Minister in der Kritik

Corona: Bayerns Schulen weiter zu - Piazolo mit neuem Fahrplan - Gemeindetagspräsident spricht von „Bankrotterklärung“

Der Corona-Lockdown wurde verlängert, die Schulen bleiben geschlossen. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo erläuterte nun die neuen Maßnahmen für den Unterricht.

  • Der Corona*-Lockdown wurde verlängert, die Schulen in Bayern bleiben geschlossen.
  • Wegen der instabilen Lernplattform Mebis steht Kultusminister Michael Piazolo in der Kritik.
  • Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (7. Januar) sprach er von einer „unnatürlichen Fixierung auf dieses Thema“ (siehe Update von 13.20 Uhr).

Update vom 7. Januar, 19.13 Uhr: Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo steht nach der Verlängerung des Corona-Lockdowns weiter massiv in der Kritik. Während die Lehrer vor allem den angekündigten Verzicht auf die Faschingsferien kritisieren, hält der bayerische Gemeindetag das Krisenmanagement Piazolos in der Corona-Pandemie für gescheitert.

Gemeindetagspräsident Uwe Brandl sagte am Donnerstag gegenüber der dpa, dass man seit Jahren eine schlüssige Digitalisierungsstrategie von der Staatsregierung fordere. In der Corona-Krise zeige sich nun das Defizit. Dass Piazolo nun darum bitte, die Plattform Mebis nur noch im Viertelstundentakt aufzurufen, nannte er eine „Bankrotterklärung“.

Die auf Mebis fokussierte Diskussion bezeichnete Piazolo dagegen als „beinahe unnatürlich“. Nur 15 Prozent aller Schüler in Bayern pro Tag hätten es in der Vergangenheit überhaupt genutzt, hauptsächlich an Gymnasien und Realschulen. Er sei fest davon überzeugt, „dass wir von Montag an in Bayern einen guten Distanzunterricht anbieten können“, so der Minister weiter mit Blick auf ein breit angelegtes Instrumentarium. Unter anderem stelle das Kultusministerium das Programm Microsoft Teams allen weiterführenden Schulen zur Verfügung, Kommunen hätten zusätzliche Verträge.

Corona: Bayerns Schulen weiter geschlossen - Kultusminister Piazolo verkündet neuen Fahrplan

Update vom 7. Januar, 14.31 Uhr: Bayern möchte es den Schülern im Freistaat in der Corona-Pandemie etwas leichter machen. Kultusminister Michael Piazolo stellte am Donnerstag deshalb den neuen Fahrplan vor.

  • Verbindliche Hinweise für Schwerpunktsetzungen im Lehrplan, damit Schüler und Lehrer nicht unter Zeitdruck geraten.
  • An Realschulen und Gymnasien kann die Zahl der Schulaufgaben in den Jahrgangsstufen fünf bis zehn reduziert werden.
  • Die Abschlussprüfungen werden zeitlich verschoben.
  • Der Termin für die Zwischenzeugnisse wird auf den 5. März verschoben.
  • Übertritt nach der Grundschule: Die Zahl der Proben wird auf 14 gesenkt. Der Termin für das Übertrittszeugnis wird eine Woche nach hinten geschoben.

Bei der Pressekonferenz wehrte sich Piazolo auch gegen die Kritik an der Lernplattform Mebis und bezeichnete die Diskussionen als „unnatürliche Fixierung auf dieses Thema“. Dass die Online-Lernplattform nicht immer funktioniert habe, sei „ärgerlich“. Das Problem lag wohl darin, dass sich zu viele Nutzer gleichzeitig angemeldet haben. „Das liegt an der Grundarchitektur von Mebis, weil es nie dafür gedacht war“, so Piazolo. Die Speicherkapazitäten wurden aufgestockt, außerdem wolle man das System entlasten. Schulen sollen dafür bei der Anmeldung Slots zugewiesen bekommen.

Corona-Lockdown in Bayern: Piazolo erläutert Fahrplan für Schulen - die Pressekonferenz zum Nachlesen

Update von 14.19 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.

Update von 13.30 Uhr: „Wir haben jetzt alles getan in den letzten Wochen um uns auf den Distanzunterricht vorzubereiten“, so Piazolo. Trotzdem könne es hin und wieder ruckeln, deshalb gebe es ja mehrere Tools, die zur Verfügung stehen.

Video: Die ganze Pressekonferenz mit Michael Piazolo zum Nachhören

Corona-Lockdown in Bayern: Piazolo wehrt sich gegen Mebis-Kritik - „Unnatürliche Fixierung auf dieses Thema“

Update von 13.20 Uhr: Dann kommt er konkret zu Mebis: Das Programm eigne sich für bestimmte Dinge sehr gut, wenn Schüler beispielsweise selbstständig arbeiten oder Aufgaben abgeben. Mebis sei aber von Anfang an nie dafür gedacht gewesen, zeitgleich zu kommunizieren, wird er mit Blick auf die oft aufgetretenen Probleme deutlich. Die Debatten bezeichnet er als „unnatürliche Fixierung auf dieses Thema.“

Zu Beginn des Lockdowns habe das Online-Lernprogramm nicht so funktioniert wie gewünscht. „Das ist sehr ärgerlich“, findet Piazolo. An einem Großteil der Tage sei die Erreichbarkeit aber gut gewesen. Man habe sich zusammengesetzt und Mebis technisch verbessert, erklärt er. Eine Analyse habe gezeigt: Mebis könne mit einer hohen Zahl an Nutzern grundsätzlich umgehen. Das Problem entstehe wohl, wenn sich sehr viele Nutzer gleichzeitig anmelden. „Das liegt an der Grundarchitektur von Mebis, weil es nie dafür gedacht war“, so Piazolo. Die Speicherkapazitäten wurden nun deutlich erhöht. Trotzdem wolle man das System entlasten, indem man entzerre. Schulen sollen deshalb bei der Anmeldung bestimmte Slots zugewiesen bekommen.

„Rät der Kultusminister von Mebis-Nutzung ab? Nein natürlich nicht“, stellt er klar. Mebis sei ein wichtiges Tool, aber nicht das Wichtigste. „Mebis ja, aber mit einer klaren Gebrauchsanleitung für die Plattform.“

Corona-Lockdown in Bayern: Kultusmininster Piazolo erläutert Maßnahmenpaket für Schulen

Update von 13.10 Uhr: „Wir wollen die hohe Qualität des bayerischen Schulsystems erhalten“, sagt Piazolo. Chancengerechtigkeit sei besonders wichtig. Im Distanzunterricht sei es schwieriger, alle Schüler so mitzunehmen, wie das im Präsenzunterricht möglich sei.

Dann kommt er zum Maßnahmenpaket: Die Zahl der Schulaufgaben der Klassen 5 bis 10 werde reduziert. In allen Schularten werden die Abschlussprüfungen zeitlich verschoben, beispielsweise das Abitur oder der Quali. Der Termin für die Zwischenzeugnisse werde auf den 5. März verschoben. Zum Übertritt aus der Grundschule sagt er: Man senke dort die Zahl der Proben auf 14. Der Termin für das Übertrittszeugnis werde auch um einen Woche nach hinten gerückt. „Der gesamte Schulbetrieb wird umgestellt“, sagt Piazolo. Man wechsle von Präsenzunterricht völlig in den Distanzunterricht. Ein dreiwöchiger Distanzunterricht sei zwar schwierig, allerdings biete die Entscheidung Planungssicherheit. Für den Distanzunterricht gebe es ein verbindliches Rahmenkonzept.

Schule sei im Distanzunterricht nicht auf ein Tool konzentriert, sagt er mit Blick auf Mebis und erwähnt beispielsweise MS Teams. „Distanzunterricht wird in aller Regel digitalgestützt ablaufen, aber nicht ausschließlich“, stellt er klar. „Distanzunterricht ist nicht gleich Mebis“, so Piazolo.

Corona-Lockdown im Freistaat: Präsenzunterricht ab Februar? „Wir wissen nicht, ob es geht“

Update von 13.05 Uhr: Man hoffe, im Februar wieder mit Präsenzunterricht starten zu können. „Wir wissen aber nicht, ob es geht“, so Piazolo. Er erklärt außerdem, dass die Faschingsferien ausfallen und stattdessen Unterricht möglich sein wird. Das hatte Markus Söder bereits gestern verkündet.

Update von 13 Uhr: Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) informiert nun bei einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen an Schulen. Er möchte den Unterrichtsbetrieb ab nächster Woche erläutern und auch die Auswirkungen beispielsweise auf Prüfungen. Der Präsenzunterricht habe eine hohe Bedeutung und sei „durch nichts“ zu ersetzen. Bis einschließlich 29. Januar gebe es keinen Präsenzunterricht. Das gelte für alle Schulen und Jahrgangsstufen. „Die Entscheidung greift massiv in den Schulbetrieb ein“, weiß Piazolo. „Uns ist wohl bewusst, welche Belastung das auslöst“, sagt er mit Blick auf Lehrer, Eltern und Schüler.

Update vom 7. Januar, 12.45 Uhr: Der Corona-Lockdown wurde verlängert, bis Ende Januar bleiben im Freistaat auch die Schulen geschlossen, es soll Angebote für Distanzunterricht geben (siehe Erstmeldung). Um 13 Uhr informiert Kultusminister Michael Piazolo zum Schulstart. Die Pressekonferenz können Sie hier live im Stream und Ticker verfolgen.

Corona-Regeln: Schulen weiter geschlossen - Bayerns Kultusminister Piazolo äußert sich live zum Schulstart

Erstmeldung vom 7. Januar, 11.01 Uhr: München - Der Corona-Lockdown* wird verlängert. Das verkündete Kanzlerin Angela Merkel* am Dienstag nach Beratungen zwischen Bund und Ländern. Am Mittwoch (6. Januar) beriet sich dann der bayerische Landtag. Anschließend verkündete Ministerpräsident Markus Söder* die Umsetzung der Corona*-Maßnahmen im Freistaat. Einen Überblick über die ab Montag (11. Januar) geltenden Regeln finden Sie hier.

Corona-Lockdown in Bayern: Schulen bleiben geschlossen - Kultusminister Piazolo unter Druck

Auch die Schulen bleiben geschlossen. Es werde bis Ende Januar zunächst keine Präsenz geben. Für Kindertagesstätten, Schüler der Stufen 1 bis 6, Förderschüler und Kinder mit Behinderungen soll eine Notbetreuung eingerichtet werden. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, Kinder privat zu betreuen - allerdings nur in einer festen anderen Kontaktfamilie, wie der CSU*-Chef weiter erklärte. In allen Schulen und Jahrgangsstufen soll es Angebote für Distanzunterricht geben.

Am heutigen Donnerstag (7. Januar) informiert Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) um 13 Uhr über die Regelungen zum Schulstart. Die Pressekonferenz können Sie hier im Live-Stream und -Ticker verfolgen. Seit Wochen muss sich Piazolo mit Rücktrittsforderungen und auch Kritik aus der Regierung auseinandersetzen. Grund ist die instabile Online-Lernplattform Mebis. Diese war vor den Weihnachtsferien wie auch schon im Frühjahr dem Ansturm von Schülern im Distanzunterricht nicht gewachsen. Söder hatte dem Kultusminister im Dezember indirekt eine Frist gesetzt, dass das System nach den Weihnachtsferien einwandfrei laufen müsse.

Corona-Lockdown in Bayern: Bettelbrief des Kultusministeriums sorgt für Kritik

Doch Ärger scheint vorprogrammiert. Denn das Kultusministerium bat die Lehrer nun in einem „Bettelbrief“, die Lernplattform Mebis möglichst wenig zu nutzen, wie FDP-Bildungsexperte Matthias Fischbach kritisierte. „Ein zeitgleicher Login von sehr vielen Nutzerinnen und Nutzern – vor allem morgens zu Unterrichtsbeginn – hat in der mebis Lernplattform zu zeitweiligen Systemüberlastungen geführt“, heißt es in dem Schreiben, das am Dienstag vom Ministerium verschickt wurde. „Bitte verwenden Sie daher andere Möglichkeiten, um den ,virtuellen Startschuss’ durchzuführen und die Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler abzufragen!“

Für „zeitgleiche (synchrone) Unterrichtseinheiten“ seien andere Werkzeuge zu nutzen, etwa die vom Freistaat zur Verfügung gestellte Lizenz von MS-Teams. Und im Hauptschreiben steht sogar die Anweisung: „Die Schülerinnen und Schüler sind darauf hinzuweisen, dass sie sich möglichst nur nach expliziter Aufforderung durch die Lehrkraft auf Mebis einloggen sollen, um dort einen konkreten Arbeitsauftrag zu erfüllen.“ (kam/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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