Investor gesucht

Braucht es das? Regensburg plant weitere Tiefgarage im Herzen der Altstadt

Emmeramsplatz in Regensburg
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Die Statue von Bischof Sailer am Emmeramsplatz blickt derzeit nur auf den ruhenden Verkehr.

Im Regensburger Stadtrat gehen die Meinungen zu einer möglichen Tiefgarage am Emmeramsplatz auseinander. 6,8 Millionen Euro soll sie laut derzeitiger Schätzung kosten. Nun geht man auf Investorensuche. 

Regensburg - Der Emmeramsplatz in Regensburg* ist etwas Besonderes. Beste Lage in der Altstadt, direkt neben Park und Schloss derer von Thurn und Taxis. Die historische Statue von Bischof Johann Michael von Sailer kann man dort bewundern. Und doch ist das Ganze bislang lediglich ein Parkplatz. Dass das ein Unding ist und die Aufenthaltsqualität dort gesteigert werden muss, darüber besteht im Regensburger Stadtrat Einigkeit. Über das Wie aber gehen die Meinungen auseinander.

Regensburg: Unterirdisch - Moderne Parkanlage in Zylinderform

Die Koalition plant nun, den ruhenden Verkehr nach unten zu verlegen und plant eine Tiefgarage. Bereits Sommer 2020 wurde dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese kommt nun zu dem Schluss, dass der Bau einer solchen Garage mit 120 Stellplätzen technisch möglich ist. Die automatisierte Parkanlage in Zylinderform benötigt an der Oberfläche demnach an der Oberfläche nur einen kleinen „Übergabebereich“ in den die Autos gefahren werden. Über ein Aufzugsystem sollen sie dann in die Parkluken gehoben werden. Zehn unterirdische Parkebenen sollen so entstehen. Das Stadtplanungsamt schlägt ausdrücklich vor, die Anlage komplett mit E-Ladeinfrastruktur auszustatten.

Dass all das lediglich 6,8 Millionen Euro kosten soll, wie das Stadtplanungsamt diese Woche in einer Ausschussitzung erklärt, kann Stadtrat Benedikt Suttner (ÖDP) sich „beim besten Willen nicht vorstellen“. Auch dass es die Parkgarage überhaupt braucht, bezweifelt Suttner. Und er ist dabei nicht allein. Auch Irmgard Freihoffer (Linke*) und Maria Simon (Grüne*) sind skeptisch. Vor allem im Hinblick auf den Klimawandel stellen sie infrage, ob eine vom motorisierten Individualverkehr beruhigte Altstadt eine weitere Tiefgarage benötigt.

Tiefgarage in Regensburg: Selber bauen ein Zuschussgeschäft?

Doch bei der Koalition aus SPD, CSU, Freie Wähler, FDP und CSB stoßen derlei Bedenken auf keine Resonanz. Die Kosten seien seriös und „nach bestem Wissen und Gewissen“ ermittelt worden, bekräftigt Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Im Zweiten Weltkrieg befand sich auf dem Emmeramsplatz ein etwa fünf Meter tiefes Löschwasserbecken, das laut Verwaltung die „einmalige Möglichkeit“ biete, dort eine solche Garage zu realisieren. Die Wahrscheinlichkeit archäologischer Funde werde dadurch als gering eingeschätzt.

Der Entwurf für eine Tiefgarage am Emmeramsplatz.

Dennoch bleibt, die Frage, wie das Ganze finanziert werden soll. Die Herstellungskosten pro Stellplatz liegen laut Kalkulation bei mehr als 56.000 Euro. Knapp zwei Drittel der Kosten macht das Ingenieurbauwerk aus, der Rest verteilt sich auf Anlagetechnik und die E-Ladeinfrastruktur. Daraus ergeben sich monatliche Kosten für einen Stellplatz von 240 Euro. Laut Stadtwerk seien in dem Stadtteil Stellplatz-Mietkosten von 150 Euro realistisch. 90 Euro müsste also unter Umständen bezuschusst werden.

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Tiefgarage im Herzen der Regensburger Altstadt: Investor gesucht

Für die Verwaltung kommen drei Finanzierungsvarianten infrage. Der Favorit: Man findet einen Investor oder Anbieter, der die Garage ohne Beteiligung der Stadt bauen und betreiben wolle. Nur wenn dies nicht funktioniert, will man entweder über eine Beteiligung der Stadt an dem Projekt nachdenken oder die Tiefgarage gegebenenfalls komplett in Eigenregie finanzieren.
Günther Riepl (Freie Wähler) sieht „das eigentlich nicht spannend, was wir jetzt da alles diskutieren“. Mit der Machbarkeitsstudie werde die Stadt zunächst nur „auf Leute zugehen, die sagen: das baue ich gerne, weil ich in der Altstadt so viel Rolls Royce- und Porsche-Fahrer habe, die sich das gerne leisten wollen, wenn ich bei denen vermiete oder verkaufe.“ Doch auch dieser Einwand verhallt ungehört.

Gemäß Beschluss wird nun ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt, um zu erfahren, ob es Firmen gibt, die sich eine Realisierung vorstellen können. Und mit welcher Preisvorstellung. Alles weitere kommt irgendwann. Bisher sind im städtischen Investitionsplan keine Mittel für das Vorhaben eingestellt. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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