Steigerung um 60 Prozent zum Vorjahr

München: Zahl der Kirchenaustritte in Rekordhöhe

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt weiter an.
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Die Zahl der Kirchenaustritte steigt weiter an.

Die Kirchenaustrittszahlen in München haben 2021 einen traurigen Rekord erreicht. Mit 22 323 Personen – Katholiken und Protestanten - lag sie um mehr als 60 Prozent über der Austrittszahl von 2020 (13 549), wie die Nachfrage unserer Zeitung beim Kreisverwaltungsreferat München ergab. 

München - Die Zahl der Kirchenaustritte in München ist im Jahr 2021 rasant gestiegen. Wie eine Nachfrage unserer Zeitung ergab, sind im vergangenen Jahr 22 323 Menschen aus der katholischen und der evangelischen Kirche ausgetreten. 2020 hatte die Zahl bei 13 549 gelegen. Beim Kreisverwaltungsreferat werden die Zahlen der Austritte aus den kirchensteuerpflichtigen Kirchen nicht nach Konfessionen getrennt. Die Zahlen für die Austritte aus den jeweiligen Kirchen werden erst Mitte des Jahres vorliegen.

Trotzdem kann man an den unserer Zeitung vorliegenden Daten ablesen, dass die Zahl der Menschen, die den christlichen Kirchen den Rücken kehren, stark zunimmt. Im vergangenen Jahr war es die höchste Zahl der vergangenen 20 Jahre. Im Jahr 2000 lag sie bei 8934, im Jahr des Bekanntwerdens des Missbrauchsskandals waren es 12 305 Christen, die ihren Austritt erklärt hatten.

Auch in Köln häufen sich die Austritte

Wenn man die einzelnen Monate anschaut, so sind im vergangenen Jahr Monat für Monat deutlich mehr als 1500 Menschen ausgetreten – mit Ausnahme vom Januar 2021, als 1278 Austritte aktenkundig wurden. Im Juni, in dem das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx bekannt wurde, das Papst Franziskus dann wenig später abgelehnt hatte, traten 2054 Christen aus; nur im April war die Zahl mit 2196 Austritten höher gewesen. In dem Monat waren erneut Vorwürfe gegen Marx im Zusammenhang mit dem Umgang mit Missbrauchsfällen im Bistum Trier veröffentlicht worden. Nach Angaben des Statistischen Amts München waren Ende 2020 noch 454 547 Menschen in München römisch-katholisch (29,1 Prozent der 1,562 Millionen Einwohner). 162 861 (10,4 Prozent) gehörten der evangelischen Kirche an.

Auch in der Stadt Köln, in der über die Missbrauchsaufarbeitung der Kirche heftig gestritten wird und sich Erzbischof Rainer Maria Woelki derzeit in Auszeit befindet, sind die Austrittszahlen deutlich gestiegen. Diözesanratsvorsitzender Tim Kurzbach hatte sich erschrocken darüber gezeigt, dass sich die Zahl der Austritte in der Stadt Köln gegenüber dem Rekordjahr 2019 aus 19 340 fast verdoppelt hat. Viele langjährig Engagierte kehrten der Kirche den Rücken. Woelki hatte einen Rücktritt abgelehnt und will am 2. März seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen.

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