Neues Projekt von DAV und Maltesern

Integration beim Berggehen: Wandern mit Flüchtlingen

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Holzaktion auf der Alpspitze: Drei junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Sierra Leone haben an den Arbeiten für eine neue Schneise für Skitourengeher mitgeholfen.

München - Der Deutsche Alpenverein und der Malteser Hilfsdienst haben ein Flüchtlings-Projekt gestartet. Dabei geht es um Umweltschutz, um Rücksicht – und um die Liebe zur neuen Heimat.

Das Lachen ihrer Schützlinge wird Lisa Thaller aus Taching am See (Landkreis Traunstein) nie vergessen. Wie begeistert die sechs Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien waren, als sie das erste Mal Schnee gesehen haben, hat sich der 22-jährige Jugendgruppenleiterin des Alpenvereins in Tittmoning ins Gedächtnis eingebrannt. „Die wollten gar nicht mehr heimfahren“, erzählt Thaller, die mit den Flüchtlingen auf die Freilassinger Hütte im Tennengebirge gewandert war. Auch für die 22-Jährige war der Ausflug eine Premiere. Begegnungen wie diese hätten ihrer Meinung nach schon viel früher stattfinden können. Das Problem war nur: „Mir fehlten die Kontakte zu den Flüchtlingen.“

Dafür ist nun gesorgt: Ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Alpenvereins (DAV) und des Malteser Hilfsdiensts bringt Flüchtlinge und Bergführer zusammen. Alpen.Leben.Menschen – kurz A.L.M. – heißt das Projekt, das Anna Schober vom Malteser Hilfsdienst koordiniert. Gefördert wird es von der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt (DBU). Gestern stellten Vertreter beider Organisationen im Alpinen Museum in München die Initiative vor. Sie wollen es den Flüchtlingen erleichtern, in Bayern anzukommen. Beim Berggehen, auf Ausflügen in die Kletterhalle oder gemeinsamen Hüttenabenden sollen sie ihre neue Heimat kennenlernen.

47 DAV-Sektionen sind beteiligt

47 DAV-Sektionen vom Königssee bis zum Allgäu und fünf Malteser-Dienststellen in Südbayern sind an dem Projekt beteiligt. Es ist die erste Zusammenarbeit der beiden Organisationen. Die Arbeitsaufteilung ist klar: Die Malteser stellen den Kontakt zu den Flüchtlingen her, sorgen für Fahrdienste und schulen Ehrenamtliche. Mitglieder des Deutschen Alpenvereins kümmern sich um die professionelle Tourenbegleitung. Die Idee zu dem Projekt ist 2015 bei einer Veranstaltung des DBU entstanden, sagt DAV-Geschäftsführer Olaf Tabor.

Vielversprechende Pilotphase in Garmisch-Partenkirchen

Seit August 2016 setzen Mitarbeiter und Ehrenamtliche beider Organisationen das Projekt in die Praxis um. „Wir wollten schnell Taten folgen lassen“, sagt Tabor. Eine Pilotphase in Garmisch-Partenkirchen lief bereits erfolgreich an. Als im November drei Flüchtlinge im Rahmen einer Holzaktion dabei halfen, Schneisen für Skitourengeher an der Alpspitze zu erneuern, kam Udo Knittel, Chef der Sektion Garmisch-Partenkirchen, aus dem Staunen nicht heraus. Er war so begeistert, dass er einem der Flüchtlinge sogar einen Job auf der Sektionshütte angeboten hat, berichtet Projekt-Koordinatorin Schober. „Der fängt wahrscheinlich zur nächsten Saison an“, sagt sie. Auch die Garmisch-Partenkirchner ließen sich von dem Engagement anstecken. Bei der ersten A.L.M-Lotsenausbildung, die im Januar in Garmisch-Partenkirchen stattfand, gab es mehr Anfragen als Plätze. „Nach 25 Anmeldungen mussten wir deckeln.“

Bei den eintägigen Kursen lernen die Teilnehmer, wie sie ihre Schützlinge auf die Touren vorbereiten. Dabei spielt das Thema Umweltschutz eine große Rolle. Die Flüchtlinge sollen lernen, die Natur zu schützen – indem sie sich rücksichtsvoll verhalten und beispielsweise ihren Müll mitnehmen.

Für Lisa Thaller, die sich demnächst ebenfalls zur A.L.M.-Lotsin ausbilden lassen möchte, ist das eigentlich nichts Neues. Regeln wie diese bringt die Jugend-Betreuerin auch einheimischen Kindern bei, die mit ihr auf Bergtour gehen. Nun zeigt sie es eben den Flüchtlingen.

Flüchtlinge und Ehrenamtliche profitieren von der Aktion

Die Studentin profitiert auch selbst von der Begegnung mit den jungen Asylbewerbern. Ihre Englischkenntnisse konnte sie aufpolieren. „Und ich habe gelernt, meinen Namen auf Arabisch zu schreiben“, erzählt sie. Das Voneinanderlernen ist ein wichtiger Teil des Konzeptes, von dem die Studentin rundherum überzeugt ist. Auf den nächsten Ausflug freut sie sich schon. Der findet nächstes Wochenende statt. Dieses Mal geht’s zum Rodeln.

„Die Flüchtlinge sind schon froh, wenn sie einmal aus ihrem tristen Alltag in den Gemeinschaftsunterkünften rauskommen“, berichtet Projektkoordinatorin Schober. Nach einer Pilotaktion erhielt sie von einem Teilnehmer eine Postkarte mit dem euphorischen Satz: Das war die beste Zeit, die ich bisher in Deutschland hatte.

Magdalena Kratzer

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