Peter Patzak, Regisseur der legendären Reihe „Kottan ermittelt“, ist mit 76 Jahren verstorben

„Kottan“-Fans trauern: Zum Tod von Regisseur Peter Patzak

Porträt des Regisseurs Peter Patzak
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Regisseur Peter Patzak (1945-2021)

Mit „Kottan ermittelt“ setzte Patzak einen Meilenstein in der Geschichte des deutschsprachigen Fernsehkrimis. Jetzt ist der österreichische Regisseur im Alter von 76 Jahren gestorben. Unser Nachruf.

  • Der Regisseur Peter Patzak wurde am 2. Januar 1945 in Wien geboren.
  • Seine Krimi-Reihe „Kottan ermittelt“ wurde TV-Kult.
  • Jetzt ist der Filmemacher mit 76 Jahren nach einer Herz-OP gestorben.

„Inspektor gibt’s kaan!“ Das war der Leib- und Magenspruch von Adolf Kottan, dem berühmtesten Polizisten, den Österreich je hervorgebracht hat. Denn der „Dolferl“, der zwischen 1976 und 1983 die Fernsehzuschauer zwischen Wien und Wuppertal ebenso verstörte wie begeisterte, war leibhaftiger Major. Und nun gibt es nicht mehr nur keinen Inspektor – sondern auch keinen „Kottan ermittelt“-Regisseur mehr. Peter Patzak, der den hinreißend anarchischen Ermittlungs-Irrsinn inszenierte, ist jetzt mit 76 Jahren im Krankenhaus von Krems verstorben, offenbar nach einer Herz-OP.

„Kottan ermittelt“ würde heute wohl einen Shitstorm provozieren

Das Wiener Sicherheitsbüro und alle Kottan-Fans tragen Trauer. Gemeinsam mit dem bereits 2003 gestorbenen Autor Helmut Zenker hatte sich Patzak eine wahnwitzige Polizisten-Welt ausgedacht, wie sie heute undenkbar ist. Polizeipräsident Pilch und der bösartige Kaffeeautomat, der einbeinige Assistent Schremser, die Ufo-Landung in Duisburg und dazu Adolf Kottan, bei dem allein schon der Vorname im muffigen Nachkriegs-Österreich eine Provokation war – der Shitstorm, der heute über die Serie hereinbrechen würde, wäre übelst riechend.

Damals trauten sich Sender (ab 1980 auch das ZDF) und Redakteure noch so eine abenteuerlich absurde und politisch boshafte Polizei-Parodie. „Der normal ermittelnde Kommissar hat mich nie interessiert“, blickte Patzak auf seinen Kottan zurück, den der ORF 1983 Knall auf Fall in den Ruhestand versetzte, obwohl die Bücher für die Folgen 20 bis 25 bereits fertig waren. Generalintendant Gerd Bacher, so Zenkers Sohn Jan, „meuchelte“ die Serie, um sich bei der Wiener Politik lieb Kind zu machen.

Peter Patzak war selbst Sohn eines Polizei-Majors

Professor Peter Patzak, selbst Sohn eines Polizei-Majors, brillierte später auch als Theaterregisseur, als Schriftsteller und Maler. Der Wiener konnte so viel mehr, als „nur“ mit drei verschiedenen Kottan-Darstellern (Peter Vogel, Franz Buchrieser und Lukas Resetarits) Schabernack zu treiben. Für seine Arbeiten erhielt er unter anderem den Regiepreis der Biennale in Venedig und den Max-Ophüls-Preis.

Wenn Patzak und Zenker jetzt irgendwo da oben mit ihren längst verstorbenen Darstellern von Kurt Weinzierl bis Walter Davy und C. A. Tichy zusammentreffen, wird es hoffentlich wieder unterhaltsam bis anarchisch. Und vielleicht spuckt der himmlische Automat ja endlich freiwillig Kaffee aus.

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