Forscher wissen jetzt mehr

Völlig verformte Schädel gefunden: Schauriges Rätsel aus Erding gelöst

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Von links nach rechts: stark, mittel und nicht deformierter Schädel aus den frühmittelalterlichen Fundplätzen Altenerding und Straubing. 

Das Rätsel um die deformierten Frauenköpfe, die an mehreren Orten in Bayern gefunden wurden, ist gelöst. Der Hintergrund ist erstaunlich.

München/Erding - Lange Zeit hatte die längliche Kopfform von 1500 Jahre alten Schädeln Forscher aus München und Mainz beschäftigt. 

Bandagen für den Kopf

Nun haben die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit einem internationalen Expertenteam eine Erklärung für die sonderbare Form der Schädel gefunden. So teilte die Universität Mainz mit, dass die Schädel von Frauen stammen, die um das Jahr 500 aus dem Schwarzmeerraum nach Bayern kamen. Dadurch, dass die Eltern den Kopf ihrer Kinder, nach dessen Geburt, mehrere Monate lang mit Bandagen umwickelten, sei laut der Münchner Anthropologin Michaela Harbeck die deformierte Kopfform entstanden. 

Schönheitsideal aus dem frühen Mittelalter

Rückwirkend zu beantworten, warum sie dieses Verfahren zum Modellieren der Kopfform angewandt haben, sei schwierig. Harbeck vermutet aber, dass es sich hierbei um ein optisches Leitbild der damaligen Einwanderer handelt: „Wahrscheinlich wurde damit einem bestimmten Schönheitsideal nachgeeifert oder vielleicht auch eine Gruppenzugehörigkeit angezeigt“. Es seien Populationsgenetiker Joachim Burger von der Universität Mainz zufolge in den vergangenen Jahrzehnten bis zu 20 deformierte Schädel an sechs Orten in Bayern gefunden worden, insbesondere in Erding und Straubig.

Genomoische Herkunftsanalyse gibt Aufschluss

Lange Zeit vermutete man, die Hunnen hätten diese Tradition nach Ost- und Mitteleuropa gebracht, so Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München. Doch im Gegenteil: Die genomische Herkunftsanalyse zeige laut Joachim Burger jetzt, dass die Frauen mit deformiertem Schädel in ihrem Genmaterial Bulgaren und Rumänen am ähnlichsten seien.

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dpa/ang

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