Projekt "Stolpersteine"

Statt Ziffern wieder Namen

+
Viele Zuschauer, sind zu den Verlegungen der Stolpersteinen gekommen, immer dabei: Florian Hartman (rechts) und Künst-ler Gunter Deming (knieend)

Dachau - Sie kamen aus ärmlichen Verhältnissen, hatte es im Leben nicht leicht, kämpften sich irgendwie durch. Doch am Ende verloren sie, denn sie wurden Opfer des Nazi-Regimes.

Die ehemaligen Dachauer Bürger Thomas Bleisteiner, Anton Felber, Johann Fflügler und Albert Vettermann bekommen jetzt zur ihren Ehren und zur Erinnerung sogenannte Stolpersteine. Diese wurden vergangenen Donnerstag an ihrem letzten freiwilligen Wohnort verlegt. Das Projekt Stolpersteine von Künstler Gunter Demnig wurde bisher in circa 1000 Orten in 18 Ländern mit mehr als 45000 verlegten Steinen realisiert. In Dachau befinden sich seit 2005 bereits sechs dieser Pflastersteine, die mit Geburts- sowie Sterbedaten in Messing an NS-Opfer erinnern.

Die Steckbriefe der vier Männer

Am Vorabend der Verlegung wurden die Biographien der vier Männer im Beisein von einigen Angehörigen von Sabine Gerhardus, Projektleiterin „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“ und „Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau“ sowie von Susanne Görres, Abiturentin und Autorin eines Gedächtnisblattes vorgestellt.

Thomas Bleisteiner

Thomas Bleisteiner, geboren 1908 in Dachau, lebte in der Wieningerstraße 10 und war von Beruf Hilfsarbeiter. Er war von 1933 bis 1940 mehrfach inhaftiert, vor allem wegen Arbeitsverweigerung. Dabei musste er nur viele Arbeitsstellen ablehnen, weil er weder Schuhe noch ein Fahrrad besaß, um dort hinzugelangen. Dennoch bemühte er sich immer wieder Arbeit zu finden, seit er 14 war musste er für seine Familie Geld mitverdienen. Gestorben ist er schließlich am 16. April 1940 im KZ Mauhausen.

Anton Felber

Anton Felber, geboren 1902 in Dachau, lebte in der Friedenstraße 4a (heute 17) und war als Beruf Korbmacher. Er war bis 1938 mehrfach inhaftiert in Gefängnissen, vor allem wegen Diebstählen. Der frühe Tod seiner Eltern zwang ihn zum Stehlen und herumtreiben. Ab 1938 kam er in Vorbeugungshaft ins KZ Dachau wurde dann nach KZ Flössenbürg verlegt, wo er am 20. Oktober 1939 durch eine Herz- und Kreischlaufschwäche, verursacht durch eine Lungenentzündung verstarb.

Johann Pflügler

Johann Pflüger, geboren 1909 in Niederroth, war als Beruf Former bei Krauß Maffei in Allach. Sein letzter Wohnort war die Heimgartenstraße 14. Er hatte Kontakte zur KPD und verteilte mit Franz Klein und anderen Mitgliedern der KPD Flugblätter. 1933 war er 47 Tage im Amtsgereicht Dachau inhaftiert. Er pflegte zudem Kontakte zur Freiheitsaktion Bayern, die den Dachauer Aufstand am Rathaus organisierte. Eine Gruppe von sechs Männern nahmen das Dachauer Rathaus ein, darunter Johann Pflüger, der dort am 28. April 1945 erschossen wurde.

Albert Vettermann

Albert Vettermann, geboren 1900 in Chemnitz, war von Beruf Handlungsgehilfe. Nach dem Krieg arbeitslos wurde er im Juni 1937 beim Bau der A8 von München nach Ulm eingesetzt. Zunächst wohnte er im RAB-Lager in Wiedenzhausen. Dort lernte er Johannes Rudolf Grosser kennen, mit dem er eine sexuelle Beziehung begann. Er wurde deshalb verurteilt und war so von 1940 bis 1942 im KZ Dachau und Ravenbrück in polizeilicher Sicherungsverwahrung inhaftiert. Am 25. März 1942 wurde er in die Tötungsanstalt Bernburg/Saale überführt und sofort nach Ankunft ermordet. Sein Stein wurde in der Schleißheimer Straße 49 verlegt.

Statt trampeln, verbeugen

Nach der Vorstellung dieser Lebensläufe erzählte der Künstler Gunter Demnig Einzelheiten zu seinem Stolperstein-Projekt. Er werde oft gefragt, warum seine Steine „Stolpersteine“ heißen, man möchte ja nicht darüber fallen. „Vielmehr stolpere man mit dem Kopf und dem Herzen“, erklärt er. Den Vorwurf, die Fußgänger würde auf den Steinen und somit den Opfern trampeln, wie die Nazis es damals taten, wehrte der Künstler ab. „Wenn die Nazis nur getrampelt wären, hätten diese Menschen alle überlebt.“ Oberbürgermeister Florian Hartmann ergänzt: „Man bleibt stehen, verbeugt sich, vielleicht kniet man sich sogar nieder, um die Steine zu lesen.“ Er empfände die Stolpersteine als eine „schöne und würdige Ehrung“ der Opfer. Peter Gstettner, der aus der Partnerstadt Klagenfurt für die Verlegung angereist war, fasste den Zweck dieser Aktion treffend zusammen: „Die Menschen bekommen mit den Steinen ihren Namen wieder zurück, so dass sie nicht weiter nur eine Ziffer im Lager sind.“

mik

Quelle: Dachauer Rundschau

Auch interessant:

Meistgelesen

„Erneut sehr solide“
„Erneut sehr solide“
Gräber, die Geschichten erzählen
Gräber, die Geschichten erzählen
Strategien gegen Verkehrsstau
Strategien gegen Verkehrsstau
Gesellschaftlicher Einsatz geehrt
Gesellschaftlicher Einsatz geehrt

Kommentare