Dachau/Tage des Sehens

Für Verständnis und Miteinander

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Gästeführerin Anni Härtl spricht bei einer Schlossgartenführung alle Sinne an.

Dachau - Mit dem Projekt „Tage des Sehens“ soll die Öffentlichkeit für den Alltag Sehbehinderter sensibilisiert werden.

Langsam tastet Franziska Weigand (47) aus Niederroth zwei Bäume im Hofgarten ab. Der eine ist klein und jung, der andere dick und knochig. Weigand leidet seit rund 13 Jahren unter einer schweren Sehbehinderung. Gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen mit und ohne Sehbehinderung lässt sie sich von Gästeführerin Anni Härtl in die Geheimnisse des Parks und des Schlosses einführen. Die Führung ist Teil der Tage des Sehens, mit denen der Verein Behinderte und Freunde sowie die Beratungsstelle Auge für die Öffentlichkeit für die Bedürfnisse von Sehbehinderten und für Verständnis und Miteinander sensibilisieren wollte. Denn oft helfen einfache Tricks, um Betroffenen das Leben zu erleichtern. Zum Beispiel bei Führungen. „Es muss mehr beschrieben werden und man muss die Dinge auch einmal anfassen können“, sagt Weigand. Sie kommt gut mit der Krankheit zurecht. „Im Laufe der Zeit lernt man das.“ Auch die stellvertretende Kreisbehindertenbeauftrage Hildegard Baumgartner ist bei der Führung dabei. Sie leidet unter einer Erbkrankheit, die immer weiter fortschreitet. Früher konnte sie noch Auto fahren, heute hat sie einen starken Tunnelblick. Oft ist sie mit Blindenstock unterwegs. „Dann wissen die Leute Bescheid und sind sehr hilfsbereit“, erklärt sie. Zur Führung hat sie Brillen mitgenommen – so können auch die Sehenden testen, wie sich eine Sehbehinderung anfühlt. „Mir geht es darum, das Verständnis füreinander zu verbessern“, sagt Baumgartner. Darum hat sie gemeinsam mit Christine Unzeitig die Tage des Sehens organisiert. Dabei war ein vielfältiges Programm geboten mit Informationen zu Barrierefreiheit und zu Alltagshilfen, Vorträgen und einem Dunkel-Café, bei dem jeder testen konnte, zu trinken und zu essen, ohne etwas zu sehen. Zum Abschluss fand ein spezielles Sing-Projekt ohne Text statt. Die Organisatoren waren zufrieden. „Über die ganze Zeit hinweg waren Leute da“, sagt Unzeitig. Kommendes Jahr will sie Tage des Hörens veranstalten. Im Hofgarten werden zum Abschluss der Führung noch einmal alle Sinne angesprochen. Härtl hat Äpfel der verschiedenen Apfelbäume, die dort wachsen, mitgebracht – jede schmeckt ein bisschen anders.

cla

Quelle: Dachauer Rundschau

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