich würde am liebsten das Land verlassen“, sagte der 64-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Auf dieses Land ist überhaupt kein Verlass.“ An diesem Montag (22. Februar) ist ein neues Buch erschienen: „Staatsverbrechen - Der Fall Mollath“. Verfasst hat es der Jurist Wilhelm Schlötterer.

Justizopfer Gustl Mollath will wegen eines möglichen Kanzlers Söder Deutschland verlassen

Langfristig wäre Mollath „froh, wenn ich irgendein Plätzle auf der Welt finden würde. Ich möchte in Deutschland, vor allem in Bayern, nicht bleiben müssen.“ Im September steht die Bundestagswahl an und der 64-Jährige wird „erstmals wieder wählen können dürfen und muss damit rechnen, dass (Ministerpräsident Markus) Söder der nächste Kanzler wird. Das beschleunigt meinen Wunsch, das Land zu verlassen“, erzählte er. Derzeit lebt Mollath in Norddeutschland, wo er nach eigenen Angaben versucht, Fuß zu fassen.

2006 war der Nürnberger nach einem Prozess wegen angeblicher Gewalt gegen seine Ehefrau zu Unrecht in die Psychiatrie eingewiesen worden. Erst in einem Wiederaufnahmeverfahren stellte sich seine Unschuld heraus. Bis dahin hatte er siebeneinhalb Jahre in der Psychiatrie verbracht - 2747 Tage. Dafür bekam der heute 64-Jährige vom Freistaat Bayern eine Entschädigung.

Gustl Mollaths Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen bayerische Politiker

Autor Schlötterer, der maßgeblich daran beteiligt war, dass Mollath den Kampf gegen die bayerische Justiz aufnahm und gewann, zeichnet den Fall nach. Der Jurist erhebt in seinem Buch einmal mehr schwere Vorwürfe gegen bayerische Politiker. „Es wird anderen Leuten auch übel mitgespielt hier in Bayern, aber der Fall Mollath war ein Exzess“, sagte Schlötterer. (dpa)

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