Weiteres Verfahren eingestellt

Prozess nach tödlicher Schlägerei in Passau: „Komplettes moralisches Versagen“ 

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Im Prozess um Tod eines Schülers in Passau wurde das Verfahren gegen zwei Angeklagte eingestellt.

Vier Angeklagte sollen den 15-Jährigen geschlagen und getreten haben. Der Prozess gegen mehrere Tatverdächtige nach einer tödlichen Schlägerei in Passau brachte schockierende Details ans Licht.

Update vom 6. Dezember, 13.30 Uhr:

Das Landgericht hat das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten eingestellt. Der 18-Jährige soll den Schaukampf zwischen zwei zerstrittenen Jugendlichen organisiert haben, der Vorwurf gegen ihn lautete Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge.

Den 18-Jährigen träfe jedoch eine moralische Schuld, sagte die Richterin am Donnerstag. „Was Sie gemacht haben, war ein komplettes moralisches Versagen. Sie waren gierig auf die Sensation, aber Sie waren nicht der Einzige.“

Nun müssen sich noch vier deutsche Jugendliche und Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren für den Tod des Schülers verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge zur Last.

Update vom 23. November: Verfahren gegen einen der Angeklagten eingestellt

Das Gericht hat das Verfahren gegen einen der sechs Angeklagten eingestellt. Der 22-jährige Pole hatte sich unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten müssen, wie eine Sprecherin des Landgerichts Passau am Freitag sagte. Zeugen hätten im Prozess bestätigt, dass der Mann in der Auseinandersetzung nicht selbst zugeschlagen hatte. Er habe aber auch nichts getan, um diese zu unterbinden.

Den Ermittlungen zufolge hatte sich der 15 Jahre alte Maurice K. im April mit einem der Angeklagten zu einer körperlichen Auseinandersetzung nach dem Motto „1 gegen 1“ verabredet. Laut Anklage mischten sich Umstehende in den Streit ein, die Situation eskalierte. Maurice wurde so schwer verletzt, dass er an seinem Blut erstickte.

Fünf deutsche Jugendliche und Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren müssen sich jetzt noch für den Tod des Schülers verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt vier Angeklagten unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge und einem fünften Beihilfe zur Last.

Der 22-jährige Pole ist nach Angaben der Gerichtssprecherin in einem anderen Verfahren vor dem Amtsgericht schon rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Weil die schon so gewichtig sei, sei das aktuelle Verfahren um Maurice K. gegen ihn eingestellt worden.

Bewegende ZDF-Doku: Sohn totgeprügelt - diese Mutter besuchte die beiden Täter

„Ich muss ihm in die Augen sehen“ - so betitelte das ZDF die „37 Grad“-Doku am Dienstag. In dem Film ging es um drei Frauen, die ein Schicksal eint: Ihre Kinder wurden ermordet.

Update vom 8. November, 15.45 Uhr: Erster Prozesstag bringt schockierende Details

Zu Prozessbeginn zogen sich die Angeklagten die Kapuzen ihrer Sweatshirts ins Gesicht oder versteckten sich hinter Aktenordnern. Ihnen gegenüber saß als Nebenklägerin die Mutter des Opfers. Sie war an jenem Apriltag zufällig in der Nähe des Tatortes und kam gerade hinzu, als der Notarzt versuchte, ihren Sohn zu reanimieren.

Die Angeklagten wirkten angespannt, die noch Minderjährigen unter ihnen wurden von Erziehungsberechtigten begleitet. Zwei verweigerten die Aussage, zwei ließen ihre Anwälte eine Erklärung verlesen und zwei machten selbst Angaben zum Geschehen.

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Sie hätten sich erst seit wenigen Monaten gekannt, sagte der Kontrahent von Maurice. Warum sie sich nicht mochten und warum sie schlecht übereinander redeten, kann er nicht sagen. Als sie sich wie vereinbart an einer Unterführung in Passau trafen, um den Streit „1 gegen 1“ auszutragen, hätten bereits zahlreiche andere junge Leute herumgestanden. Über soziale Netzwerke im Internet und Weitererzählen hatte sich herumgesprochen, dass er dort „Stress geben“ würde, wie sich die Angeklagten ausdrückten.

Der inzwischen 16-jährige Gegner von Maurice sagte, er sei auf diesen zugegangen und habe gesagt, er solle aufpassen, was er über ihn rede. „Dann habe ich ihm eine Watschn gegeben.“ Es wurde geschubst, geschlagen. Beide gingen zu Boden, so schilderte es der Jugendliche. Er habe Maurice in den Schwitzkasten genommen. Dann rappelten sie sich auf und schlugen weiter. Als er erneut zu Boden ging, habe Maurice ihn treten wollen. Wie es weiterging, konnte er nicht genau sagen. Jedenfalls sei eine Frau mit Hund gekommen und habe gedroht, die Polizei zu rufen. Da sei er mit anderen davongelaufen. Maurice ebenso. Später am Abend, als ihn die Polizei daheim abholte, habe er von dessen Tod erfahren.

Einer der Angeklagten, ein 17-Jähriger, ließ über seinen Anwalt berichten, wie er versucht habe, Maurice abzuhalten, als dieser mit dem Fuß gegen den am Boden liegenden Kontrahenten ausgeholt habe. Da sei er von Maurice geschubst worden und habe versucht ihn, mit der Faust zu treffen. Als Maurice erneut mit dem Fuß ausholte, „bin ich hin und habe gesagt: Treten macht man nicht“. Es kam zum Gerangel, in das sich zwei Cousins des 17-Jährigen einmischten. Der Ältere der Cousins, ein 25-Jähriger, verpasste Maurice nach eigener Aussage dann je einen Faustschlag gegen die Schläfe und in den Nierenbereich. Als die Frau mit Hund auftauchte, seien sie abgehauen.

Später, so ließ der 17-Jährige seinen Verteidiger berichten, habe er Polizeifahrzeuge in der Nähe des Tatortes gesehen und die Beamten gefragt, ob das mit der Schlägerei zu tun habe. Er habe sich als Beteiligter gestellt und dann im Streifenwagen über Funk gehört, dass Maurice gestorben sei. „Da habe ich geweint.“ Sein 15-jähriger Cousin sagte über seinen Anwalt aus, er habe es nicht fassen können, als er von Maurices Tod erfuhr. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese Tragödie denke.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Update vom 8. November, 12.05 Uhr: Erster Angeklagter sagt aus

Mit der Aussage eines der sechs Angeklagten hat am Donnerstag in Passau der Prozess um eine tödliche Schlägerei begonnen. Der Schüler hatte sich mit einem Gleichaltrigen zu einem Kampf verabredet, um einen Streit zu klären. Sein Kontrahent sagte vor dem Landgericht: „Ich habe ja nicht damit gerechnet, dass es so böse ausgeht.“

Fünf deutsche Jugendliche und Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren sowie ein 22-jähriger Pole müssen sich für den Tod von Maurice K. verantworten.

Update vom 8. November, 9.16 Uhr: Prozess gegen sechs Angeklagte beginnt

Passau - Der Tod des 15 Jahre alten Schülers Maurice K. hat nicht nur in Passau viele Menschen erschüttert: Sieben Monate nach der tödlichen Schlägerei in der niederbayerischen Stadt beginnt am Donnerstag (9 Uhr) der Prozess gegen mehrere Tatverdächtige. Die Staatsanwaltschaft legt fünf Angeklagten unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge und einem sechsten Beihilfe zur Last. Die Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren waren demnach Mitte April an der Schlägerei beteiligt. Maurice K. wurde so schwer verletzt, dass er an seinem Blut erstickte.

15-Jähriger stirbt nach Schlägerei in Passau: Treffen in sozialen Netzwerken verabredet?

Laut Anklagebehörde hatte sich der Schüler mit einem Gleichaltrigen zu einem Kampf nach dem Motto „1 gegen 1“ verabredet. Ein weiterer Angeklagter, ein 17-Jähriger, soll über soziale Netzwerke im Internet zu dem Treffen der beiden eingeladen haben und an der Organisation beteiligt gewesen sein. Etwa 20 Leute kamen.

In den Streit der beiden Jugendlichen mischten sich den Ermittlungen zufolge Umstehende ein. Die Situation eskalierte. Vier Angeklagte sollen Maurice geschlagen und getreten haben. Der 17-Jährige soll sie angefeuert haben. Einem weiteren Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, nicht eingegriffen zu haben, als mehrere Menschen auf Maurice einschlugen. Zudem habe er versucht, Zeugen durch Drohungen von einer Aussage bei der Polizei abzuhalten.

Maurice K. stammte aus der Nähe von Passau und besuchte ein Berufsbildungszentrum. Seine Mutter war an jenem Apriltag zufällig in der Nähe des Tatortes und kam gerade hinzu, als der Notarzt ihren Sohn zu reanimieren versuchte.

dpa

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