Stattdessen neues Tourismuskonzept

Söder: Skischaukel am Riedberger Horn wird nicht gebaut

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Bleibt es beim Schlepplift am Riedberger Horn?

Mehr Touristen und Wintersportler sollte die Verbindung von zwei benachbarten Skigebieten am Riedberger Horn ins Allgäu bringen. Doch der umstrittene Lift wird erst mal nicht gebaut. 

Kempten/München - Der umstrittene Verbindungslift am Riedberger Horn wird erst mal nicht gebaut. „Auf die Skischaukel wird verzichtet für mindestens zehn Jahre“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag in München. Zuvor hatte er mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein und dem Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) über das überraschende Aus des Projektes beraten. Stattdessen soll für rund 20 Millionen Euro ein neues, naturnahes Tourismuskonzept in der Region umgesetzt werden.

Elektrobusse statt Liftanlage am Riedberger Horn 

„Unser Ziel war es, wieder Ruhe und Frieden am Riedberger Horn zu schaffen“, sagte Söder. Ihm sei es wichtig, dass die strukturell schwache Region Möglichkeiten erhalte, um sich weiterzuentwickeln. Daher werde am Riedberger Horn ein „Zentrum Naturerlebnis Alpin“ entstehen. Zudem soll es mehr Förderungen für den Wintersport geben und die beiden Orte zu Pilotgemeinden für umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr im Alpenraum werden. Statt mit der Liftanlage sollen Elektrobusse die Skifahrer und Touristen zu den verschiedenen Pisten bringen.

„Politik ist die Kunst des machbaren“, sagte Landrat Klotz. Daher habe man erkennen müssen, dass die Skischaukel aus emotionalen Gründen nicht umsetzbar gewesen sei. Das neue Projekt werde dem ganzen Oberallgäu helfen.

Spekulationen: Erdrutsch und Finanzierungsprobleme sollen Projekt behindert haben

Aus der CSU hieß es am Donnerstag, die kommunalen Vertreter hätten wohl Zweifel bekommen, nachdem es im Januar nicht weit entfernt vom Riedberger Horn einen Erdrutsch gegeben hatte. Andere sprechen zudem von Finanzierungsproblemen.

Der Balderschwanger Bürgermeister Konrad Kienle (CSU) wies Spekulationen um ein Ende der Skischaukel allerdings zurück. Es gehe bei dem kurzfristig angesetzten Treffen in der Staatskanzlei „um die touristische Weiterentwicklung unserer Region“, sagte er. Es gebe keine Finanzierprobleme bei der von 26 Bürgern gegründeten Liftgestellschaft. Auch die Berichte über einen instabilen Untergrund stimmten nicht. „Es heißt, der Berg rutscht ins Tal - das ist nicht der Fall“, betonte er.

Geologisches Gutachten sagt das Gegenteil

Auf die Gefahr von rutschenden Hängen hatte Anfang März ein geologisches Gutachten im Auftrag des Bundes Naturschutz (BN) hingewiesen. „Nahezu der gesamte Hangbereich im Gebiet der geplanten Piste“ sei so labil, dass das Bauprojekt nicht umgesetzt werden könne. Die Umweltschützer halten das Projekt deshalb trotz der Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP) für nicht zulässig.

Der BN und der Landesbund für Vogelschutz wollen mittags (12.00 Uhr) in München die Begründung einer Normenkontrollklage vorstellen. „Wir werden an unserer Klage festhalten“, machte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner trotz des sich abzeichnenden Endes der Skischaukel klar. Denn die LEP-Änderung werde Söder wohl nicht zurücknehmen. Diese sei ein „Dammbruch“ beim Schutz der Alpen: „Es geht um die Frage, wie biegt man das LEP zurecht.“

Am 1787 Meter hohen Riedberger Horn wollen bisher die Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein eine neue Bergbahn bauen, um die Skigebiete miteinander zu verbinden. Da am 1. März ist die LEP-Änderung in Kraft getreten ist, könnte nun der Bauantrag eingereicht werden. Er müsste dann vom Landratsamt Oberallgäu geprüft werden.

Das sagt die Alpenkonvention

Unter einer Skischaukel wird die Verbindung zweier benachbarter Wintersportgebiete verstanden. Die Ski- und Snowboardfahrer können dann nach Belieben von einer Pistenregion in die andere wechseln, also hin und her schaukeln. Befürworter der schwäbischen Skischaukel meinen, die Region müsse sich mit dem Projekt für den Wettbewerb insbesondere mit österreichischen Skigebieten wappnen müsse.

Laut BN schreibt die von der Bundesrepublik unterzeichnete Alpenkonvention vor, dass die Planierung von Skipisten an Hanglagen, die ins Rutschen kommen könnten, nicht genehmigt werden dürfe. „Söder hat offensichtliche kalte Füße bekommen und macht nun einen Rückzieher“, sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn. Das Aus sei ein großer Erfolg für alle Kritiker. „Wir müssen trotzdem weiter wachsam sein und darauf achten, dass die CSU den Ausverkauf der bayerischen Alpen nicht weiter betreibt.“

dpa

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