Michael Altinger im Interview:

„Ich will das Chaos in unserem Leben sortieren.“

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Michael Altinger präsentiert sein neues Bühnenprogramm „Schlaglicht“, den zweiten Teil seiner Kabarett-Trilogie.

München/Dachau - Mit „Hell“ startete der Kabarettist und Schauspieler Michael Altinger 2016 die erste Kabarett-Trilogie. Damit führte er sein Publikum in eine neue Vision des „Seins“, des „Deins“ und „Meins“. Im zweiten Teil sieht der BR-Schlachthof-Gastgeber noch klarer und zündet mit „Schlaglicht“ ein weiteres Leuchtfeuer gegen Verlogenheit und zu einfachen Antworten.

Herr Altinger, mit „Hell“ startete vor zwei Jahren ihre Kabarett-Trilogie. Jetzt folgt mit der Premiere von „Schlaglicht“ der zweiten Teil. Worauf dürfen wir uns freuen? Michael Altinger: Auf einen sehr aktiven Altinger, der das Chaos in unserem Leben sortieren wird. Voller Energie und ohne Kompromisse, mit viel Musik und schrägen Typen.

So kennt man den Altinger: sehr energiegeladen. Worum wird es dabei gehen? Also in erster Linie geht es um die Freundschaft zweier Herren, die seit über 25 Jahren gemeinsam auf Tour sind. Das ist der Handlungsrahmen für mein Kernthema: Was hält eine Gemeinschaft zusammen und wie viel ist diese Gemeinschaft dem Einzelnen noch wert? Dabei geht es auch darum, ob und wie wir an gelernten und liebgewonnenen Verhaltensweisen festhalten. Oder anders ausgedrückt, wie wir uns die Welt zurechtlegen, vielleicht wegsehen, um der Realität nicht ins Auge schauen zu müssen.

Der ewige Lausbub des Kabaretts geht jetzt streng auf die 50 zu. Reicht da die Kraft noch für das gewohnte Altinger-Spektakel? Ich gebe zu: ich habe erstmals einen Stuhl mit auf der Bühne. So kurze Verschnaufpausen gönne ich mir schon. Die sind allerdings wirklich nur ganz kurz. Versprochen. Abgesehen davon: Mein großes Ziel ist es ja, irgendwann auf der Bühne zu sterben. Aber vorher spiele ich noch ein paar Kabarett-Programme.

Wie kam es zum Titel „Schlaglicht“? Ein Schlaglicht ist ein kurzes Aufleuchten in der Dunkelheit, ein Lichtkegel, der einen bestimmten Ausschnitt hervorhebt. Das passt zur enormen Geschwindigkeit, mit der wir inzwischen leben. Die Leute suchen nach Orientierungshilfen und die werden langsam inflationär. Überall tauchen neue Heilsbringer auf und so einen stelle ich auch im Programm vor.

Welche Schlaglichter wird der Altinger auf die Bühne werfen? Da bietet sich eine große Bandbreite. Politiker, die zu kurze und einfache Antworten geben. Lebensberater, die ihre Verantwortung mit Entertainment verwechseln. Überhaupt alle, die sich vorwiegend mit ihrer Selbstinszenierung beschäftigen und nicht wirklich anpacken wollen.

Schaffen es auch aktuelle Schlaglichter und Themen aus der Politik auf die Bühne? Vielleicht sogar die eine oder andere Zukunftsangst eines Michael Altinger? Aktuelle Schlaglichter baue ich immer wieder in mein Programm ein, wenn sie mich besonders aufregen. Am meisten Sorge macht mir, dass viele Leute übersehen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Dass unser Wohlstand, unser Rechtsstaat, die Demokratie als gottgegeben und selbstverständlich wahrgenommen werden. Gott sei Dank gibt es einige, die erkennen, dass man dafür etwas tun muss. Das sind aber noch viel zu wenige. Mich beunruhigen mehr so manche gesellschaftliche Strömungen, vor allem, dass ein Großteil der Menschen inzwischen gar nicht mehr wahrnimmt, wie gut es uns hier Deutschland geht, nicht nur materiell. Unser Rechtsstaat, die Demokratie, das wird ja fast als gottgegeben und selbstverständlich angesehen. Ist es aber nicht. Gott sei Dank gibt es einige, die erkennen, dass man dafür etwas tun muss. Das sind aber noch viel zu wenige... Muss man denn den ersten Teil „Hell“ gesehen haben, um den zweiten überhaupt zu verstehen? Nein, gar nicht. Ich habe einen kurzen Rückblick so verpackt, dass alle schnell in der Spur sind. Dieses Programm ist zwar eine Fortsetzung, steht aber auch für sich.

Entwickeln Sie Ihre Programme denn ganz alleine? Es wird bei einer Trilogie ja doch ein großer Bogen gespannt. Nein, da hab ich inzwischen eine richtige Mannschaft um mich aufgebaut. Das beginnt bei meiner Band, dem Martin Julius Faber. Dann meine beiden Co-Autoren, Alexander Liegl und Thomas Lienenlüke, die sich in mein Hirn einklinken können.

Das geht? Es ist mir selber irgendwie unheimlich. Aber die setzen sich tatsächlich in mein Hirn und schreiben als „Altinger“ weiter. Und dann ist da natürlich meine Regisseurin, Gabi Rothmüller, ohne deren Inszenierung ich mich gar nicht mehr auf die Bühne trauen würde.

Viele ihrer Fans kennen Michael Altinger aus dem Fernsehen. Der TV-Altinger ist allerdings beherrschter oder zahmer als der umtriebige Wirbelwind auf der Bühne. Ich mag die Liveatmosphäre eben deshalb, weil die Interaktion und der Kontakt zum Publikum so direkt sind. Das ist doch sehr lebendig. Bei den TV-Aufzeichnungen spiele ich ja eher vor einem Gerät, der Kamera. Es ist eine andere Herausforderung, die Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer zu gewinnen, die mich eben nicht direkt live erleben.

Immer mehr Zuschauer schauen heimlich auf ihr leuchtendes Smartphone oder vergessen sogar, es vor der Vorstellung auszuschalten. Wie gehen Sie damit um? Das ist tatsächlich ärgerlich, aber zum Glück ist es im Kabarett nicht so verbreitet. Erstaunlich daran ist, dass es gar nicht so sehr die jungen Leute sind, die während der Vorstellung auf dem Smartphone rumwischen, eher die älteren Menschen. Inzwischen lass ich mich davon nicht mehr aus der Ruhe bringen und habe sogar eine schöne und lustige Nummer zu diesem Thema ins Programm aufgenommen. Darüber hinaus gibt es bei meinem Tempo auf der Bühne gar keine Chance, sich dem Handy zuwidmen, wenn man nicht die Story verpassen will. Und das will keiner, deshalb sitzt man ja im Zuschauerraum.

Die DACHAUER RUNDSCHAU verlost 3x2 Tickets für die Veranstaltung „Hell“ am Mittwoch, 5. Februar, um 20 Uhr im Lustspielhaus München. Sie können sich online am Gewinnspiel beteiligen. Dazu das Formular bis zum 29. Januar ausfüllen, Stichwort ist "Altinger" und der eigene Familienname.

red


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Quelle: Dachauer Rundschau

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