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TV-Kritik zum Frankfurter Tatort: Der Horror geht weiter

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Von: Astrid Kistner

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Richard Voss (Golo Euler) demütigt ­seine Ehefrau Meike (Lina Beckmann) körperlich und verbal © HR/Bettina Müller

Auch in der neuesten Tatort-Folge aus Frankfurt am Main lassen Kommissar Brix und Kollegen die Zuschauer auf dem heimischen Sofa wieder mächtig schaudern.

Frankfurt am Main - Sie bekommen den Horror einfach nicht von den Hacken! Im vorherigen, reichlich experimentellen Grusel-Tatort aus Frankfurt fiel die hübsche Villa von Kommissar Brix (Wolfram Koch) einem uralten Fluch zum ­Opfer, und jetzt erleben die Ermittler den blanken Horror in der Familie. Unter Kriegern heißt der neueste Fall, der die Herrschaften von der Kripo in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt. Schuld daran ist Felix, großartig gespielt von Juri Winkler.

Ein Kind, das der Höllenbrut aus Gruselschockern wie Das Omen alle Ehre machen würde. Hinter dem Engelsgesicht des Jungen verbirgt sich eine ­rabenschwarze Seele. Er mobbt Mitschüler, stalkt Mädchen, demütigt seine Mutter und mordet schließlich auch. 

Machtbesessener Vater, grenzdebile Mutter

Dass dieser Satansbraten hinter dem grausamen Tod eines Migrantenjungen steckt, der qualvoll im Keller eines Trainingszentrums verdurstet, ist in diesem Tatort leider schon recht früh klar. Eine Erkenntnis, die auch von einem ekelhaft machtbesessenen Vater, einem psychisch schwer angeschlagenen Hausmeister und der grenzdebilen Mutter nicht zerstreut werden kann.

Dass man trotzdem dabei bleibt, ist Hermine Huntgeburths großartigen Bildern zu verdanken. Die ­Regisseurin taucht sie in diesem von Soziopathen und Egomanen bevölkerten Krimi in eindrucksvolle Farben, fängt die Einsamkeit der Protagonisten in langen Einstellungen ein und nimmt sich Zeit, die Gesichter dieser völlig verlorenen Seelen zu studieren. So richtig mitleiden aber kann man mit keiner der Personen. Höchstens mit Kommissar Brix, der verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist und sich seinem ganz persönlichen Horror auf dem Frankfurter Mietmarkt stellt.

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