Angela Merkel besucht Zukunfts-Computer in Garching

Kanzlerin im Quantum Valley

Merkel besucht Max-Planck-Institut für Quantenoptik
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder inspizieren einen Quantencomputer

Bayern-Besuch in den letzten Tagen ihrer Amtszeit: Kanzlerin Merkel informiert sich in Garching über die Erforschung von Quantencomputern. Sie warnt: Ohne Hochtechnologie bröckelt der Wohlstand.

Am Ende kann sogar die promovierte Physikerin nur erahnen, welche technischen Wunder in Garching entstehen. Angela Merkel kommt aus dem Forschungszentrum, tritt vor die Kameras und sagt: „Es wurde alles zumindest so erklärt, dass man wenigstens denkt, man versteht ein bisschen was.“

Ein knappe Stunde lang hat die technikaffine Kanzlerin sich schildern lassen, wie das Max-Planck-Institut für Quantenoptik nördlich von München hochleistungsfähigen Quantencomputer entwickelt. „Ich bin tief beeindruckt“, sagt sie. Die Quantencomputer sollen in Zukunft ein Vielfaches der Rechenleistung klassischer Supercomputer erreichen. Sie sollen in Sekunden Probleme lösen, für die normale Computer tausende Jahre brauchen.

Die Arbeit verschiedener Akteure in der Quantenforschung soll zukünftig im „Munich Quantum Valley“ koordiniert werden. Der Begriff ist an den amerikanischen Technologiestandort Silicon Valley angelehnt. Für Merkel ist ist die Forschung in Garching eine Investition in die deutsche Wirtschaft: „Unser Wohlstand hängt von nichts anderem ab, als dass wir Weltmarktführer in der Grundlagenforschung und ihrer Anwendung in den neuen Bereichen sind.“ Auch Ministerpräsident Markus Söder betont die Bedeutung der Quantenforschung. Das Quantum Valley solle München zu einer großen technologischen Metropole machen.

„Wir haben hier einige der weltbesten analogen Quantencomputer“, erklärt Ignacio Cirac im Gespräch mit unserer Zeitung. „Damit erforschen wir Materialien, die mit normalen Rechnern nicht erfassbar sind“, so Cirac. Dazu zählen Superleiter, die elektrische Strom nahezu verlustfrei über weite Strecken transportieren können. Diese Technologie kann zum Beispiel den Betrieb von Zügen oder Stromspeichern weit effizienter gestalten als bisher.

„Für die Materialforschung haben wir analoge Quantencomputer, die für diese Arbeit gut geeignet sind“, sagt der Wissenschaftler. „In etwa fünf Jahren wollen wir aber auch bei den digitalen Quantencomputern den Anschluss an die Amerikaner schaffen, die hier bisher Weltspitze sind.“ Denn analoge Quantencomputer sind leichter zu bauen, aber nicht so mächtig wie digitale. Mit steigender Rechenleistung wollen die Wissenschaftler des Instituts weiter Fortschritte bei der Materialforschung machen. Der nächste Schritt ist die Simulation chemischer Prozesse: „Aber da hoffen wir bisher noch, dass es klappt“, sagt Cirac, „denn die Atome von Feststoffen sind ordentlich aufgereiht, aber bei chemischen Reaktionen machen sie, was sie wollen.“

Beim Quanteninternet, also der Kommunikation zwischen Computern, ist das Institut eigenen Angaben nach jetzt schon internationaler Spitzenreiter. Ignacio Cirac erklärt: „Normalerweise werden Informationen in Glasfaserkabeln in Fotonen bündeln verschickt. Bei Quantenvernetzung tragen einzelne Photonen die Informationen.“ Der Vorteil: „Unbefugte können die Photonen nicht abfangen, ohne sie zu verändern, also die Informationen zu zerstören. Ein Begleiteffekt: Der Empfänger bemerkt so in jedem Falle, dass jemand versucht hat, die Informationen abzufangen.“ Die Photonen können über ein normales Glasfaserkabel verschickt werden, aber: „Es müssen hochwertige Kabel sein, kaputte Stellen würden die Verbindung stören.“

Cirac ist froh, dass sowohl die Bundes-, als auch die Landesregierung Quantentechnologie fördert. Er mahnt jedoch, dass es für den Erfolg einen sehr langen Atem braucht: „Gerade werden viele Erwartungen in Quantencomputer gesteckt, die wir nicht alle mit der ersten Generation erfüllen können.“ Wenn Deutschland Weltspitze bleiben wolle, müsste die Forschung noch weitere 20 bis 30 Jahre gefördert werden.

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