Verstöße kosten bis zu 5000 Euro

Vorsicht: Wildtier-Wohnzimmer! So stressen Wintersportler die Tiere - in Wildschutzzonen kann das teuer werden

Försterin Paulina Schmidt mit Hund Camillo.
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Mehr Rücksicht und Respekt gegenüber Natur und Wildtieren – das fordert die Murnauer Försterin Paulina Schmidt. Im Winter sollten Wanderer, Langläufer und Skitourengeher sich immer nur auf ausgewiesenen Wegen bewegen.

Eine einsame Skitour in der Dämmerung oder Schneeschuhwandern abseits der Wege: So romantisch das klingen mag, es kann auch gefährlich werden. Nicht nur für Bergsportler, vor allem für die Wildtiere – im Winter gelten daher ganz besondere Spielregeln.

Murnau/Miesbach – Paulina Schmidt staunt immer wieder, was sich die Natur einfallen lässt. Die 26-Jährige ist seit zwei Jahren Försterin in Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen), einer Außenstelle des Forstamtes Weilheim. Mit Jagdhund Camillo ist sie viel im Wald und in den Bergen – und hat eine Mission. „Wenn mehr Leute wüssten, was sie Wildtieren antun, wenn sie Wege verlassen oder nachts unterwegs sind, würden wir das Problem in den Griff kriegen“, hofft Schmidt und fordert Sportler zu mehr Respekt und Rücksicht auf – gerade im Winter.

„Bei niedrigen Temperaturen und hohem Schnee leben die Tiere auf Sparflamme. Sie sind nur ein paar Stunden am Tag aktiv, sodass ihre Energie gerade so zum Überleben ausreicht“, erklärt sie. „Dafür gibt es beeindruckende Strategien: Rehe etwa fahren ihre Körpertemperatur auf bis zu 15 Grad herunter und durchbluten ihre Beine kaum noch.“ Auch die Verdauungsorgane schrumpfen, was ausreicht, um mit weniger Nahrung, etwa eiweißarmen Flechten, durch den Winter zu kommen.

Wildtiere im Winter: „Eine Flucht könnte sie zu viel Energie kosten“

Jede Störung kann daher fatale Folgen haben. „Ihr Stoffwechsel ist so auf Kante gestrickt, dass sie an jedem außerplanmäßigen Energieaufwand sterben können“, sagt Schmidt. „Und das könnte eben der Schneeschuhgänger sein, der quer durch ihr Wohnzimmer stiefelt, sie aufscheucht und zur Flucht zwingt.“ Schilder machen auf diese Wald-Wild-Schongebiete aufmerksam, die Waldspaziergänger und Bergsportler nicht betreten sollten.

Das Rotwandgebiet stand 25 Jahre lang unter diesem Schutzstatus – „auf rein freiwilliger Basis ließ sich das Problem aber zuletzt nicht mehr regeln“, erklärt Alexander Römer, der als Naturschutz-Ranger im Landkreis Miesbach unterwegs ist. Verstärkt kümmert sich der 52-Jährige aber im Moment um ein 320 Hektar großes Areal rund um Rotwand, Taubenstein und Jägerkamp. Um Birkhühner und andere Arten, wie Rotwild und Gamsen, zu schützen, hat das Landratsamt hier am 1. Dezember offizielle Betretungsverbote ausgewiesen.

Am Nordgrat der Jägerkamp weißt ein Schild auf die Wildschutzzone, ein amtlich verhängtes Betretungsverbot, hin.

„Wir Ranger verhängen keine Geldbußen, leiten die Ordnungswidrigkeit aber an das Landratsamt weiter“, so Römer. Aktiv führe der Ranger keine Kontrollen durch, treffe bei seiner Forschung vor Ort aber immer wieder Menschen an. Bis zu 5000 Euro können fällig werden, sollten Verbotsschilder mutwillig missachtet und auf seinen Aufklärungsversuch „gepfiffen“ werden. „Wir haben bereits eine hohe zweistellige Zahl an Menschen angetroffen“, so Römer. „Schon seit Juni klären wir auf – und die Zahl dieser Gespräche geht wohl in die Tausende.“

Wildschutzzone im Rotwandgebiet: Ranger klären Wanderer und Skitourengeher auf

Maroldschneid, Benzingspitz und Jägerkamp seien „Brennpunkte“. An Silvester war es besonders schlimm: „Da sind 16 Personen durchs Schutzgebiet am Jägerkamp gelaufen“, sagt Römer. „Das schlimme am Winter ist: Einer spurt vor – alle anderen laufen hinterher und reden sich dann darauf raus.“ Nicht selten gibt auch eine App den Weg vor – ungeachtet aller Schon- und Schutzzonen.

Alexander Römer, Naturschutz-Ranger des Landratsamtes Miesbach.

„Man sollte auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und sich informieren“, appelliert Paulina Schmidt. „Selbst, wenn andere Routen vielleicht nicht so überlaufen sind oder das schönere Fotomotiv oder den perfekteren Schnee bieten.“ Bisher waren alle, die Römer darauf hingewiesen hat, einsichtig. „Schlimm sind die Alten Hasen, die die Route schon seit fünfzig Jahren gehen.“ Aber auch ihnen redet er ins Gewissen: „Früher waren hier ein, zwei Tourengeher unterwegs – heute Hunderte. Und der Tourenski bleibt Verkaufsschlager“. Einen überlebe das Birkhuhn, 300 nicht. „Und hier gibt es von ihnen nur mehr zwei Dutzend“. (sco)

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