Schauspieler im Interview

ARD-Star Bjarne Mädel verrät, wie „Geliefert“ ihm die Augen geöffnet hat

ARD-Schauspieler Bjarne Mädel als Paketbote
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„Mir ist durch den Film noch einmal klar geworden, wie anstrengend dieser Job ist“, sagt ARD-Schauspieler Bjarne Mädel im Interview.

Im ARD-Film „Geliefert“ spielt Bjarne Mädel einen alleinerziehenden Vater und Paketboten. Im Interview spricht der TV-Star darüber, wie hart der Job ist.

Wo Bjarne Mädel draufsteht, ist immer etwas Gutes drin. Ob der Schauspieler („Stromberg“, „Der Tatortreiniger“, „25 km/h“) einfach ein gutes Händchen für starke Rollen hat oder ob er die Figuren erst zu besonderen macht – es ist wohl eine Mischung aus beidem. In dem ausgesprochen sehenswerten Film „Geliefert“, den die ARD heute zur besten Sendezeit zeigt, spielt der 53-jährige Hamburger einen Paketzusteller und alleinerziehenden Vater am Limit. Wir trafen Bjarne Mädel erneut in einem Interview.

Ich wohne im vierten Stock, ohne Aufzug. Seit ich Ihren Film gesehen habe, gehe ich den Paketboten immer entgegen, wenn sie für uns etwas haben. Ich möchte ihnen den Alltag wenigstens etwas erleichtern.
Das ist sehr gut! Und ich freue mich, wenn der Film auch bei den ARD-Zuschauern etwas Ähnliches bewirken könnte.
Wie halten Sie es selbst mit dem Online-Bestellen?
Ich musste gar nicht so viel verändern, weil ich schon vor dem Film nicht so gern Sachen bei Lieferdiensten bestellt habe. Ich musste da also nicht umdenken. Aber mir ist durch den Film noch einmal klar geworden, wie anstrengend dieser Job ist. Und in den Monaten der Pandemie wurde und wird immer noch so viel bestellt wie nie zuvor! Das finde ich immer noch ein bisschen komisch.
Wieso komisch?
Komisch, weil ich dachte – oder eher gehofft hatte –, dass es in dieser Zeit doch um das geht, was wirklich wichtig ist im Leben: Gesundheit. Familie. Freunde. Das Grundsätzliche sozusagen. Aber die Leute haben weiter konsumiert wie blöd. Klamotten bestellt. Deko, Möbel. Und irgendwer muss das alles durch die Gegend fahren und vor allem ja auch schleppen. Ich finde sehr schön, dass unser Film den Fokus mal auf die Menschen legt, deren Rücken so viel aushalten müssen.
Im Film gibt es einen Kunden, der sich seinen Wein in die Wohnung liefern lässt – obwohl der Weinladen im Erdgeschoss des Hauses ist, in dem der Kunde wohnt.
Ein Irrsinn, oder?! Und der Typ denkt noch, er tut dem Boten einen Gefallen, nach dem Motto: Ich sichere deinen Job! Aber so etwas gibt es wirklich. Das System funktioniert ja auch nur, weil es Menschen wie diesen Kunden gibt, der glaubt, sein Rücken ist mehr wert als der des Kurierfahrers. Sonst könnte er sich seinen Wein ja auch selbst hochtragen. Das ist übrigens ein ganz grundsätzliches gesellschaftliches Problem bei uns: Dass manche Menschen glauben, sie seien mehr wert als andere, nur weil sie mehr Geld verdienen. Das finde ich hochproblematisch. Und zeigt sich dann eben besonders im Verhältnis zu Menschen wie Volker.
Müssen Kurierfahrer wirklich in Wasserflaschen pinkeln, weil sie keine Zeit für eine Pause haben? So macht es Volker.
Ich habe während meines Studiums diesen Job selbst mal gemacht, habe in den Ferien Sachen ausgefahren. Und da war es tatsächlich so, dass man keine Zeit für Pausen hatte – nicht mal, um auf die Toilette zu gehen. Und so musste man das dann eben im Auto erledigen. Man hatte auch keine Mittagspause. Gegessen wurde dann während der Fahrt. Anders ging es nicht.
Und was ist mit den GPS-Trackern in den Scan-Geräten? Beim Anschauen des Films hofft man, dass diese Kontrolle seitens des Chefs, die Qualen und der Druck, dem die Fahrer ausgesetzt sind, überzeichnet sind.
Sind sie aber leider nicht! Der Film ist sehr nah an der Realität. Das muss man sich beim Anschauen vor Augen führen.
Sie haben eine echte Bandbreite an Emotionen zu spielen, erzählt wird ja auch noch vom innigen, aber auch schwierigen Verhältnis zwischen Volker und seinem Sohn. Würden Sie sagen, die Rolle war ein Geschenk für Sie – oder sind Sie das Geschenk für die Rolle?
Das wäre ja jetzt sehr eitel, wenn ich die Frage so beantworten würde. Nach dem Motto: Das Buch war eigentlich nicht so doll, aber was ich dann draus gemacht hab’ – groooße Klasse. (Lacht.) Es stimmt aber auch absolut nicht, das Buch war toll. Die Dialoge sind sehr glaubwürdig, das haben wir gleich bei der ersten Leseprobe gespürt. Also war diese Arbeit ein Geschenk. Und ich habe die Rolle auch sehr gern gespielt.
Der Autor und Regisseur Jan Fehse hat gesagt: „Dass ich mit ‚Geliefert‘ einem Helden aus unserer Mitte Beachtung schenken durfte, macht mich sehr glücklich.“ Was ist für Sie persönlich das Heldenhafte an Volker?
Ich will nicht zu viel verraten – aber dass er am Ende doch irgendwie aufrecht bleibt, ist für mich heldenhaft. Dass er weiterkämpft und nicht zerbricht. Das hat Größe. Und ich finde es tatsächlich auch gut, dass man auf einen wie Volker mal das Scheinwerferlicht richtet. Schön wäre es, wenn die Zuschauer nach dem Film die Menschen, die ihnen buchstäblich etwas bringen, etwas besser behandeln und nicht nur nett zu denen sind, die ihnen „etwas bringen“.

Nick Julius Schuck spielt Benny, Volkers 16-jährigen Sohn. Man müsste ihn als Entdeckung feiern – aber er hat schon so viel gedreht, dass sich das eigentlich verbietet. Seit seinem sechsten Lebensjahr steht Schuck vor der Kamera. „Meine Oma hat als Komparsin gearbeitet“, erzählt der Kölner im Gespräch mit unserer Zeitung. „Irgendwann hat sie mich mitgenommen, und dann habe ich bei ,Ladykracher’ mitgespielt, mit Anke Engelke.“

Video zu ARD-Schauspieler Bjarne Mädel

Weil er so viel Spaß an der „Arbeit“ hatte, suchte sich Schuck eine Agentur, die registrierte ihn – und so nahm die Geschichte ihren Lauf. Mit elf drehte er seinen ersten Film („Der letzte schöne Tag“ mit Wotan Wilke Möhring und Julia Koschitz), es folgten eine Reihe kleinerer Rollen. Einem breiten Publikum wurde Schuck durch die Vox-Serie „Club der roten Bänder“ bekannt (2015 bis 2017 und 2019). „Andere sind zum Fußballplatz gegangen, ich bin ans Set gefahren und habe einen Film gedreht“, lacht der heute 19-Jährige. Und der nächste kommt bestimmt: „Jetzt darf ich meinen Traumjob ausüben.“ 

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