Gewalt in Regensburg

Übergriffe auf Polizisten: Brutale Nacht mit Nachspiel

Schon wieder Gewalt gegen die Polizei: In Regensburg wurden am Wochenende mehrere Polizisten angegriffen. Ein 17-jähriger Afghane sitzt wegen versuchten Totschlags in U-Haft. Innenminister Herrmann fordert die Abschiebung.

Regensburg – Dass die Polizei in Regensburg am Wochenende ausrücken muss, ist keine Seltenheit. „Aber dass es zu so massiven Angriffen kommt, das ist schon ungewöhnlich“, sagt Polizeisprecher Dietmar Winterberg. Gleich bei vier von einander unabhängigen Einsätzen wurden seine Kollegen am Samstag angegriffen.

Der massivste Vorfall ereignete sich nahe des Regensburger Hauptbahnhofs. Ein 17-jähriger Afghane schlug einem Polizisten mit der Faust auf den Hinterkopf. Beide gingen zu Boden, woraufhin ein weiterer 17-jähriger Afghane dem Beamten mit dem Fuß gegen den Kopf trat. Der Polizist erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Schädelprellung und eine Platzwunde und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die beiden Angreifer wurden festgenommen, einer der beiden Afghanen, der in einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lebte, sitzt wegen des Vorwurfs der versuchten Tötung in Untersuchungshaft.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich gestern zu dem Vorfall. Er sei erschüttert von der rohen Gewalt. „Die Tat muss hart und konsequent bestraft werden.“ Herrmann kündigte außerdem an, alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um den Täter schnellstmöglich in sein Heimatland abzuschieben.

Doch das ist bei minderjährigen Flüchtlingen nicht so einfach. Wenn sie straffällig geworden sind und zu mindestens einem Jahr Jugendstrafe verurteilt worden sind, können sie zwar grundsätzlich ausgewiesen werden. Allerdings stehen sie für die Dauer ihres Asylverfahrens unter einem besonderen Schutz. Erst wenn der Asylantrag abgelehnt ist und der Flüchtling keine Klage gegen diese Entscheidung einreicht, ist eine Abschiebung möglich. Die zuständigen Behörden müssen aber selbst dann sicherstellen, dass die Minderjährigen in ihrem Heimatland einem Familienmitglied oder einer geeigneten Aufnahmeeinrichtung übergeben werden. Das ist in der Praxis laut Innenministerium kaum möglich, sodass es meist leichter sei, abzuwarten, bis der betroffene Flüchtling volljährig ist. Im Fall des Afghanen aus Regensburg ist das kein Problem. Er wurde gestern 18.

In der gleichen Nacht hatte ein 33-jähriger Deutsch-Iraner mit einer 18 Zentimeter langen Dachdeckerschraube Polizisten attackiert, die er zuvor selbst gerufen hatte.

Der Angriff am Regensburger Hauptbahnhof, den auch die AfD in den sozialen Medien sofort als Beweis für eine missglückte Migrationspolitik aufgriff, war aber nicht der einzige Fall an diesem Samstag. Auch deutsche Staatsangehörige wurden gegenüber der Polizei gewalttätig. Nur wenige Stunden nach dem Einsatz gingen in der Regensburger Innenstadt mehrere Partygäste auf die wegen Ruhestörung gerufenen Einsatzkräfte los. Ein Polizeibeamter brach sich dabei den Knöchel. Gäste überschütteten den Verletzten dann auch noch mit Bier.

Und auch ein per Haftbefehl gesuchter Mann hatte bei seiner Festnahme massiven Widerstand geleistet.

Polizeisprecher Winterberg zeigte sich geschockt von den Vorfällen. Er betonte aber, dass den betroffenen Kollegen eine ganze Reihe von Betreuungsmaßnahmen zur Verfügung stehe. Eine ist der bayernweit tätige Zentrale Psychologische Dienst (ZPD) des Münchner Polizeipräsidiums. Leiter Hans-Peter Schmalzl sagt, dass es nicht immer traumatische Fälle brauche, damit sich Polizisten an seine Experten wenden. „Manchmal reichen auch kleinere Zwischenfälle, bis der Punkt erreicht ist, an dem jemand Hilfe sucht.“ Die Vorkommnisse in Regensburg würden jedenfalls deutlich zeigen, wie breit das Spektrum der Fälle ist, in denen Polizisten mit Gewalt konfrontiert sind.

von Katrin Woitsch und Dominik Göttler

Rubriklistenbild: © dpa

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