Gibt es in Dachau bald weniger Parkplätze?

Anwohnerparkzone beim Bahnhof Dachau
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Tagsüber stehen Dachaus Anwohnerparkzonen leer.

Stadträte setzten auf „Selbstselektion“ bei Neuzuzügen und wollen mehr Stellplätze streichen

Der Mangel an Parkplätzen im Dachauer Stadtgebiet ist für viele ein Problem. Das sehen auch die Freien Wähler Dachau so, die erst kürzlich davor warnten, dass gerade in der Innenstadt Läden aussterben könnten, weil potenzielle Käufer keine Stellplätze in Ladennähe finden können (die DACHAUER RUNDSCHAU berichtete).

Im letzten Bau- und Planungsausschuss am vergangenen Dienstag, beschlossen die Stadträte eine „angemessene Modifizierung der Parkplätze im Stadtgebiet“, was zu einer erheblichen Reduzierung an Parkraum führen könnte. CSU- Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky widersprach vehement: „Die CSU will auch eine Verkehrswende, schließlich haben wir allen dazugehörigen Projekten, wie dem Zehn-Minuten-Takt, zu gestimmt. Aber wenn es um eine Reduzierung der Parkplätze geht, die zu Wohnungen und Häusern gehören, können wir so nicht zustimmen.“ Auch wenn viele Dachauer ihren Arbeitsweg mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen würden, hätte, laut Schmidt-Podolsky, trotzdem jeder Haushalt ein Auto, das irgendwo abgestellt werden müsse. Bauamtsleiter Moritz Reinhold entgegnete ihr: „Wir plädieren dann auf Selbstselektion. Familien, die neu nach Dachau ziehen, müssen diese neue Parksituation berücksichtigen.“ Volker C. Koch (SPD) sah das ähnlich: „Es ist nicht Aufgabe der Stadt, Stellplätze zur Verfügung zu stellen.“ Oberbürgermeister Florian Hartmann fügte hinzu: „Bauherren können selbst entscheiden, wie viele Parkplätze sie zur Verfügung stellen. Die von der Stadt geforderte Mindestanzahl kann überschritten werden.“ Allerdings, gab Hartmann zu bedenken, dass nach Dachaus Parkplatzschlüssel weniger Wohnungen mit mehr Stellplätzen gebaut werden könnten. Er fügte hinzu: „Es sollen für Bauherren die Möglichkeit bestehen, ein langfristiges und sinnvolles Mobilitätskonzept vorzulegen. Das könnte sie von einer Parkplatzbaupflicht entbinden.“ Beispiele hierfür wären Car-Sharing wie es das Landratsamt mit seinem Neubau plant, Bustransporte, die TSV 1865 und ASV Dachau bei Großveranstaltungen anbieten oder eine gute Anbindungen zum Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Dazu kommt, dass Fahrradparkplätze beim Bau eines Pkw-Stellplatzes Pflicht werden. Weiterhin sollen mehr Bewohnerparkzonen im Stadtgebiet entstehen und vorhandene erweitert werden: „Das ist ein häufig genanntes Anliegen der Bürger,“ berichtete Hartmann.

Doch was für Anwohner tagsüber leere Straßen (Foto) bedeutet, geschieht oft zum Leidwesen von Berufspendlern – besonders dann, wenn sie aus dem wenig erschlossenen Hinterland anreisen. So geschehen in der neuen Anwohnerparkzone des Dachauer Klinikums: Pflegekräfte, die aus finanziellen Gründen (günstigere Mieten) auf dem Land mit schwieriger Anbindung an den ÖPNV wohnen müssen, finden in Dachau trotz leerer Straßenzüge keine kostenfreien Parkmöglichkeiten mehr. Es bleibt nur die Alternative, lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu pendeln.

Kritik wird laut, dass die Reduzierung städtischer Parkplätze nicht nur eine weitere Verödung der Stadt mit sich bringen kann, sondern zugleich ein Fernbleiben von Fachkräften zugunsten attraktiverer Standorte droht.

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