„Der Elefant im Raum“

Schweizer Käse - ein Eidgenosse sah mit uns den letzten „Tatort“ aus Luzern

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Der Schweizer Daniel Isenrich und seine Ehefrau Birgit schauten für uns den letzten „Tatort“ aus Luzern. In der Originalfassung. Käsefondue und Schweizer Wein trösteten über den schlechten Film hinweg.

Den letzten „Tatort“ aus Luzern sah unsere TV-Kritikerin Katja Kraft zusammen mit einem Eidgenossen. Das Urteil des Experten aus St. Gallen fällt eindeutig aus: Der Krimi ist Schweizer Käse.

Während die Großkopferten im Film ihre Champagnergläser erheben, öffnet Daniel Isenrich die erste Flasche. Ein Heida aus dem Wallis, die Perle der Alpenweine. Eigentlich zu schade für das, was in den nächsten eineinhalb Stunden folgt. Der letzte „Tatort“ aus Luzern, der gestern in der ARD lief, machte einem den Abschied leicht. „Der Elefant im Raum“ erzählte eine krude konstruierte Geschichte über ein Dickicht aus Mord, Fehlinformationen und Intrigen bis in die höchsten Ebenen. Viele Fans der Krimi-Reihe mutmaßen, dass die Luzerner „Tatorte“ nur deshalb häufig enttäuschten, weil die Übersetzung so mies sei. Zum Abschied geben wir Delia Mayer als Kommissarin Ritschard und Stefan Gubser als Kommissar Flückiger also noch einmal eine Chance. Haben wir ihnen neun Jahre lang Unrecht getan? Sind ihre Fälle im Original Krimi-Kunst auf höchstem Niveau?

Immer schön Achten rühren! So erwärmt der Experte die Käsemischung.

Um das herauszufinden, benötigen wir Hilfe vom Experten. Isenrich kommt aus St. Gallen, lebt in München und vertreibt hier Spezialitäten aus seiner Heimat (www.isi-trade.de). Mit ihm als Dolmetscher schauen wir die Schweizerdeutsche Version des letzten Luzerner Falls. Als im Film eine Signalpistole abgefeuert wird, holt der 59-Jährige die Schere heraus. Er öffnet zwei Packungen Gletscherfondue, Geschmacksrichtung: Champagner-Trüffel. Bereit zum Abschiedsfest.

Sind die Luzerner „Tatorte“ einfach schlecht übersetzt?

Im Fernseher geht es zäh voran, im Topf aber verflüssigt sich der Käse zu einer herrlich samtigen Masse. „Man muss immer schön Achten rühren“, betont Isenrich, als er die Mischung auf der Herdplatte vorbereitet. Schweizer Geheimtipp. Ob Fünfen oder Sechsen alles versaut hätten, wagt man als Deutscher nicht laut zu hinterfragen – stellt aber fest, dass das, was da so liebevoll in Achter-Bewegungen gerührt wird, schon ziemlich köstlich duftet.

Schweizer Spezialitäten: Im Krimi darf nie der Mörder fehlen – beim gelungenen Gletscherfondue nie Brot und Appenzeller Mostbröckli.

Als Isenrich den Topf auf den Tisch-Brenner stellt, bellt im Film ein Hund. Als würde er das Appenzeller Mostbröckli riechen, das Isenrichs Frau Birgit serviert. Nur Brot, diese Fleischspezialität und Trüffelsalami kommen bei ihnen in den Topf. Im „Tatort“ wird es immer verworrener, in den Mündern der Zuschauer dafür klar: Geschmacksexplosion! Jeder Happen versöhnt für den Käse, der neben uns im Fernseher läuft. Und eins ist gewiss: Als Isenrich in Minute 40 die Augen zufallen, liegt das nicht am zu schweren Essen.

Fazit: „Asterix bei den Schweizern“ bietet mehr Unterhaltung als der „Tatort“ aus Luzern.

In Minute 65 haut Flückiger einem Journalisten eins auf die Nase; Isenrich wird wieder wach. Und hilft bei der Übersetzung der letzten halben Stunde. Denn tatsächlich hört sich das alles auf Schweizerdeutsch zwar weniger aufgesagt an als in der synchronisierten Fassung. Doch an der wirren Handlung ändert das ja nichts.

Minute 75: Der Täter wider Willen hält eine Wutrede gegen unsere übersättigte Gesellschaft. Wir langen erneut zu. Und fühlen uns nicht mal schäbig dabei, als wir genüsslich die Fettkruste vom Topfboden kratzen. Dafür schmeckt das hier einfach zu gut – und zieht das, was wohl als Gesellschaftskritik gemeint ist, zu wenig eindrucksvoll an einem vorbei.

„Chasch nöd s Föifi und s Weggli ha“ heißt ein Schweizer Sprichwort. Bedeutet so viel wie: Du musst dich für das eine oder das andere entscheiden. a) „Tatort“ oder b) Fondue? b)! b)! b!) Isch doch wohr!

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