Bauausschuss über Einzäunung von Schulen

„Käfige wie in Amerika?“

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Die Augustenfelder Grundschule soll eingezäunt werden, um Gefahren für die Kinder zu vermeiden.

Dachau - Es lagen Schreiben der Rektorinnen der Grundschulen vor. In diesen führte Helga Schiller, Rektorin der Grundschule Augustenfeld, an, dass Schüler auf dem Pausenhof fotografiert, von fremden Personen angesprochen und zum Mitgehen aufgefordert würden.

Sachbeschädigungen, Schmierereien an Gebäuden und Gelände, Diebstahl und Vermüllung vor allem an Wochenenden wären ebenfalls ein Problem. Ebenso konnten einige Kinder das ganze Jahr nicht auf den Schulhof, weil sie wegen ADHS „sich nicht selbst steuern konnten und auf die Straße gelaufen sind“.

Zäune gleich Käfig?

Den Stadträten gefielen weder die Argumente noch der Gedanke an Zäune. Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) befürchtete gar „amerikanische Verhältnisse“ mit „Käfigen überall“. Er argumentierte auch gegen „das Abschneiden von Freiflächen“, und forderte im Gegenteil einen Grundsatzbeschluss gegen Umzäunungen von Schulen. Dominik Härtl (CSU-Fraktionsvorsitzender) hatte nach eigener Aussage auch zunächst ähnliche Gedanken, auch wegen der Ästhetik, gab aber zu bedenken, dass man die Ängste ernst nehmen sollte. Zudem versuchte er die Wogen zu glätten, weil man nicht gleich an einen „Drei-Meter-Zaun mit Stacheldraht“ denken müsse. Es gäbe auch andere Möglichkeiten der Umfriedung. Sylvia Neumeier (SPD) wandte sich mit einem flammenden Plädoyer gegen Zäune. Diese hätten „weder sie noch sonst jemanden von Vandalismus abgehalten“. Bei dem Argument wegen der ADHS-Kinder wurde sie richtig zornig: Diese wären nicht einzusperren, sondern im Gegenteil „zu scheuchen“. Sie werde gegen den Antrag stimmen, auch wenn man Ängste verstehen könne.

Zäune gefährden "freie Campusgestaltung"

Thomas Kress (Grüne) schloss sich dem an. Er hatte im Vorfeld bei der Polizei nachgefragt, die die aufgeführten Vorkommnisse nicht bestätigen konnte. Auch das Schulamt wusste nach Aussage von Leiterin Isolde Stefanski davon nichts. Laut Kommunaler Unfallversicherung Bayern (KUVB) gibt es keine Richtlinie, nach der ein Schulgelände eingezäunt werden muss. Das widersprach einem der Argumente, nach dem ohne Umzäunung ein „vom Kultusministerium und der gesetzlichen Unfallversicherung gefordertes Sicherheitskonzept“ nicht umgesetzt werden könne. Die Verwaltung sieht in einer Umzäunung einen Widerspruch zum Grundsatz der „freien Campusgestaltung“. Sie verstößt gegen die Politik der „Offenheit und Freizügigkeit“ in Dachau und würde die Pausenhöfe der öffentlichen Nutzung am Nachmittag entziehen.

Antrag abgelehnt, Thema bleibt aber im Gespräch

Da sich die Argumentation hauptsächlich auf die Grundschule Augustenfeld bezog, lehnte der Ausschuss den Antrag als solchen ab, beschloss aber, das Thema in die Gespräche über den Ausbau der Schule mit einzubeziehen und danach zu entscheiden.

whm

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