Bezzel gibt eher den freundlichen Krankenpfleger

TV-Kritik zum ARD-„Tatort“ aus Ludwigshafen: Klinisch tot

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Nicht glaubwürdig: Sebastian Bezzel als verrückter Professor, hier mit Ulrike Folkerts als Ludwigshafener „Tatort“-Ermittlerin Lena Odenthal.

Die Geschichte vom genialen (oder sich selbst für genial haltenden) Wissenschaftler, der bei der Verwirklichung seiner Ideen buchstäblich über Leichen geht, ist ein beliebter Krimiplot.

Implantiert in ein gutes Drehbuch, kann so eine Geschichte ihren eigenen Charme entwickeln. Nicht jedoch bei Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).

Im Grunde ist in „Maleficius“ schon die Wahl des Episodenhauptdarstellers ein Kunstfehler. Wer nimmt dem viel beschäftigten Sebastian Bezzel die Rolle des Edelmediziners ab, der davon schwadroniert, „den Homo sapiens mit der von ihm selbst geschaffenen Künstlichen Intelligenz zu fusionieren“? Bezzel gibt hier eher den freundlichen Krankenpfleger als den verrückten Professor. In keinem Moment ist er die Mitte dieses Krimis, daran ändern auch das kalte, weiße Ambiente seiner Wirkungsstätte und die zur Schau gestellte futuristische Medizintechnik nichts.

„Tatort“ mit Ulrike Folkerts aus Ludwigshafen: Kein Klischee ausgelassen 

Aber wie will Autor und Regisseur Tom Bohn auch Leben in diesen Fall hineinbringen, vermutlich gar „zum Nachdenken anregen“, wenn er bei der Wahl seiner Akteure kein Klischee auslässt? Hier die tumben Autofreaks (Gregor Bloéb, Tim Ricke), durch deren Versagen einer der ihren in die Querschnittlähmung gerast ist und nun von Heilung träumt, dort der „Pastor“ (Heinz Hoenig), der in der Krankenhauskapelle Kerzen anzündet und von „Demut vor der Schöpfung“ raunt.

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Sätze wie Sprüche aus dem Poesiealbum verabreicht Bohn seinen Figuren, kein Wunder, dass die Schauspieler da am Tropf hängen. Bezeichnend, dass sich das Geschehen nicht selbst erklärt, sondern Chefermittlerin Odenthal am Ende erläutern muss, wer der Mörder ist – es ist, o Wunder, das wieder zum Laufen gebrachte Unfallopfer, Frankensteins Monster. „Maleficius“ – mal wieder ein klinisch toter „Tatort“ aus Ludwigshafen.

Der Tatort ist seit Jahrzehnten eine der beliebtesten Serien im deutschen Fernsehen. Nun interessiert uns, wie viel die Kommissare im echten Leben verdienen würden.

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