Interview: Nach ihrem Schlaganfall erfüllt sich Komikerin Köster Reiseträume im Rollstuhl

RTL: Gaby Köster gibt wieder Gas!

Komikerin Gaby Köster (li.) und ihre Freundin Beate Bohr
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Zwei Seelenverwandte: Komikerin Gaby Köster (li.) und ihre Freundin Beate Bohr verbindet der gleiche Sinn für Humor und eine große Reiselust.

Bei RTL erfüllt sich Komikerin Gaby Köster Reiseträume im Rollstuhl. 2008 hatte der Fernseh-Star einen schweren Schlaganfall erlitten. Die Lebensfreude hat er ihr aber nicht genommen, wie die 60-Jährige in unserem Interview beweist.

Ein Interview mit Gaby Köster ist in geschriebener Form nur der halbe Spaß. Was Sie verpassen? Ihre kräftige Stimme, gefärbt vom Kölner Karnevalsslang, ihr dunkles Lachen und den bisweilen schwarzen Humor, der aus ihren klugen Worten blitzt. Letzterer hat die weißblonde Comedy-Ikone nach einem schweren Schlaganfall, den sie 2008 mit gerade mal 46 Jahren erlitt, zurück ins Leben geholt. Die Krankheit raubte Köster die Karriere („7 Tage – 7 Köpfe“, „Ritas Welt“) und ihre Bewegungsfreiheit. Sie schenkte der heute 60-Jährigen aber auch die Erkenntnis, dass nichts, wirklich nichts, im Leben aufgeschoben werden sollte. Deshalb reiste sie mit einer „verrückten Bucket List“ im Gepäck und ihrer besten Freundin Beate nach Südfrankreich, um sich ein paar Herzenswünsche zu erfüllen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Gaby Köster, warum diese außergewöhnliche Abenteuertour, die RTL am 19. Januar um 20.15 Uhr zeigt, so wichtig für sie war.

Eine Bucket List ist eine Aufstellung von Dingen, die man noch vor seinem Tod erleben möchte. Wie schwer fiel es Ihnen, eine Auswahl zu treffen?

Gaby Köster: Och, das war eigentlich ganz einfach. Ich hab immer noch jede Menge Flausen im Kopf. Für mich hat das auch nichts mit dem Tod zu tun. Jeder Mensch sollte sich im normalen Leben so eine Liste machen – egal, ob er gesund oder wie ich körperlich eingeschränkt ist. Weil wie wir ja alle wissen, man am Ende nicht die Dinge bereut, die man gemacht hat, sondern die Sachen, die man aufgeschoben hat.

Das kann Ihnen nicht passieren: Sie wollten auf Camargue-Pferden reiten, in einer Kommune einchecken und sich auf einer Luxus-Jacht einquartieren. Was hat Sie auf Ihrer Reise am meisten bewegt?

Gaby Köster: Das war schon die Zeit in der Selbstversorger-Kommune in La Borie Noble, in der Menschen aus aller Welt aufeinandergetroffen sind. Ich wollte schon immer mal in eine Kommune, weil ich diese Lebensform so gar nicht kenne. An meinem letzten Abend haben dann die Leute alle für mich gesungen und das war irre berührend.

Auf Ihrer Reise hat Sie Ihre beste Freundin Beate Bohr begleitet. Was schätzen Sie an ihr?

Gaby Köster: Wir haben ein sehr ähnliches Humorzentrum, was dazu führt, dass chaotische Situationen – auch auf Reisen – oft im Lachflash enden. Beate ist für mich eine Seelenverwandte. Und ich weiß, dass das ein Riesenglück ist, wenn man so jemandem im Leben begegnet.

Auf dem Hof von Stephanie Arnaud (hi. li.) setzt sich Gaby Köster (Mi.) in den Sattel eines Camargue-Pferdes.

Sie sitzen meist im Rollstuhl – wie hat sich das Reisen im Vergleich zur Zeit vor Ihrem Schlaganfall verändert? Müssen Sie mehr organisieren?

Gaby Köster: Nee, dafür bin ich gar nicht der Typ. Ich plane nicht groß. Ich überlege mir einfach, wohin ich möchte und was ich sehen will – dann scheitere ich zwar hin und wieder an Bürgersteigen, aber auch das ist zu bewältigen. Wenn ich keine Hilfe dabeihabe, dann frage ich einfach Passanten. Man muss den Mut haben, die Mitbevölkerung um Unterstützung zu bitten.

Fiel Ihnen das früher schwer?

Gaby Köster: Na klar, damit hatte ich anfangs irre Probleme. Ich war immer ein praktischer Typ, hab meine Bude selbst renoviert und war gewohnt alles allein hinzukriegen. Nach dem Schlaganfall musste ich erst lernen: Andere um Hilfe zu bitten ist nicht einfach, aber machbar und oft bereichernd.

Nach Ihrem gesundheitlichen Tiefschlag vor 14 Jahren hatten Sie die Hoffnung, dass alles wieder so wird wie früher. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Gaby Köster: Nicht wirklich. Ich kann ein bisschen laufen, aber nicht allein. Und mein linker Arm stellt sich immer noch taub. Also wenn ich merke, dass Leute, die mich an der Hand nehmen, Hemmungen haben, dann sage ich immer: Du musst einfach so tun, als wäre ich deine besoffene Freundin und du bringst mich nach Hause. (Lacht.)

Mit RTL konnten Sie den Träumen auf Ihrer Bucket List folgen, was würden Sie sich von der berühmten guten Fee wünschen?

Gaby Köster: Die sollte auf jeden Fall erst mal meinen linken Arm mobilisieren; weil dass der Mensch zwei Arme hat, das hat schon einen tieferen Sinn. Ansonsten wünsche ich mir nur, dass mir noch genügend Zeit bleibt, noch ein paar Ziele zu erreichen.

Würden Sie Ihre Koffer gern wieder packen und weitere Abenteuer erleben?

Gaby Köster: Das wäre wirklich ein Traum. Hawaii steht auf meiner Wunschliste ganz oben. Vielleicht könnte ein Schamane ja noch das eine oder andere reparieren. Aber erst mal hoffe ich, dass die Zuschauer an dieser ersten Reise, die für mich die lustigste Klassenfahrt meines Lebens war, so viel Spaß haben wie ich.

Sendehinweis: Die Reisedokumentation „Gaby Köster – Meine verrückte Bucket List“ zeigt RTL am 19. Januar um 20.15 Uhr. Im Anschluss wird die Komikerin live bei „Stern TV“ zu sehen sein.

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