Haftbefehl gegen Nigerianer

Er hat versucht auf Polizisten zu schießen - jetzt muss er in Haft

Gegen einen 30-jährigen Asylbewerber aus Nigeria, der im Landratsamt Landshut versucht hat, auf einen Polizisten zu schießen, ist am Mittwoch Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen worden.

LandshutEin 30 Jahre alter Asylbewerber hat in Landshut beim Versuch seiner Abschiebung drei Polizisten verletzt. Zuvor war es zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen, der böse hätte enden können: Dem aus Nigeria stammenden Mann sei es bei einem Gerangel in einem Amtszimmer des Landratsamts gelungen, einem der Polizisten seine Dienstwaffe aus dem Holster zu entreißen, teilte das Polizeipräsidium Niederbayern am Mittwoch mit. Er habe mit der Waffe auf einen der beiden anderen Polizisten gezielt und versucht zu schießen. Dies sei ihm aber nicht gelungen, weil der Mann die Waffe glücklicherweise nicht bedienen konnte. Die Polizei rätselt, wie es dem Nigerianer gelang, die Waffe an sich zu nehmen. „Auch der betroffene Kollege kann es sich nicht erklären“, sagte Polizeisprecher Günther Tomaschko. Ein Polizei-Holster sei nicht einfach so zu öffnen, es sei zweifach gesichert. Nur Polizisten wissen, wie man in Sekundenschnelle die Pistole zieht.

Den anderen Beamten sei es bei einem neuen Schussversuch gelungen, dem Mann die Waffe zu entreißen. Beim anschließenden Festnahmeversuch habe der Asylbewerber noch mit einem spitzen Gegenstand auf einen der Beamten eingestochen und ihn leicht verletzt. Ein weiterer Polizist sei ebenfalls leicht verletzt worden.

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Erst mit Pfefferspray sei es gelungen, den Nigerianer zu überwältigen und festzunehmen. Gegen ihn wird nun wegen versuchten Totschlags ermittelt, es erging Haftbefehl. Die drei Polizisten seien vorerst nicht dienstfähig. „Wir sind schockiert über diesen Vorfall und in Gedanken bei den drei Polizisten“, sagte der Landshuter Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) gegenüber dem Landshuter Wochenblatt.

Bewerber seit 2015 in Deutschland

Der Nigerianer war seit Januar 2015 im Land und „dezentral“, das heißt in einer kleinen Unterkunft in der Gemeinde Tiefenbach untergebracht. Er war zuvor nicht durch Aggressivität aufgefallen. Bei dem Termin in der Ausländerbehörde des Landratsamts war er vorgeladen, ihm wurde von zwei Mitarbeiterinnen die Abschiebung mitgeteilt. In solchen Fällen ist es üblich, dass Polizisten mit im Raum sind. Diesmal jedoch hatten sie den Auftrag, die Abschiebung sofort in die Tat umzusetzen. Ein Platz im Flugzeug war offenbar schon gebucht, „die Polizisten wollten ihn direkt mitnehmen und abschieben“, wie eine Sprecherin des Landratsamtes erklärt. Dann eskalierte die Situation.

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Die Gewerkschaft der Polizei in Bayern zeigte sich empört über die Tat und stellte sie in eine Reihe mit Gewalttätigkeiten durch Flüchtlinge in Fürstenfeldbruck, Deggendorf und Waldkraiburg. Polizisten riskierten mittlerweile „Leib und Leben“ bei solchen Einsätzen. Die beiden Mitarbeiterinnen, die alles mitansehen mussten, haben den Vorfall offenbar gut verkraftet. „Sie sind sehr gefasst“, sagte eine Behördensprecherin.

Am Tag zuvor war ebenfalls ein Polizist aus Landshut bei einer Auseinandersetzung mit einem Asylbewerber schwer verletzt worden. Eine Zivilstreife hatte einen 31-jährigen Syrer beobachtet, der aus einem Versteck Haschisch hervorholte. Einen Teil davon warf er rasch in die Isar, bevor ihn die Polizei auf der Mühleninsel festhalten konnte. Bei seiner Festnahme leistete der Syrer laut Polizei „erheblichen Widerstand“ und verletzte einen der beiden Beamten schwer. Auch dieser ist dienstunfähig.

afp/dw

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Arne Dedert (Symbolbild)

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