Bekommt der Landkreis Dachau einen Weinberg?

St. Georgs Kirche
+
Werden auf diesem Hang unterhalb der St. Georgs Kirche demnächst Weinreben heranwachsen? Das plant jedenfalls die Gemeinde Hebertshausen.

Gedeihen demnächst Rebstöcke am Steilhang unterhalb der Hebertshausener Kirche St. Georg? Das ist zumindest der Plan von Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl und seinem Gemeinderat. 

Mehr noch: Dort soll nicht irgendeine Weinsorte angebaut werden, sondern der „Dachauer Lump“. Ein legendäres Gewächs, das auch heute noch in einigen Gärten in der Kreisstadt und dem Dachauer Land zu finden sein könnte, wie deren Chef Johannes Hiller berichtet. Prinzipiell hält er den Anbau für möglich, rät hingegen dringend, vorab mit der Bayerische Landeanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim Kontakt aufzunehmen, sofern an eine kommerzielle Nutzung gedacht ist.

Reischl und seinen Hebertshausern geht es hingegen nicht ums Geld, sondern um die Bepflanzung des Hangs. Der könnte nämlich auf Dauer ins Rutschen geraten. Um die aufwendigen Restaurierungsarbeiten an der kleinen Kirche und dem umliegenden Gelände mussten in den vergangenen Jahre einige Bäume gefällt werden, die dem Hang einen Halt gegeben hatten. Der Fürholzener Landschaftsarchitekt Roland Krämer hatte die Idee mit dem Weinberg. Reischl und der Gemeinderat waren begeistert. „Die Straße zur St. Georg-Kirche heißt Am Weinberg. Anscheinend wurde hier früher schon einmal Wein angebaut“, berichtet der Bürgermeister. Zudem spiele Wein in der Kirchenliturgie eine besondere Rolle, so Reischl weiter. Krämer war es auch, der die Idee mit der heimischen Weinsorte hatte.

Wobei der „Dachauer Lump“ seit höchstens 140 Jahren in der Region heimisch ist. Es war der Gründer des Gartengestaltungsbetriebs, Gregor Flachslander, der die Rebensorte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in einem Bauernhof entdeckte. Hiller schickte die Traube vor einigen Jahre zur genaueren Bestimmung nach Veitshöchheim. Das Ergebnis war überraschend. Der „Dachauer Lump“ ist eine Hybridkreuzung aus einer französischen Traube „Folle Blanche“ und einer amerikanischen Traube namens „Noah“, haben die Franken eruiert. Der richtige Name der Traube lautet „Baco Blanc“, nach dem Züchter François Baco, dem die Kreuzung im Jahr 1880 gelang. Zu einer Zeit, in der die Reblaus viele einheimischen Sorten vernichtete.

Bis in die 1970er-Jahre bildete die Baco Blanc-Traube die Grundlage für Armagnac. Dann verschwand sie aus dem Profianbau, wohl weil sie anfällig für Mehltau ist. Ein Problem, das der Flachslander-Stock inzwischen anscheinend überwunden hat, erzählt Hiller.

Es gibt allerdings noch ein weiteres Problem: Bisher hat sich noch kein Hobby-Winzer gefunden, der den Hang bewirtschaften will. Obwohl die Gemeinde nur einen symbolischen Betrag als Pacht verlangen will. „Wenn wir keinen Weinbauern finden, dann bauen wir halt Hopfen an“, erklärte Rathauschef Reischl kürzlich auf der virtuellen Bürgerversammlung. Er hat schon Kontakt zu einer heimischen Craftbeer-Brauerei aufgenommen. 

Auch interessant:

Kommentare