Wo bleibt Nordbayern?

Wieder Kritik am neuen Museum der Bayerischen Geschichte: Ein Stamm fühlt sich unterrepräsentiert

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Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte

Anfang Juni wurde das neue Museum für Bayerische Geschichte in Regensburg eröffnet. Seitdem reißt die Kritik daran nicht ab. Nun fällt einem bayerischem Stamm auf, dass er dort kaum vorkommt.

Update vom 8. Oktober 2019: Die Franken waren ein stolzes Volk, das viel zur deutschen und nicht zuletzt zur bayrischen Geschichte beigetragen hat. Doch das wird im neuen Museum der Bayerischen Geschichte viel zu wenig gewürdigt, finden Kritiker.

Betritt man das Foyer des neuen Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg, wird man vom Löwenbräu-Löwen empfangen. Noch oberbayrischer geht es wohl kaum. Und auch mit dem Spruch „Mia san mia“ kann man man sich nördlich der Donau nur schwer identifizieren. Kein Wunder, dass sich einige Besucher aus Franken, aber auch der Oberpfalz und Schwaben, im Museum leicht unterrepräsentiert fühlen.

Wie viel Franken steckt wirklich im Haus der Bayerischen Geschichte?

Dem hat Andreas Kuhn etwas entgegenzusetzen, wie aus einem Artikel auf nordbayern.de hervorgeht. Er ist verantwortlich für die Bavariathek im Haus der Bayerischen Geschichte. Die Verantwortlichen seien sich dessen durchaus bewusst, dass man immer nur eine Auswahl abbilden könne - 200 Jahre bayrischer Geschichte seien einfach zu umfassend. Schließlich möchte man die Ausstellung ja auch nicht „überfrachten“. Zudem seien durchaus einige fränkische Ausstellungsstücke zu bestaunen wie das Flußschiffmodell aus Volkach oder ein Tora-Schild aus Gunzenhausen. 

Doch nicht nur die Konzentration auf Oberbayern stößt so manchem bitter auf. Ein Historiker veröffentlichte unlängst einen Totalverriss zu dem brandneuen Museum in Regensburg:

Historiker besucht neues Museum der Bayerischen Geschichte - und ist entsetzt

Ursprünglicher Artikel vom 2. August 2019

Regensburg - Seit Anfang Juni ist das neue Museum für bayerische Geschichte auf dem Regensburger Hunnenplatz für Besucher geöffnet. Eine Idee des damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Gekostet hat das mausgraue Gebäude mit Wirtshaus und angeschlossener Bavariathek fast 100 Millionen Euro. 

Die vergangenen 200 Jahre bayerische Geschichte sollen dort dem zahlenden Publikum näher gebracht werden. Schon über 200.000 Besucher wurden bislang gezählt. Der Bau scheint anzukommen, jedoch nicht bei jedem. 

Zahlreiche Bierkrüge stehen im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Auch beim Museums-Neubau am Schloss Nymphenburg gab es scharfe Kritik. Bürger und Denkmalschützer waren entsetzt über den Entwurf des Architekturbüros.

Regensburg: Historiker entsetzt über Museum der bayerischen Geschichte

In seinem Gastbeitrag bei regensburg-digital.de, fällt der Künstler und Historiker Wolfram P. Kastner, vom Institut für Kunst und Forschung München, ein vernichtendes Urteil: „Das muss man gesehen haben, wie im neuen grauen „MIA SAMMA MIA“-Museum zu Regensburg an der Donau die Geschichte staatsbayrisch auf CSU-Linie getrimmt wird.“

Der vier Meter hohe Pappmaché-Löwe, der seit den 50er Jahren auf dem Oktoberfest auf der Fassade des Löwenbräuzeltes stand, steht im Museum der Bayerischen Geschichte.

Der Historiker ist entsetzt über die Art und Weise, wie im Museum Bayerns Geschichte abgehandelt wird - oder auch nicht. Denn einige wichtige Ereignisse und Personen fehlten komplett. “Das Faschingskostüm von Söder ist unwichtig für die bayerische Geschichte“, sagte Kastner im Gespräch mit Merkur.de*. In einer Glasvitrine stellt das Museum ein Kostüm aus, in dem sich der spätere Ministerpräsident Markus Söder (CSU) 2018 bei der"Fastnacht in Franken" als Prinzregent Luitpold präsentierte. 

„Stattdessen hätte man Graf Montgelas zeigen sollen“, beschwert sich der Historiker. Der Politiker und Staatsreformer Maximilian von Montgelas gilt als „Schöpfer des modernen Bayerns“. Auf dem Münchner Promenadenplatz zeigt eine große Statue den Vordenker. 

Museum für bayerische Geschichte: Inkompetenz oder ideologische Linie

In einer anderen Vitrine hängt die Lederhose des amerikanisch-bayerischen Schriftstellers Oskar Maria Graf direkt neben der von Adolf Hitler. „Was soll da die Botschaft sein, was ist das Konzept einer solchen Ausstellung?“ Ob sie reiner Inkompetenz zu verdanken ist oder doch einer ideologischen Linie folgt, weiß Kastner nicht. „Vielleicht ist es auch beides.“

Kaum etwas kann der Münchner Künstler und Historiker in dem neuen Museum der bayerischen Geschichte loben. „Der größte Raum ist natürlich dem Auto gewidmet“, schreibt er in seinem Beitrag. „Ein auf Hochglanz poliertes Geschwader von bayerischen Personenkraftwagen ohne jeden historischen braunen Rostfleck“. 

Museum für bayerische Geschichte in Regensburg: Hartes Urteil

Bayerische Kunst und Kultur werde völlig vernachlässigt. Fußball spiele stattdessen eine große Rolle, wenn auch nicht jeder Verein: „Selbstverständlich spielen in der bayerischen Sportgeschichte der FC Nürnberg, FC Augsburg oder Jahn Regensburg eine total vernachlässigte Rolle“. 

Generell sei ihm kein Klischee aufgefallen, das in dem Museum nicht bedient würde, meint Kastner. „Das Museum ist etwas für oberflächliche Touristen, die dort alle bayerischen Klischees wiederfinden wollen.“ Eine „Touri-Bude“. „Schlecht gemacht, unübersichtlich, lückenhaft und teilweise historisch falsch.“ Er gibt maximal die Note fünf.

Gewünscht hätte sich Kastner, dass eine Geschichte Bayerns mit ihren wichtigen Stationen erzählt wird, nicht mit den unwichtigen. Über das neue Museum der bayerischen Geschichte „freut sich das bayerische und internationale Publikum, lacht bajuwarisiert und bayert gerne ein bisschen mit“, beendet Kastner seinen Gastbeitrag.

Zahlreiche Bierkrüge stehen im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Museum der bayerischen Geschichte: Auch andere Medien kritisieren

Auch bei anderen Medien ist das neue Museum ein Thema. Dass man die Geschichte Bayerns im Neuen Museum der bayerischen Gesichte auch mit seinen Schattenseiten hätte erzählen können, schreibt ein Redakteur des Münchner Merkur*. Er spricht dabei nicht nur die NS-Zeit an, sondern auch Themen wie Armut und Massenwanderung im 19. Jahrhundert, den Protz der Könige oder die Einkerkerung der Oppositionellen unter Ludwig I.. 

„Im Fall der Kultur fällt das Ergebnis peinlich aus“, heißt es in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die bayerische Tradition werde dagegen mehr als ausführlich gezeigt. „Nicht erst an dieser Stelle wird deutlich, dass das neue Haus auf ein Publikum zielt, das sich vergewissern möchte, woher es herkommt, beziehungsweise was es mit diesen zünftigen Bayern eigentlich auf sich hat.“

Vor der Eröffnung des neuen Museums der Bayerischen Geschichte kam es zu einem Brand, der einen Millionenschaden verursachte.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.“

svw

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