Der Notdienst für Kinder in Dachau ist ab Oktober nicht mehr verfügbar.

Dachauer Eltern müssen kranke Kinder ab Oktober in München notärztlich versorgen lassen

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Der Kinder-Notdienst für die Stadt und den Landkreis Dachau entfällt seit Oktober.

Dachau - Aus für den Kinder-Notdienst

„Kein kinderärztlicher Notdienst mehr im Landkreis Dachau“, diese Schreckensmeldung erreichte viele Eltern Ende September. 

Die fünf Ärzte aus dem Landkreis, die hier in ihren Praxen den kinderärztlichen Notdienst aufrecht erhalten hatten, übernehmen ab Anfang Oktober Feiertags- und Wochenend-Schichten in Münchner Bereitschaftspraxen, wie im Klinikum Dritter Orden. Anita Sommer, praktizierende Kinderärztin in Karlsfeld, klärte auf: „Unser Ärzteteam war zu klein für die hohe Belastung und uns fehlte Personal für die Wochenenden und die Feiertage.“ So hatten sich die fünf Ärzte gemeinsam dafür entschieden, auf die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) zuzugehen. 

Es blieben nur zwei Möglichkeiten: Den Notdienst komplett auflösen oder nach München verlegen. „Wir wollten uns nicht komplett auflösen, weil uns das Leid getan hätte“, erzählte Sommer weiter. So entschieden sie sich für Schichten in München. Auch KVB-Regionalleiter Guido Zdrenka bestätigte dies. Er betonte: „Betroffene Eltern sollten unbedingt die 116 oder 117 anrufen. Hier wird ihnen die nächstgelegene, dienstbereite Bereitschaftspraxis genannt.“ Das bedeutet für die Eltern an der Landkreisgrenze, dass sie je nach Lage auch nach Augsburg, Fürstenfeldbruck oder zu den hausärztlichen Bereitschaftspraxen in Dachau oder Markt Indersdorf verwiesen werden. Unzählige Diskussionen in sozialen Netzwerken zeigen: Eltern befürchten lange Wartezeiten. 

Außerdem beklagen sie die längeren Anfahrtswege. Doch Zdrenka beruhigt: „Eltern müssen mit einem Kind oder Jugendlichen nicht immer zwingend zu einem Kinderarzt – oft behandelt auch der Hausarzt.“ Im Netz äußerte sich auch die Kinderkrankenschwester Isabelle N.: „Wartezeiten würden sich rapide verkürzen und die Belastung der Kliniken sich verringern, wenn auch nur wirkliche Notfälle den Notdienst nutzen würden. Er dient aber leider oft als Arzt-Service für das Wochenende. Ein Zeckenbiss, ein Mückenstich, Schnupfen oder zweitägige Verstopfung sind keine Notfälle“, erklärte sie auf telefonische Nachfrage. Und weiter: „Es kommt leider auch häufig vor, dass Eltern mit gesunden Kindern für einen ‚Urlaubs-Check-Up‘ zum Notdienst kommen.“ Drohungen und Beleidigungen von verärgerten Eltern stünden außerdem bei ihr an der Tagesordnung denn: „einige Eltern verstehen nicht, dass beispielsweise ein Kind mit Platzwunde vor einem Kind mit Schnupfen dran kommt“, schilderte sie. „Bei 80 bis 90 Prozent der Kinder, die zum Notdienst in die Praxis kommen, handelt es sich um keinen Notfall“, berichtete sie verärgert. 

Die Belastung durch die „Lappalien“ sei unnötig hoch. „Bei kleinen Kindern mit Fieber ab 39,5 Grad oder Fieber bei Babys unter drei Monaten, ein akuter Asthmaanfall oder Verdacht auf Streptokokken und Platzwunden sind durchaus Notfälle“, erklärte Isabelle. Oberbürgermeister Florian Hartmann bedankte sich in einem Schreiben bei den Ärzten im Landkreis, die sich teilweise jahrzehntelang im kinderärztlichen Notdienst engagiert hatten. 

2017 war Dr. Heinrich Lehn, der 1988 zusammen mit anderen Dachauer Kinderärzten den Kindernotdienst gründete, vom Dachauer Stadtrat mit der Goldenen Bürgermedaille ausgezeichnet worden.

mik/red

Quelle: Dachauer Rundschau

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