105-jährige Franziskanerin von Schönbrunn friedlich eingeschlafen

Älteste Landkreis-Bürgerin gestorben

Die 105-Jährige Nonne mit einem Orangensaftglas.
+
Schwester Maria Irenäa Linseisen an ihrem 105ten Geburtstag.

Schwester Maria Irenäa Linseisen ist am Sonntag, 20. September, friedlich eingeschlafen. Noch am 18. Juli hat sie im Kreise ihrer Mitschwestern und Familienangehörigen ihren 105. Geburtstag gefeiert und war damit vermutlich die älteste Bürgerin im Landkreis Dachau.

Im Alter von 21 Jahren ist sie 1936 in das Kloster der Franziskanerinnen von Schönbrunn eingetreten, 1940 legte sie die erste, 1946 die Ewige Profess ab. Somit konnte sie dieses Frühjahr 80-jähriges Ordensjubiläum, das sogenannte Eichenjubiläum feiern. Sie stammt aus einer Landwirtsfamilie aus Willertshausen im Landkreis Freising, wo sie mit elf, zwischenzeitlich verstorbenen, Geschwistern aufgewachsen ist. Bis zum Klostereintritt arbeitete sie auf dem elterlichen Hof mit, so dass es verständlich war, dass sie auch im Kloster Schönbrunn 42 Jahre lang in der Landwirtschaft, in der Viehhaltung und im Ackerbau, davon 21 Jahre in Gut Häusern eingesetzt war. Ab 1978 war die Schwester zunächst in verschiedenen Aufgabenbereichen innerhalb des heutigen Franziskuswerk Schönbrunn tätig, anschließend für zwölf Jahre in der Begleitung und Betreuung für Menschen mit Behinderung. Selbst schon alt geworden, half Sr. M. Irenäa ab 1994 in der Betreuung und Pflege ihrer Mitschwestern im Schwesternaltenheim St. Raphael, wo sie ab 2011 dann schließlich selbst betreut wurde. Ihr Tagesablauf hatte bis zum Schluss eine feste Struktur: „Bete und Arbeite“ war ihre Devise. Die tägliche Teilnahme am Stundengebet der Schwestern, am Gottesdienst und das persönliche stille Gebet während des Tages in der Hauskapelle waren für sie ein Bedürfnis und eine Kraftquelle. Sr. Maria Irenäa war eine zufriedene, ausgeglichene, in sich ruhende und religiös fundierte Ordensfrau. Aus der Beziehung zu Gott und zur Natur, aus dem Zusammenleben und Geborgensein im Kreis ihrer Mitschwestern schöpfte sie Kraft und Freude am Leben. Obwohl sie seit mehreren Monaten an einigen Stunden am Tag an das Sauerstoffgerät angeschlossen und der Tagesrhythmus mit mehr Ruhepausen als früher verbunden war, erfreute sie sich einer recht stabilen Gesundheit.

Als sehr naturverbundene Schwester liebte sie den Blick von ihrem Zimmer in die Natur und verfolgte gerne den Wechsel der Jahreszeiten. Bis ins hohe Alter half sie noch bei der Obsternte mit, hielt die Gartenanlage um das Haus in Ordnung oder kehrte die Wege. Ihr Interesse für die Ereignisse um sie herum war trotz ihrer nachlassenden Sehkraft ungebrochen, sei es in der eigenen Gemeinschaft, im Franziskuswerk Schönbrunn oder im Pfarrverband, überhaupt für Kirche und Welt.

Auch interessant:

Meistgelesen

Medaille für Zivilcourage
Medaille für Zivilcourage
Ewige Ruhe im Baumschatten
Ewige Ruhe im Baumschatten

Kommentare